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US-Wahl 2020 Julian Castro verkündet Bewerbung für 2020

Im November 2020 steht in den USA die nächste Präsidentschaftswahl an. Bei den Demokraten bringen sich mögliche Trump-Herausforderer in Stellung. Julian Castro ist einer davon.

Julian Castro
Vor einer jubelnden Menschenmenge verkündet Julian Castro seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Foto: afp

Zwei Jahre sind so gut wie nichts – zumindest wenn es um die US-Präsidentschaftswahl geht. Da gilt es für mögliche Kandidaten, sich so früh wie möglich in Stellung zu bringen.

Als Erste hat das Elizabeth Warren gemacht. Die Senatorin aus dem Bundesstaat Massachusetts eröffnete bereits am Silvestertag 2018 das Rennen der erfolgversprechendsten Kandidaten, indem sie, wie das in den USA so üblich ist, ein Komitee gründete, das ihre Chancen im Fall einer Kandidatur ausloten soll. Damit ist es ihr möglich, Mitarbeiter einzustellen und - was ja immer ganz besonders wichtig ist - Spenden zu sammeln. Ob die 69-Jährige, die dem linken Flügel der Demokraten angehört, tatsächlich antreten wird, ist aber noch lange nicht sicher. Ihre endgültige Entscheidung über eine Bewerbung will sie in Kürze bekanntgeben.

Julián Castro verkündet seine Bewerbung

Der frühere Minister aus der Regierung von Barack Obama gab seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur vor einer jubelnden Menschenmenge im texanischen San Antonio bekannt. In der von zu zwei Dritteln von Latinos bewohnten Stadt war Castro mehrere Jahre Bürgermeister gewesen. In der Regierung von Obama bekleidete er - als jüngstes Kabinettsmitglied - das Amt des Wohnungsbauministers. Er gilt als erfahrener Politiker, ausgestattet mit einem außergewöhnlichen Redetalent. Während seiner Antrittsrede kritisierte er die Grenzpolitik von US-Präsident Donald Trump und versprach, dass er als Präsident niemals „Kinder Käfige zu sperren“ würde.

Tulsi Gabbard tritt an

Auch wenn die Vorwahlen erst im Januar 2020 beginnen, ist nun auch für andere Anwärter die Zeit gekommen, ihren Hut in den Ring werfen. In einem Interview mit dem Fernsehsender CNN hat nun auch Tulsi Gabbard, die für Hawaii im US-Repräsentantenhaus sitzt,  ihre Kandidatur bekanntgegeben. Die 37-Jährige, die 2013 als erste Hindu in den Kongress der Vereinigten Staaten gewählt wurde, meldete sich 2004 für einen Einsatz im Irak, wo sie in einer Samitätseinheit tätig war.

Viel Kritik erntete sie im Januar 2017, als sie mit dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad zusammentraf.   werden. „Wir sollten uns mit jedem treffen, wenn es dazu beitragen kann, diesen Krieg zu beenden, der dem syrischen Volk so viel Leid zufügt“, sagte damals Gabbard, die Militärinterventionen ablehnend gegenübersteht. Dass sie von den Demokraten nominiert wird, ist nicht sehr wahrscheinlich.

Aussichtsreichste Kandidaten

Die Diskussionen darüber, wer nun die besten Chancen gegen Trump hätte, dürften dann weiter zunehmen. Schon seit geraumer Zeit tobt bei den Demokraten ein Kampf zwischen dem linken und dem moderaten Flügel über den Kurs der Partei. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten außer Warren noch Joe Biden, Kamala Harris, Bernie Sanders und Beto O’Rourke. Als Geheimtipp wird Amy Klobuchar gehandelt.

Hier ein Blick auf mögliche Kandidaten:

Elizabeth Warren

Die Juraprofessorin, die an der Eliteuniversität Harvard lehrte, sitzt seit 2013 im Senat und hat sich einen Namen als lautstarke Kritikerin der Finanzindustrie gemacht. Ein beliebtes Feindbild ist auch Donald Trump, den sie immer wieder aufs Schärfste attackiert. Doch Trump wäre nicht Trump, würde er nicht ebenso hart zurückschlagen. Die Auseinandersetzung gipfelte schließlich im Pocahontas-Streit. Weil Warren behauptet, dass unter ihren Vorfahren auch amerikanische Ureinwohner seien, verspottet sie Trump regelmäßig als „Pocahontas“, eine bekannte Ureinwohnerin aus dem 17. Jahrhundert.

Im Juli 2018 forderte er sie schließlich auf, einen Test zu machen, um ihre Angaben endlich belegen zu können. Zudem versprach er, ihr bei einem positiven Ergebnis eine Million Dollar für eine Wohltätigkeitsorganisation ihrer Wahl zu geben.

Und was geschah? Warren unterzog sich tatsächlich einem Test und legte im Oktober das Resultat vor, wonach es „überzeugende Beweise“ dafür gebe, dass einer ihrer Vorfahren vor sechs bis zehn Generationen ein amerikanischer Ureinwohner gewesen sei. Gleichzeitig forderte sie Trump auf, seine Wettschulden einzulösen, woraufhin dieser von einem gefälschten Test sprach und sie als Schwindlerin beschimpfte. Natürlich gibt es auch einen entsprechenden Tweet dazu: Nur Menschen mit sehr geringem IQ, so Trump, würden Warren glauben.

Warren brachte die ganze Aktion jedenfalls überwiegend negative Kritiken ein. Im Grunde könnte es ihr so ähnlich gehen wie Hillary Clinton. Zwar dürfte sie fachlich die wohl kompetenteste Bewerberin der Demokraten sein, doch beim Wahlvolk kommt sie offenbar nicht so recht an. 

Bernie Sanders

2016 war für die Demokraten nun wirklich kein gutes Jahr. Hillary Clinton ist ursprünglich als klare Favoritin ins Rennen um die Präsidentschaft gegangen, doch dann kam der parteilose Bernie Sanders, der seit 2007 den Bundesstaat Vermont im US-Senat vertritt, und trat im Vorwahlkampf der Demokraten gegen Clinton an. Sanders gehört in den USA zu den linken Politikern - in Deutschland wäre er wohl den Sozialdemokraten zuzuordnen. Immerhin bezeichnet er seine politische Orientierung als „democratic socialism“. Dass aber ein Politiker, der sich als Sozialist bezeichnet, in den USA wählbar ist, gehört zu den überraschenden Erkenntnissen des Wahlkampfs 2016.

Sanders ist nach wie vor sehr populär – wohl auch bei den Kubanern, wurde doch 2017 eine auf Kuba heimische Spinne (Spintharus berniesandersi ) nach ihm benannt. Anderseits könnte ein zweiter Anlauf von Sanders auch alte Wunden aufreißen, hat doch der Wahlkampf 2016 bei den Demokraten geradezu ein Trauma ausgelöst. Auch die Frage nach seinem Alter verhallt nicht ungehört. Immerhin ist Sanders bereits 77 Jahre alt und würde, sollte er gewählt werden, im Alter von 79 Jahren ins Weiße Haus einziehen. Der bisher älteste Präsident war Ronald Reagan, der mit 77 Jahren aus dem Amt ausschied. Aber auch Donald Trump war bei Amtsantritt ja schon 70 und könnte, sollte er 2020 noch einmal gewonnen, Reagan als Rekordhalter ablösen.

Allerdings hat Sanders auch mit anderen Problemen zu kämpfen. So behaupten ehemalige Mitarbeiter in einem vertraulichen Schreiben, dass es 2016 im Wahlteam „sexuelle Gewalt und Belästigungen“ gegeben habe. Sanders hat sich natürlich sofort reagiert und sich bei den betroffenen Frauen entschuldigt. Er habe von solchen Belästigungen nichts gewusst, sagte Sanders auf CNN. Hilfreich dürfte der Brief jedenfalls nicht gewesen sein, zumal seinen enthusiastischsten Anhängern, den sogenannten Bernie Bros, gerne Frauenfeindlichkeit vorgeworfen wird.

Joe Biden

Als ganz heißer Kandidat wird derzeit Joe Biden gehandelt. Das verwundert im ersten Augenblick, zählt der ehemalige Vizepräsident mit seinen 76 Jahren ebenfalls nicht gerade zu den Jungspunden in der demokratischen Partei. Und wollen die Demokraten nicht eigentlich einen Neuanfang starten? Doch die Zahlen sind eindeutig. In den Umfragen liegt Biden zumeist an erster Stelle. Wie angesehen Biden ist, kann man auch daran ersehen, dass der ehemalige Präsident Obama ihm am 12. Januar 2017 die „Presidential Medal of Freedom with Distinction“ verlieh, die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten – eine Würdigung, die nur äußerst selten erfolgt.

Kamala Harris

Wer diese ganzen Namen liest, wird sich vielleicht fragen, ob es denn keine jüngeren Kandidaten gibt? Doch, die gibt es. Angeführt wird diese Liste von Kamala Harris. Die 54-Jährige sitzt zwar erst seit Januar 2017 im Senat, ist inzwischen aber zu einer Top-Politikerin der Demokraten aufgestiegen, der vor allem von Experten große Chancen auf die Nominierung eingeräumt werden. Bekannt wurde sie im Sommer 2017 während der Senatsanhörungen, bei denen es um die möglichen Kontakte zwischen Trumps Wahlkampfteam und der russischen Regierung ging. Sie nahm die Befragten in die Mangel, drängte auf Antworten, hakte ständig nach.  Vor allem der damalige US-Justizminister Jeff Sessions konnte ein Lied davon singen. Auch den jetzigen Supreme-Court-Richter Brett Kavanaugh brachte Harris bei dessen Anhörung immer wieder ins Schwitzen. Das hinterließ Eindruck – bei Freund und Feind. 

Beto O’Rourke

Und endlich haben die Demokraten ihren neuen Kennedy. Beto O'Rourke ist der aufstrebende Stern am Himmel der Partei. Vor wenigen Monaten noch fast unbekannt, hat er sich im vergangenen Jahr im Wahlkampf um den Senatssitz in Texas einen Namen gemacht. Zwar musste er sich dem Republikaner Ted Cruz geschlagen geben, doch der Abstand betrug gerade einmal 2,6 Prozentpunkte. Ein erstaunliches Ergebnis, wenn man weiß, dass seit dem Erfolg von Lloyd Bentsen 1988 die demokratischen Kandidaten im erzkonservativen Texas mindestens zweistellig verloren haben.

Ob er bei der Präsidentschaftswahl antreten wird, ist noch völlig offen. Doch in Umfragen unter Parteianhängern liegt er schon jetzt hinter Biden und Sanders auf Platz drei. Und bei Buchmachern wird O’Rourke, dessen Wahlkampfteam aus vielen früheren Sanders-Helfern bestand, noch höher gehandelt. Dort hat er inzwischen sogar die Führung übernommen – vor Kamala Harris und Joe Biden. Für den 46-Jährigen spricht auch, dass viele Unterstützer Obamas von O’Rourke begeistert sind – was der Spenden wegen besonders wichtig ist.

Amy Klobuchar

Dann gibt es natürlich noch einige Geheimtipps. Als mögliche Kandidatin gilt beispielsweise Amy Klobuchar aus Minnesota. Denn wenn jemand im Mittleren Westen der USA Trump das Wasser abgraben kann, dann ja wohl Klobuchar. Man muss sich nur einmal das Ergebnis der letzten Senatswahl in Minnesota ansehen, wo Klobuchar 65 Prozent der Stimmen erhielt. Die 58-Jährige könnte enorm wichtig werden, wenn es darum geht, in dieser Region Boden gegenüber Trump gutzumachen.

Weitere Kandidaten

Auch andere Namen werden genannt. So gelten die Senatoren Cory Booker, Sherrod Brown, Kirsten Gillibrand sowie  der ehemalige New Yorker Bürgermeister und Milliardär Michael Bloomberg als mögliche Kandidaten. Allzu große Chancen werden ihnen aber nicht eingeräumt.

Hillary Clinton

Und was ist mit Clinton? Könnte sie noch einmal antreten? Wahrscheinlich eher nicht, aber ganz ausgeschlossen ist eine Kandidatur der 71-Jährigen natürlich nicht. Schwer vorstellbar aber, dass die Demokraten sie tatsächlich nominieren werden.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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