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US-Präsidentenwahl Clintons enge Freundschaft mit Monsanto

Hillary Clintons jahrelange Verbindung zum Gentechnik-Konzern Monsanto empört Gentechnik-Gegner. Das Unternehmen hat große Summen für die Stiftung der beiden Clintons gespendet, zudem lässt die Präsidentschafts-Kandidatin sich von einem langjährigen Monsanto-Lobbyisten beraten.

Gegner des Konzerns sind empört über Clintons enge Verbindung.

Sogar Altrocker Neil Young schaltete sich ein. Der Musiker, der sich seit Jahren auch als „Farm-Aid“-Aktivist für Bauernfamilien und als Genfood-Gegner betätigt, attackierte die amerikanischen Agrar- und Lebensmittelkonzerne. Mit einer „unglaublichen Menge Geld“ versuchten sie, „den Willen der Menschen umzustürzen“, rief der 70-Jährige aus. Dagegen müsse man kämpfen. „Wir müssen für die Menschen aufstehen.“

Das war im letzten Jahr. Young trat zusammen mit dem Gouverneur des US-Bundesstaats Vermont auf, dem Demokraten Peter Shumlin. Vermont hat eine Kennzeichnungspflicht für Gentechnik in Lebensmitteln beschlossen, die Mitte dieses Jahres in Kraft treten soll. Shumlin setzte auf die immer noch große Popularität des Rockveteranen, dessen jüngste CD „The Monsanto Years“ eine bitte Abrechnung mit dem mächtigen Agrarchemie- und Gentechnik-Konzern Monsanto sowie der Landwirtschafts-Industrie insgesamt darstellt. Es ging bei dem Auftritt mit Shumlin unter anderem darum, ein geplantes Bundesgesetz abzuwehren, das nur eine freiwillige Gen-Kennzeichnungen vorsah und verbindliche Vorschriften ausgehebelt hätte. Solche planen bisher neben Vermont auch die Staaten Maine und Connecticut. Danach soll bald auf allen Lebensmittel-Packungen stehen, ob Gentech-Zutaten drin sind, und das ist in den USA häufig der Fall. Denn in vielen US-Produkten sind Maismehl, Sojaöl oder Zucker verarbeitet, die aus transgenen Pflanzen gewonnen werden.

Vorige Woche nun konnten Young, Shumlin und die Verbraucherschützer der Organisation „Food Democracy Now“ aufatmen. Der US-Senat lehnt das Gesetz mit knapper Mehrheit ab, das die Aktivisten „Dark-Act“ getauft haben – „Dark“ als Kürzel für „Deny Americans the Right to Know“ (etwa: Untersagt den Amerikanern das Recht auf Wissen). Vermont kann seinen Kurs nun weiterverfolgen. Shumlin und Co. berufen sich auf Umfragen, wonach über 90 Prozent der US-Bürger für eine Kennzeichnungspflicht sind.

„Seien sie vorsichtig,sonst erscheint immer sofort die rote Flagge“

Kein Wunder, das Genfood-Thema spielt auch im US-Vorwahlkampf eine Rolle spielt. Vom Republikaner-Favoriten Donald Trump weiß man, dass er gerne „bio“ isst, seine bekannteste Äußerung zu den „GMO“ (Genetically Modified Organisms) ist allerdings ein ironischer Tweet. Den setzte er im letzten Oktober ab, als sein Konkurrent Ben Carson im agrarisch geprägten Iowa in einer Umfrage die meiste Zustimmung bekam. „Zu viel Monsanto im Getreide erzeugt Probleme im Gehirn?“ – so twitterte Trump. Ernsthaft zur Sache freilich geht es bei den Demokraten. Hier gibt es in der GMO-Frage große Differenzen zwischen Favoritin Hillary Clinton und dem linken Kandidaten Bernie Sanders. Gentech-Kritiker haben Clinton, der große Nähe zu Monsanto und Co. nachgesagt wird, schon den Spitznamen „Frankenfood-Braut“ verpasst. Sanders hingegen, der übrigens für Vermont im Senat sitzt, ist der einzige Kandidat in beiden Lagern, der sich klar für die Kennzeichnungspflicht eingesetzt hat.

Clinton hat jahrzehntelange Verbindungen zu Monsanto, sie reichen zurück bis ihrer ersten beruflichen Station, einer Anwaltskanzlei in Kansas, die den Agrarkonzern vertrat. Das Unternehmen hat laut „New York Times“ große Summen für die Stiftung der beiden Clintons gespendet, zudem lässt die Präsidentschafts-Kandidatin sich nach Recherchen der Organisation „opensecrets.org“ von einem langjährigen Monsanto-Lobbyisten, Jerry Crawford, beraten, der noch bis 2015 in dessen Diensten stand. Für viel Aufsehen sorgte inzwischen auch ein per Video-Mitschnitt dokumentierter Auftritt Clintons auf einer Tagung der Gentechnik-Industrie im Jahr 2014. Dort riet sie den Zuhörern, ihre GMO-Pflanzen nicht mehr „genverändert“ (genetically modified) zu nennen. Das klinge nämlich „frankensteinisch“. Besser sei es zum Beispiel, von „trockenheitsresistenten“ Pflanzen zusprechen – „das hört sich an wie etwas, was die Leute wollen“. „Seien sie vorsichtig, sonst erscheint immer sofort die rote Flagge“, riet sie.

Bernie Sanders ist der einzige Kandidat, der sich für die Kennzeichnung einsetzt

Gentech-Kritiker zeigten sich empört. Sie haben Clinton aufgefordert, das Honorar von 325 000 Dollar zurückzugeben, das sie für ihren Auftritt erhalten haben soll, und sich klar für die Gen-Kennzeichnungspflicht auszusprechen. „Wir dürfen keinen weiteren Präsidenten im Weißen Haus bekommen, der Monsanto liebt“, fordert „Food Democracy Now“.

Keine Frage: Sanders würde dort einziehen, wenn die Gentech-Kritiker das bestimmen könnt. Der selbst ernannte „demokratische Sozialist“, der Clinton zu Begin der Vorwahlen ein unerwartetes Kopf-an-Kopf-Rennen lieferte, trifft den Nerv der Aktivisten mit Sätzen wie „Überall im Land wollen die Menschen mehr über die Nahrungsmittel wissen, die sie essen und die sie ihren Kindern geben. Und das gilt besonders für gentechnisch verändertes Essen.“ Gen-Labels existierten immerhin in 64 Ländern weltweit, argumentiert Sanders. „Es gibt keinen Grund, warum sie hierzulande nicht existieren können.“

Neil Young hat die US-Bürger zur Wahl von Sanders aufgerufen. Selber wählen kann er ihn nicht. Young, der sich immer wieder in die US-Politik einmischt, zum Beispiel 2008 als er mit seinen Ex-Band-Kollegen Crosby, Stills und Nash in Konzerten gegen George Bush jr. und dessen Irak-Politik agitierte („Lets Impeach the President“), ist Kanadier.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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