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USA Trump spricht von „neuen Welle des Optimismus“

An Donald Trumps „State of the Union“-Rede interessiert vor allem, was Melania währenddessen macht. Sie zeigt nur sehr mäßiges Interesse.

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Mit dem Rücken zum Präsidenten: Immigranten in Los Angeles kommentieren Donald Trump auf ihre Weise. Foto: afp

Die Frau in der VIP-Loge des US-Repräsentantenhauses weiß, dass alle Kameras auf sie gerichtet sind, als sie lächelnd die Ehrengäste zur feierlichen „State of the Union“-Ansprache begrüßt. Entgegen der Tradition ist Melania Trump an diesem Tag nicht in der Limousine des Präsidenten angereist. Es ist ihr erster öffentlicher Auftritt seit dem Bekanntwerden der angeblichen Affäre ihres Mannes mit einem Pornostar kurz nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Barron.

Ein freundliches Händeschütteln hier, ein bisschen Smalltalk dort. Die 47-Jährige trägt einen strahlend weißen Hosenanzug von Christian Dior zur hellen Bluse von Dolce & Gabbana. Die Auguren werden später bemerken, dass die Modeschöpfer keine Amerikaner waren und die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton ein ähnliches Outfit zur Amtseinführung von Donald Trump trug. Allzu gerne würde man wissen, ob dies eine stille Botschaft ist. Aber die Augen der „slowenischen Sphinx“ sind undurchdringlich. Mit versteinerter Miene verfolgt sie weite Teile der Inszenierung im Saal. Wenn man ihr spärliches Klatschen als Maßstab nimmt, ist sie mäßig angetan.

Unten vor den Vertretern beider Häuser des Kongresses ist derweil der Redner ganz offensichtlich begeistert. Formal preist Donald Trump zu Beginn seiner 80-minütigen Rede den Zustand des Landes, das von einer „neuen Welle des Optimismus“ getragen werde. Doch eigentlich meint der Präsident sich selbst, wenn er die vermeintlichen Erfolge vom Höhenflug der Aktienkurse über die Steuerreform bis zum neuen Stolz auf die US-Flagge aufzählt. „Dies ist unser amerikanischer Augenblick. Es hat nie eine bessere Zeit gegeben, um den amerikanischen Traum zu leben“, behauptet er.

Die Redenschreiber im Weißen Haus unter Leitung des ultrarechten Nationalisten Stephen Miller haben Wochen an dem Manuskript gefeilt, das Trump nun Wort für Wort vom Teleprompter abliest. Es ist eine Mischung aus reichlich Pathos, viel Patriotismus und eher versteckter Programmatik. Durch das Ablesen vermeidet der impulsive 71-Jährige unbedachte Äußerungen, doch sein monotoner Vortrag, bei dem praktisch nach jedem Satz eine Pause für Beifall eingelegt wird, wirkt zeitweise blutleer.

Was dem Präsidenten fehlt, wird durch die Inszenierung wettgemacht. Jedes Thema wird durch die Vorstellung beispielhafter Gäste im Publikum illustriert. Trump begrüßt eine Angehörige der Küstenwache, die nach dem Hurrikan Irma Menschenleben rettete, die Eltern eines Mädchens, das von einer lateinamerikanischen Bande ermordet wurde und einen Polizisten, der das Baby einer Heroinabhängigen adoptierte. Sie alle verkörpern das Herz jenes Amerikas, das Trump eindringlich beschwört: „Alle von uns zusammen, als ein Team, ein Volk und eine Familie.“

Auf dem Papier ist das eine weite Entwicklung für einen Präsidenten, der in seiner Antrittsrede das „amerikanische Gemetzel“ in schwärzesten Farben beschrieb. Dieses Mal will Trump Optimismus verbreiten und den Zusammenhalt der Gesellschaft beschwören. Eher kursorisch zählt er seine Vorhaben auf: ein 1,5 Billionen Dollar teurer Infrastrukturplan, über dessen Details und Finanzierung er kein Wort verliert. Ein Einwanderungsgesetz, dass den Kindern illegal in den Staaten Lebender einen Pfad zur Staatsbürgerschaft eröffnen soll, gleichzeitig aber den Bau der 25 Milliarden Dollar teuren Grenzmauer zu Mexiko sichert und den Familiennachzug halbiert. Und den Kampf gegen die Suchtkrise, den er seit knapp einem Jahr verkündet. Außer der Entscheidung, das Gefangenenlager Guantánamo offenzulassen, ist inhaltlich wenig überraschend in dieser Rede. Neu ist allerdings, dass Trump immer wieder die oppositionellen Demokraten zur Zusammenarbeit aufruft.

Doch je länger Trump redet, desto mehr überlagern die düsteren Beschreibungen von Kriminalität, feindlichen Regimen und Terrorgefahren den hoffnungsfrohen Grundton. Die Botschaft der nationalen Einheit wird konterkariert, als Trump die Arbeitsmigranten mit Drogenhändlern und Mörderbanden in einem Atemzug nennt und verspricht, den „Kettennachzug“ von Angehörigen zu beenden. „Unglücklicherweise hat die Rede die Spaltung vertieft, statt uns näher zusammenzubringen“, moniert Senats-Oppositionsführer Chuck Schumer.

Auch Melania Trump kam von jenseits der Grenzen in die USA und holte ihre Schwester Ines nach. Regungslos verfolgt sie den Vortrag ihres Mannes, der mit viel Applaus bedacht wird. Nach dem Ende verlässt sie – eskortiert von einem Offizier – alleine das Kapitol. Im Weißen Haus, wird berichtet, sind die Schlafzimmer des Paars seit langem getrennt. Gut möglich, dass Donald Trump gegen Mitternacht noch mal durch das Fernsehprogramm zappt. In der Jimmy-Kimmel-Talkshow will da der Pornostar Stephanie Clifford alias „Stormy Daniels“ trotz einer mit 130 000 Dollar vergoldeten Verschwiegenheitserklärung ihre Affäre mit dem Milliardär nicht klar dementieren. Im Gegenteil: Als der Moderator sie nach Details der Begegnung 2006 fragt, antwortet sie: „Ich dachte, das hier ist eine Talkshow und kein Horrorfilm.“

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