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USA Mehr Hygiene bei der Beschneidung

New Yorks Oberbürgermeister Michael Bloomberg fordert klare Verordnungen bei der Beschneidung und legt sich mit den ultra-orthodoxen Juden der Stadt an.

13.09.2012 16:49
Von Sebastian Moll
New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg möchte er das uralte Ritual der Beschneidung regulieren. Foto: dapd

Dem New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg wird schon lange vorgeworfen, seine Bürger mit einem Übermaß an Regulierungen und Verordnungen zu traktieren. Das Tanzen in unlizenzierten Gaststätten verbot er ebenso wie das Rauchen, Köche dürfen keine Transfette mehr benutzen, das Essen in Schulkantinen wurde verschlankt, zuletzt untersagte er den Verkauf großer Softdrinks.

Nun legt sich Bloomberg, der selbst Jude ist, auch noch mit seinen Glaubensgenossen an. In einer neuen Verordnung möchte er das uralte Ritual der Beschneidung regulieren. Ein bestimmter Teil der Zeremonie – das metzitzah b“peh – darf in Zukunft nicht mehr ohne das Einverständnis der Eltern durchgeführt werden.

Kinder mit Herpes infiziert

Anlass für den Schritt sind Berichte des New Yorker Gesundheitsamtes, dass Säuglinge sich bei dem Ritual Herpesinfektionen zugezogen haben sollen. Zwei Kinder starben daran sogar. Die Herpesviren wurden übertragen, während der Mohel, der Beschneider, wie der Brauch es vorsieht, mit dem Mund das Blut von der Wunde absaugte.

Die Praxis wird bei weitem nicht mehr in allen jüdischen Gemeinden angewandt. Lediglich ultra-orthodoxe Rabbiner folgen noch diesem Brauch. Die Stadt schätzt, dass etwa 3600 Beschneidungen pro Jahr auf diese Art und Weise durchgeführt werden. Progressivere Gemeinden in New York, wo mehr als 1,5 Millionen Juden leben, verwenden schon seit langem sterile Pipetten und Mull, um die Wunde zu versorgen.

Die orthodoxen Rabbiner gehen allerdings gegen die geplante Maßnahme auf die Barrikaden. 200 Geistliche haben bereits angekündigt ,die Stadt zu verklagen, falls die Verordnung verabschiedet wird. Sie behaupten, Bloomberg schränke ihr Verfassungsrecht auf freie Religionsausübung ein. Eine Behauptung, die der Bürgermeister barsch abwies: „Das Recht auf freie Religionsausübung ist nicht absolut“, ließ er die Geistlichen wissen und verwies auf ein Urteil von 1944, in dem erfolgreich gegen religiös begründete Kinderarbeit geklagt wurde.

Die jüdische Tageszeitung The Sun schrieb daraufhin ein flammendes Editorial, das Bloombergs Verordnung mit dem Beschneidungsurteil in Deutschland sowie einer Initiative in Kalifornien in Verbindung brachte, welche die Beschneidung verbieten wollte.

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