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USA Nicht länger über Trump schweigen

Für US-Präsident Trump wird's unangenehm: Zwei angebliche Ex-Affären und eine Frau, die ihm sexuelle Übergriffe vorwirft, wollen über das Verhalten des US-Präsidenten berichten.

Stormy Daniels
Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, wollte Daniels, die mit bürgerlichem Namen Stephanie Clifford heißt, ihre prominente Affäre schon 2011 öffentlich machen. Foto: afp

Normalerweise ist das „Wall Street Journal“ weder für Klatschgeschichten noch für unfaire Trump-Kritik bekannt. Die Zeitung bietet ihren Lesern seriöse Nachrichten aus der Welt der Unternehmen und Börsen, und pflichtet in ihren Kommentaren dem US-Präsidenten öfter bei. „Er ist ein guter Junge“, hat Donald Trump einmal über Chefredakteur Gerald Baker gesagt.

Doch am Mittwoch hatten die Mitarbeiter im Weißen Haus allen Grund, das Wirtschaftsblatt vor dem Chef zu verstecken. „Die endlose Geschichte zwischen dem Pornostar und dem Präsidenten läuft seit sieben Jahren“stand da auf der Titelseite. Doch das war nur der Appetithappen für die detaillierte Rekonstruktion des Rechtsstreits zwischen Trumps Anwalt Michael Cohen und der Pornodarstellerin mit dem Pseudonym Stormy Daniels. Die Geschichte der angeblichen Affäre im Jahr 2006 möge schillernd sein, zitierte das Blatt den Juristen Thomas Frampton von der renommierten Harvard Law School: „Aber rechtlich ist das für den Präsidenten höchst gefährlich.“

Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, wollte Daniels, die mit bürgerlichem Namen Stephanie Clifford heißt, ihre prominente Affäre schon 2011 öffentlich machen. Sie unterzog sich auf Wunsch eines Verlags einem Lügendetektor-Test, der ihre Aussagen wohl bestätigte. Doch dann wurde sie von Trump-Anwalt Cohen massiv eingeschüchtert, und das Magazin zog die Publikation aus unbekannten Gründen zurück. Als die Pornodarstellerin im Präsidentschaftswahlkampf 2016 erneut an die Öffentlichkeit drängte, zahlte ihr Cohen 130.000 Dollar. Zwei Wochen vor der Wahl unterschrieb sie eine Verschwiegenheitsvereinbarung.

Die Geschichte gewinnt jetzt enorm an Fahrt, weil sich Anwalt Cohen in immer neue Widersprüche verwickelt und zuletzt die Schweigegeldzahlung eingestanden hat, während er Trumps Affäre weiter bestreitet: „Auch etwas, das nicht wahr ist, kann jemand beschädigen.“ Dadurch fühlt sich Clifford als Lügnerin verleumdet und hat ihrerseits den Präsidenten verklagt. Außerdem ist ihr Anwalt überzeugt, dass der Schweige-Deal hinfällig ist, weil Trumps Anwalt über ihn geredet hat.

Clifford will auspacken 

Am Sonntag will Clifford nun in der CBS-Sendung „60 Minutes“ alles über ihre Affäre erzählen. Sie ist nicht die einzige: Bereits am Donnerstag wird das ehemalige Playboy-Model Karen McDougal bei CNN auftreten. Die Geschichte der 46-Jährigen klingt ganz ähnlich. Sie will 2006 bis 2007 eine zehnmonatige Affäre mit Trump gehabt haben. Die Veröffentlichungsrechte verkaufte sie im August 2016 für 150.000 Dollar an das Skandalblatt „National Enquirer“. Dessen Verleger David Pecker, ein enger Freund von Trump, steckte das Material aber in den Safe und dachte nicht daran, es zu veröffentlichen. Nun hat auch das Model geklagt, um von der Schweigepflicht entbunden zu werden.

Zwei mutmaßlich Ex-Geliebte, die über ihre Affären auspacken wollen – das allein schon sind keine schönen Aussichten für Trump. Übel dürfte vielen vor allem aufstoßen, dass die Beziehungen kurze Zeit nach der Hochzeit mit Melania und der Geburt des gemeinsamen Sohnes Barron spielen.

Doch damit nicht genug: Mehrere Frauen beschuldigen den einstigen Reality-TV-Star zudem, sie sexuell belästigt zu haben. Eine von ihnen, Summer Zervos, hat nun vor Gericht einen Etappensieg errungen. Nach Darstellung der ehemaligen Kandidatin in Trumps Casting-Show „The Apprentice“ hatte dieser sie gegen ihren Willen geküsst, an ihre Brüste gefasst und sein Geschlechtsteil gegen sie gedrückt. Die Geschichte sei erfunden, behauptete Trump. Dagegen hat Zervos eine Verleumdungsklage angestrengt, die von Trumps Anwälten mit formalen Argumenten torpediert wurde. Doch diesen Antrag wies ein New Yorker Gericht am Dienstag zurück. Damit kann die Klage weitergehen. Zervos will ihre Version der Geschichte bald vor Gericht aussagen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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