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USA Donald Trump will sich versprochen haben

2. UpdateNach massiver Empörung seiner Partei über den Kuschelkurs in Moskau lenkt US-Präsident Trump ein. Er will sich nur versprochen haben.

Donald Trump
Trump über Putin: „Er ist ein interessanter Gesprächspartner.“ Foto: rtr

Am Dienstagnachmittag, als sich gerade ein heftiges Sommergewitter über dem Weißen Haus entlud, war der Druck wohl zu groß geworden. Donald Trump bat kurzfristig die Presse in den Kabinettsraum des Regierungssitzes und machte eine erstaunliche Mitteilung. „Vielleicht war ich ein bisschen undeutlich“, spielte der US-Präsident den Skandal herunter. Nach seinem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin hatte er am Montag erklärt, er sehe keinen Grund, warum sich Russland in den US-Wahlkampf hätte einmischen sollen. „Ich wollte sagen: Ich sehe keinen Grund, warum es Russland nicht gewesen sein soll“, korrigierte sich Trump nun.

Ein kleiner Versprecher, ein Lapsus bei der doppelten Verneinung? Daran glaubt niemand in Washington. Von einer „lächerlichen Ausrede“ war unter den Korrespondenten schnell die Rede. Immerhin hatte Trump in seinem ganzen Auftritt bei der Pressekonferenz in Helsinki klargemacht, dass er die Untersuchung der russischen Hackerangriffe durch Sonderermittler Robert Mueller für eine „Hexenjagd“ hält. Auch zog er öffentlich die Erkenntnisse der US-Geheimdienste in Frage: „Es könnte auch jemand anders gewesen sein.“

Trump hatte seine Äußerung ganz genau so gemeint. Er hatte sich nur im politischen Sinn versprochen. Die Vehemenz der Empörung und der Kritik aus den eigenen Reihen, die ihm nach seiner Rückkehr in Washington entgegenschlug, hatte den selbstverliebten Präsidenten völlig  überrascht. Nach amerikanischen Medienberichten machten seine engsten Mitarbeiter zudem mächtig Druck, dass er die scheunentorgroße Flanke des unpatriotischen Verrats irgendwie schließen müsse. Immerhin hatten sich Dutzende Top-Republikaner öffentlich vom Präsidenten distanziert. Seine publizistischen Geleitboote, der rechte Sender Fox und die Propagandaseite Breitbart, stellten stundenlang kritische Kommentare auf ihren Webseiten, und die morgendliche Presseschau im Weißen Haus war desaströs ausgefallen.

Trump habe kein Problem damit, die eigenen Verbündeten als „Versager“ oder „Feinde“ zu diffamieren, kommentierte etwa die New York Times: „Es bleibt ein Geheimnis, warum der Präsident nicht gewillt ist, russische Niedertracht anzusprechen.“ Eine Karikatur neben dem Leitartikel zeigte den US-Präsidenten als Putins Papagei. Zwar ist Trump gewöhnt, dass ihn linke oder liberale Zeitungen angehen, aber ein Total-Verriss auf der Nachrichtenseite seines Lieblingssenders Fox kommt selten vor. „Es ist schockierend und kritikwürdig, wenn ein Präsident sagt, er glaube ausländischen Regierungschefs mehr als den eigenen Diensten“, hieß es dort.

Ungewöhnlich ist auch, dass Trump offenen Widerspruch von seinem Geheimdienstdirektor erntet. „Unsere Einschätzung der Einmischung Russlands in die Wahl 2016 und ihrer andauernden allgegenwärtigen Versuche, unsere Demokratie zu unterminieren, war klar“, betonte Dan Coats, der von Trump selbst berufen worden war. In der Republikanischen Partei begehrten nicht nur die üblichen Abweichler Bob Corker und Jeff Flake, sondern die komplette erste Reihe auf. „Russland ist nicht unser Freund“, widersprach Mitch McConnell, der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat. „Es steht außer Frage, dass Russland in unsere Wahlen eingegriffen und versucht hat, die Demokratie hier und im Rest der Welt zu untergraben“, betonte Paul Ryan, der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses.

Besonders schmerzlich für Trump war die Distanzierung seiner treuesten Verbündeten. So erklärte sein Ex-Berater Newt Gingrich, der den Präsidenten stets verteidigt hat: „Dies ist der schwerste Fehler seiner Präsidentschaft und muss sofort korrigiert werden.“ Senator Lindsey Graham, mit dem Trump gerne Golf spielt, bedauerte, die Positionierung des Präsidenten werde „als Zeichen von Schwäche gesehen und wird weit mehr Probleme schaffen als lösen“.

Allerdings ist fraglich, welche Konsequenzen die Entfremdung der Republikaner von Trump hat. Bislang genießt der Präsident noch große Unterstützung an der Basis, und der Opportunismus ist zu einem Markenzeichen der einstmals prinzipientreuen Partei geworden. Im privaten Gespräch, berichtet das Nachrichtenportal Politico, würden viele republikanische Politiker achselzuckend fragen: „Was sollen wir denn machen?“ Ein Antrag der Demokraten im Repräsentantenhaus, der Trumps Äußerungen von Helsinki direkt widersprochen hätte, wurde am Dienstag abgelehnt. Die Republikaner stimmten dagegen.

Nach Trumps neuesten Äußerungen haben wir diesen Text komplett überarbeitet. Die Redaktion.

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