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USA Mein Buddy, der Diktator

Zu Hause steht Najib Razak unter Korruptionsverdacht – in Washington festigt Donald Trump seine Freundschaft mit Malaysias Premier.

Trump welcomes Malaysia's Najib to the White House in Washington
Ein großes Herz zeigt Trump für Malaysias umstrittenen Herrscher Najib Razak (r.). Foto: rtr

Donald Trump war sichtlich beeindruckt. „Great“, kommentierte er die Ausführungen seines Gastes. „Great“, sagte er ein zweites Mal. Dann: „Right!“ Und schließlich: „Ganz herzlichen Dank!“ Es sei eine große Ehre, den malaysischen Ministerpräsidenten Najib Razak zu Gast zu haben, schwärmte der US-Präsident wenig später auf Twitter und veröffentlichte einen Videoclip mit Szenen einer herzlichen Begegnung.

Nicht nur die Opposition in Malaysia, die der Autokrat Najib niederknüppeln und festnehmen lässt, sieht das etwas anders. Auch amerikanische Medien zeigen sich höchst verwundert: Immerhin steht Najib im Zentrum eines Korruptionsskandals, nicht nur in seiner Heimat. Das amerikanische Justizministerium hat im vergangenen Jahr offiziell eine Untersuchung eröffnet und die Beschlagnahme von Vermögenswerten in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar angekündigt, die Verwandte und Vertraute des Regierungschefs aus einem Staatsfonds abgezweigt haben sollen.

„The Independent“: Neuer Tiefpunkt

Nun ist Trumps Sympathie für fragwürdige Herrscher keine Neuigkeit. Bei einem Besuch in Saudi-Arabien genoss er ganz offensichtlich den Säbeltanz. Den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hofierte er, während dessen Schergen die Demonstranten vor der Botschaft in Washington verprügelten. Und den indischen Premierminister Narendra Modi, in dessen Land der Konzern des Präsidenten mehrere Hochhäuser errichten will, empfing er wie einen engen Freund.

Doch mit dem Najib-Besuch, urteilt die britische Zeitung „The Independent“, habe Trump einen neuen Tiefpunkt gesetzt. Das Blatt verweist vor allem auf die nach wie vor bestehenden Verbindungen zwischen Malaysia und Nordkorea sowie auf den Korruptionsskandal. Tatsächlich hatte das „Wall Street Journal“ enthüllt, dass rund 700 Millionen Dollar mutmaßlich aus dem Staatsfonds auf persönlichen Konten Najibs landeten. Der Premierminister bestritt das und erklärte später, bei dem Geld handele es sich um ein Geschenk der saudischen Königsfamilie.

Alte Golf-Buddys

Ähnlich anrüchig sind jedoch die Begleitumstände des Besuchs in den USA. Wie die „Washington Post“ berichtet, stieg der malaysische Regierungschef mit seiner Delegation für mindestens zwei Tage im überteuerten Trump-Hotel an der Pennsylvania Avenue ab und wurde dort wie ein Ehrengast behandelt. Die Luxusherberge gehört über einen Fonds dem US-Präsidenten, der somit an der Staatsvisite kräftig verdient. Zwar beteuerte Präsidentensprecherin Sarah Sanders, das Weiße Haus nehme keinen Einfluss auf die Quartierwahl der Gäste.

Doch haben bereits verschiedene ausländische Botschaften Veranstaltungen in dem Hotel abgehalten, weil sie sich davon bessere Kontakte zur Regierung versprechen. Najib ist laut „New York Times“ ein alter Golf-Buddy von Trump. Im Büro des malaysischen Regierungschefs soll ein gemeinsames Foto mit einer Widmung von Trump hängen: „Für meinen Lieblings-Premierminister.“

Trumps überschwänglichen Kommentaren zufolge sind die Gefühle während des Najib-Besuches nicht erkaltet. Im Gegenteil. Dafür dürfte es handfeste Gründe geben: Nicht nur verdient der US-Präsident an den Übernachtungen der malaysischen Delegation. Vor allem bahnt sich ein milliardenschwerer Deal mit dem US-Flugzeugbauer Boeing an. 25 Maschinen vom Typ 737 hat Malaysia bereits geordert. Nun werde man wahrscheinlich 25 weitere Flugzeuge bestellen, kündigte Najib an. Der Deal, zu dem auch Triebwerke von General Electric gehören sollen, hat einen Wert von mehr als zehn Milliarden Dollar.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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