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USA Widerstand gegen Trump

Eine derbe Geste für den US-Präsidenten kostete Juli Briskman den Job. Doch die Geschichte der 50-Jährigen beweist: Der Widerstand gegen Trump gewinnt an Breite.

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So wird man zur Ikone: Juli Briskman grüßt Trump am 28. Oktober 2017. Foto: afp

Zum Treffen im Coffeeshop kommt sie ausnahmsweise mit dem Auto. Es hagelt gerade heftig im Norden des Bundesstaates Virginia. Doch eigentlich liebt Juli Briskman die körperliche Bewegung. Die quirlige Frau mit den blonden Locken läuft Marathon, klettert auf Berge und fährt Rad – so wie an jenem Samstag vor knapp drei Monaten, der sie weltberühmt machen sollte. 

Heute muss der Latte Macchiato dran glauben. Wild rührt die 50-Jährige in ihrem Becher. „Mein Blut kocht immer noch, wenn ich darüber spreche“, sagt sie. Kein Wunder: Schließlich begegnet man nicht jeden Tag dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, findet kurz darauf ein Foto von sich in allen Zeitungen, verliert den Job und wird von Unbekannten mit 130.000 Dollar unterstützt. Das alles ist Juli Briskman passiert. Man kann mit Fug und Recht behaupten: Donald Trump hat ihr Leben auf den Kopf gestellt. Und letztlich ist sie ihm dafür sogar dankbar. 

Alles begann am 28. Oktober, einem lauen Spätsommertag. Morgens im Fernsehen hatte Briskman gesehen, dass der Präsident in ihre Gegend kommen würde. Rund 30 Meilen nordöstlich von Washington und keine Viertelstunde Fußweg von Briskmans Backsteinhäuschen im Vorstadtidyll von Sterling entfernt liegt einer der Golfplätze, auf denen Trump gerne ein paar Bälle schlägt. „Hat der schon wieder nichts Besseres zu tun?“, dachte die alleinerziehende Mutter kurz. 

Als sie sich nachmittags um Drei auf ihr blaues Rad schwang, hatte sie die Meldung längst vergessen. Entspannt radelte sie durch ihre Siedlung, in der die Bürgersteige begrünt sind und Basketballkörbe an den Doppelgaragen hängen. Doch kaum war sie in den Pacific Boulevard eingebogen, hörte sie von hinten eine Wagenkolonne heranrauschen. Die ersten Limousinen überholten. Sie trugen Nummernschilder des Secret Service. Als sie hinter den Scheiben Polizisten mit Maschinenpistolen sah, war Briskman klar: Gleich würde der Präsident an ihr vorbeifahren – der Mann, der illegale Einwandererkinder mit der Ausweisung bedrohte, das Gesundheitssystem Obamacare zerstören wollte und nach dem Massaker von Las Vegas schärfere Waffengesetze ablehnte. Spontan reckte sie den Mittelfinger ihrer linken Hand in die Höhe. Kurz darauf hielt der Konvoi an einer Kreuzung. Briskman radelte mit ausgestrecktem Stinkefinger noch einmal an den Limousinen vorbei. „Es hat sich großartig angefühlt“, erinnert sie sich schmunzelnd. 

Ikone des Widerstands gegen Trump

Nie hätte die Hobbysportlerin gedacht,   dass sie mit ihrer Geste zur Ikone des Widerstands gegen Trump werden könnte. Ein Fotograf aus dem Präsidententross hatte seine Kamera gezückt und die Frau im weißen T-Shirt neben den schwarzen Limousinen fotografiert. Ein paar Stunden später postete der White-House-Korrespondent des Radiosenders Voice of America die Aufnahme bei Twitter. „Einsame Fahrradfahrerin grüßt Präsidentenkonvoi“, schrieb er dazu. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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