Lade Inhalte...

US-Wahl Jeb Bush holt Bruder ins Boot

US-Präsidentschaftskandidat Jeb Bush will im Wahlkampf auf die Unterstützung seiner Familie setzen. In South Carolina wird Bush erstmals mit seinem Bruder und früheren Präsidenten George auftreten. Der Staat hat für die Familie eine besondere Bedeutung.

Wieder vereint: George W. (Mitte) und Jeb Bush (rechts), hier 2008. Foto: rtr

Jetzt kann offenbar nur noch der große Bruder helfen. Jeb Bush, dessen Bewerbung als US-Präsidentschaftskandidat nicht vom Fleck kommt, hat den früheren Präsidenten George W. Bush, seinen Bruder, für den Wahlkampf engagiert. Zusammen will das Bruderpaar erstmals an diesem Montag in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina bei einer Veranstaltung auftreten. Es ist ein risikoreicher Plan.

Der 43. US-Präsident George W. Bush soll, glaubt man Angaben seiner Vertrauten, ähnlich fassungslos sein über den unerwarteten Erfolg des Populisten Donald Trump wie die Mehrheit der republikanischen Parteiführung. Von seinem Wohnort Dallas in Texas aus beobachtet Bush offenbar mit Sorge, wie schwer sich sein Bruder Jeb tut, im parteiinternen Wahlkampf um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat festen Boden unter die Füße zu bekommen.

Als Jeb Bush vor acht Monaten seine Präsidentschaftsambitionen öffentlich machte, galt er als Favorit. Diese Rolle verlor der Bruder des 43. US-Präsidenten und Sohn des 41. Präsidenten George H. W. Bush jedoch sehr schnell. Der New Yorker Immobilienmilliardär Donald Trump schaffte es mit einer Mischung aus Inhaltsleere und populistischem Gedröhne an die Spitze des Bewerberfeldes. Die Regierungserfahrung, die Jeb Bush als ehemaliger Gouverneur des Bundesstaates Florida mitbringt, hat bis heute keine Wirkung gezeigt. Derzeit sieht es so aus, als würde es dem Bush-Clan nicht gelingen, den dritten US-Präsidenten aus der eigenen Familie zu stellen.

Trump greift die Bush-Brüder frontal an

Bei der ersten Vorwahl in Iowa bekam Jeb Bush gerade mal knapp drei Prozent der republikanischen Stimmen. In New Hampshire waren es in der vergangenen Woche elf Prozent, doch für Trump stimmten gut 100 000 Wählerinnen und Wähler, für Bush nur gut 30 000. Die Vorwahl in South Carolina am kommenden Samstag könnte schon darüber entscheiden, ob Bush jr. wegen Erfolglosigkeit ausscheiden muss. Wahrscheinlich ist das nicht, denn am 1. März ist „Super Tuesday“. Dann werden bei den Republikanern in zwölf Bundesstaaten die Hälfte der für die Nominierung notwendigen 1237 Delegiertenstimmen vergeben. So lange dürfte Bush weitermachen, aber um noch Erfolgsaussichten zu haben, braucht er jetzt einen Erfolg in South Carolina.

Die Zusammensetzung der republikanischen Wählerschaft in dem Südstaat ist der Grund für das öffentliche Engagement von George W. Bush, der sich in den gut sieben Jahren seit seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt in der Politik zurückgehalten und lieber aufs Malen konzentriert hat. South Carolina ist Bush-Land. George W. Bush und sein Vater sind dort vor allem unter den Soldaten auf den zahlreichen Militärstützpunkten und ihren Familien sehr angesehen. In South Carolina, so ergaben private Umfragen im Auftrag des Bush-Clans, kommt „Dabbeljuh“ auf Beliebtheitswerte, von denen Jeb Bush bislang nur träumen kann.

Der Auftritt des Bruderpaares in Charleston könnte dem Kandidaten tatsächlich Schwung für die kommenden Vorwahlen bringen. Vertraute sagten jetzt in der Zeitung „Washington Post“, der ehemalige Präsident werde versuchen müssen, seine Popularität auf den Bruder zu übertragen.

Überzieht George W. Bush jedoch die Lobhudelei, dann könnte sich die brüderliche Schützenhilfe als kontraproduktiv erweisen, weil Jeb Bush im Vergleich zu Nummer 43 als eine blasse Kopie des Bruders wirken würde.

Der geplante Auftritt des Expräsidenten an der Seite seines jüngeren Bruders hat auch Donald Trump aufgeschreckt, der bislang in South Carolina in den Umfragen führt. Während einer TV-Debatte am Samstagabend griff der New Yorker Geschäftsmann deswegen die Bush-Brüder frontal an. Der ältere der beiden habe als Präsident das Volk belogen, als er unter dem Vorwand im Irak einmarschiert sei, Saddam Hussein verstecke Massenvernichtungswaffen.

Jeb Bush reagierte unterkühlt und sagte, sollte Trump geplant haben, sich am Montagabend beim Auftritt der Bush-Brüder blicken zu lassen, sei er hiermit ausgeladen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum