Lade Inhalte...

USA Trump verteidigt Kinderschänder aus Kalkül

Warum gibt Donald Trump seine Zurückhaltung gegenüber dem ultrarechten Republikaner Roy Moore auf? Der US-Präsident sieht seine „Steuerreform“ zugunsten der Superreichen in Gefahr, wenn zu viele Demokraten Bundesstaatswahlen gewinnen.

Donald Trump
In den Vorwahlen hatte Trump noch den moderaten republikanischen Gegenkandidaten unterstützt. Trotzdem gewann Roy Moore. Foto: rtr

Zwei Wochen lang zögerte er. Doch angesichts der Gefahr, einen wichtigen Senatssitz zu verlieren und dank einer gewissen Inflation von Nötigungsvorwürfen in den USA gibt Donald Trump seine Zurückhaltung gegenüber dem ultrarechten Republikaner Roy Moore auf, der vor längerer Zeit Jugendliche missbraucht haben soll. „Roy Moore streitet es ganz und gar ab“, sagte Trump kurz vor seinem Abflug nach Florida ins Thanksgiving-Wochenende: „Er sagt: Es ist nie passiert.“ Außerdem seien 40 Jahre (so lange sollen die ersten Fehlverhalten zurückliegen) „eine lange Zeit“, relativierte Trump die Vorwürfe.

Das ist eine bemerkenswerte Kehrtwende. Bislang hatte der Präsident jede Stellungnahme zu dem 70-jährigen evangelikalen Fundamentalisten abgelehnt, der am 12. Dezember in Alabama bei einer Nachwahl für den US-Senat antritt. In den Vorwahlen hatte Trump sogar den moderaten republikanischen Gegenkandidaten unterstützt. Trotzdem gewann Moore.

Donald Trump: „Das ist sehr gut für die Frauen“

Als dann massive Missbrauchsvorwürfe gegen den erzkonservativen Juristen laut wurden, ging Trump auf Tauchstation; seine Sprecherin ließ er mitteilen, die Wähler in Alabama müssten selbst wissen, für wen sie stimmen. Derweil distanzierte sich die Führung der republikanischen Partei in Washington von Moore und stellte ihre finanzielle Unterstützung für ihn ein. Prominente republikanische Senatoren forderten Moores Rückzug, den der aber verweigert.

Nun unterstützte Trump Moore indirekt. Er habe sich den Lebenslauf des demokratischen Gegenkandidaten angesehen, sagte der Präsident zur Begründung: „Er ist furchtbar beim Kampf gegen Kriminalität. Er ist furchtbar bei der Mauer. Er ist furchtbar beim Militär.“ Unter Anspielung auf die anstehende Abstimmung über die große Steuerreform im Senat sagte Trump: „Wir können da keinen linken Demokraten gebrauchen.“

Besonders pikant wirkt, dass Trump im gleichen Atemzug die derzeitigen Enthüllungen über das sexuelle Fehlverhalten zahlreicher Politiker, Filmstars und Journalisten in den USA lobte. „Eine Menge Sachen kommen jetzt heraus, und ich denke, das ist gut für die Gesellschaft und das ist sehr gut für die Frauen“, sagte der Präsident. Insgesamt neun Frauen werfen Moore vor, sie teilweise vor Jahrzehnten belästigt zu haben. Unter anderem soll er eine seinerzeit 14-Jährige in sein Auto gelockt und die Tür verriegelt haben, bevor er ihr unter den BH griff und ihren Kopf auf seinen Unterleib drückte.

In den vergangenen Tagen soll Trump nach einem Bericht des Polit-Magazins „Politico“ im kleinen Kreis verstärkt Zweifel an den Aussagen der Opfer geäußert haben. Angeblich sieht er Parallelen zu sich selbst: Er wird von elf Frauen beschuldigt, sie in seiner Zeit als Immobilienmogul und Reality-TV-Star unerwünscht angefasst oder geküsst zu haben. Während des Wahlkampfes war sogar ein Tonband aufgetaucht, auf dem er protzte, er könne jeder Frau zwischen die Beine fassen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum