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USA Missbrauch im Namen Jesu

Der religiöse Eiferer Roy Moore soll Minderjährige belästigt haben - und könnte dennoch in den US-Senat gewählt werden. Seine Anhänger instrumentalisieren sogar die Weihnachtsgeschichte, um ihn zu verteidigen.

Roy Moore
Sieht sich als Opfer, nicht als Täter: Republikaner Roy Moore. Foto: rtr

Der Mann ließ als Richter einen Granitblock mit den Zehn Geboten im Amtsgebäude aufstellen, er möchte eine christliche Scharia in den USA einführen und hält Homosexualität für bestialisch. Roy Moore ist ein erzreaktionärer religiöser Eiferer mit besten Chancen, im Dezember als republikanischer Nachrücker für den Bundesstaat Alabama in den US-Senat gewählt zu werden. Doch nach Informationen der Zeitung „Washington Post“ hat Moore als 30- bis 40-Jähriger mindestens vier Minderjährige belästigt und missbraucht.

Mit der akribisch recherchierten Geschichte über den heute 70-jährigen Ehemann und vierfachen Vater gerät in den USA erstmals ein führender konservativer Politiker in den Fokus der Missbrauchsaffäre. Bislang waren überwiegend Hollywoodgrößen mit Vorwürfen sexueller Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung konfrontiert.

Moore wittert eine bösartige Intrige der Linkspresse

Präsident Donald Trump hatte genüsslich darauf hingewiesen, dass einige von ihnen Geldgeber der demokratischen Partei waren. Zu den Enthüllungen über seinen Parteifreund Moore ließ Trump nun erklären, bloße Anschuldigungen dürften nicht das Leben eines Menschen zerstören: „Falls die Vorwürfe aber zutreffen, sollte Richter Moore das Richtige tun und abtreten.“

Doch der Kandidat denkt gar nicht daran. Im Gegenteil: Er beklagt lautstark eine bösartige Intrige der angeblich von Barack Obama und Hillary Clinton gesteuerten Linkspresse: „Wir befinden uns mitten in einem Glaubenskrieg mit denen, die unsere Botschaft unterdrücken wollen“, twitterte er. Doch er werde sich „den Kräften des Bösen“ niemals beugen.

Im erzkonservativen Bundesstaat Alabama scheint die Affäre dem Kandidaten jedenfalls bislang kaum zu schaden. „Nehmen wir nur mal Josef und Maria“, verteidigte Jim Zeigler, der staatliche Rechnungsprüfer in Alabama, das Verhalten Moores: „Maria war eine Jugendliche und Josef ein erwachsener Zimmermann. Sie wurden die Eltern von Jesus.“

Verhalten kontrastiert die Moralpredigten des religiösen Eiferers

Durch eine ausführliche Recherche und Interviews mit mehr als 30 Personen hatte die „Washington Post“ aufgedeckt, dass Moore als 32-Jähriger eine damals 14-Jährige ansprach und dann zweimal zu sich nach Hause brachte, wo er sie bis auf Unterhose und BH entkleidete, unsittlich anfasste und ihre Hand an seinen Penis führte. Drei weitere Frauen, die damals 16 bis 18 Jahre alt waren, berichteten, dass Moore sich mit ihnen verabredet, sie geküsst und sie gesetzeswidrig zum Alkoholkonsum verleitet habe.

Offenbar kam es bei keiner Begegnung zum Geschlechtsverkehr. Trotzdem kontrastiert das Verhalten schrill mit den Moralpredigten des religiösen Eiferers und ehemaligen Richters.

Als Vertreter der evangelikalen Rechten hatte sich Moore mit Hilfe von Trumps rechtsradikalem Ex-Chefstrategen Stephen Bannon in der Vorwahl gegen den vom US-Präsidenten offiziell unterstützten gemäßigten Kandidaten durchgesetzt.

Der Urnengang für den Senatsposten findet in vier Wochen statt, eine Änderung des Wahlzettels ist nicht mehr möglich. Allerdings erlaubt das Gesetz des Bundesstaats, dass Wähler handschriftlich einen Namen hinzufügen und für diesen votieren. Die Republikaner in Washington überlegen nun ernsthaft, ob sie dazu aufrufen sollen.

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