Lade Inhalte...

USA Ein Satan aus St. Petersburg

Von der Anti-Hillary-Demo bis zum islamfeindlichen Facebook-Post: Wie eine russische Troll-Agentur in den US-Wahlkampf eingegriffen haben soll.

National Convention in Cleveland
Die Anti-Hillary-Kampagne lief gut. Sie hatte nur einen Haken: Organisiert und bezahlt wurden die Aktionen nicht von amerikanischen Staatsbürgern. Foto: rtr

Der 20. August 2016 war ein guter Tag für Donald Trump. In vielen Städten Floridas demonstrierten Menschen unter dem Motto „Florida goes Trump“ mit Fähnchen und Plakaten für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Besonders bejubelt wurde ein Auto-Anhänger mit einem Käfig, in dem eine Frau in orangenem Sträflingsanzug und Hillary-Clinton-Maske saß. Ein paar Tage zuvor hatte eine Gruppe mit dem Namen „Stop A.I.“ bei Facebook die demokratische Kandidatin des Wahlbetrugs bezichtigt. „Hillary ist ein Satan“, mahnte später eine Anzeige in den sozialen Netzwerken.

Die Anti-Hillary-Kampagne lief gut. Sie hatte nur einen Haken: Organisiert und bezahlt wurden die beschriebenen Aktionen nicht von amerikanischen Staatsbürgern. Die Strippenzieher saßen tausende Kilometer östlich im russischen St. Petersburg. Unter falschen amerikanischen Namen hatten Mitarbeiter einer dort ansässigen Propaganda-Agentur zu den Demonstrationen aufgerufen, den Käfig in Auftrag gegeben, die Clinton-Darstellerin angeworben und die Botschaften in den sozialen Netzwerken platziert. Das jedenfalls behauptet der amerikanische Sonderermittler Robert Mueller.

Ein bisschen „1984“

Die 37-seitige Anklageschrift des ehemaligen FBI-Chefs gegen 13 russische Staatsbürger liest sich streckenweise wie eine Neuausgabe von George Orwells legendärem Roman „1984“ für das digitale Zeitalter. Nach Erkenntnissen von Mueller und seinem Recherche-Team arbeiteten während des US-Wahlkampfes mehr als 80 Leute in der „Übersetzer“-Abteilung der Internet Research Agency in St. Petersburg daran, die rechtmäßigen politischen Abläufe in den USA „zu beinträchtigen, zu behindern und zu stören“. Für die Verschwörung standen monatlich 1,2 Millionen Dollar zur Verfügung.

Schon 2014 sollen zwei Mitarbeiterinnen der Agentur, die von dem milliardenschweren Putin-Freund Yevgeniy Viktorovich Prigozhin kontrolliert wird, durch die USA gereist sein, um die Lage zu erkunden, Kontakte zu knüpfen und Speicherplatz auf amerikanischen Servern zu kaufen. Im Zwei-Schicht-Betrieb entsprechend der amerikanischen Zeitzonen machte sich das Petersburger Desinformations-Team dann mit falschen oder gestohlenen Identitäten ans Werk. Über hunderte Fake-Accounts im Netz wurden die Botschaften verbreitet. „Wer verbirgt sich hinter diesen Masken? Ein Mann? Eine Frau? Ein Terrorist?“, fragte etwa eine aus St. Petersburg gesteuerte Facebook-Anzeige mit dem Bild dreier Burka-Trägerinnen und forderte: „Stoppt alle Eindringlinge!“ Aber auch Kontakt zu Graswurzel-Bewegungen wurden gesucht, denen man Hilfe anbot. Zwischen Juni und November 2016 sollen acht Demonstrationen in amerikanischen Städten organisiert worden sein.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen