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US-Präsident Donald Trump Indiskretionen alarmieren den Mossad

Die Plaudereien des US-Präsidenten Donald Trump zur Terrormiliz IS in Syrien lassen Israel fassungslos zurück. Geheimdienstkenner erwarten potenziell gefährliche Reaktionen der Russen und ihrer Verbündeten.

Trump und Netanjahu
In einem Telefonat sollen Trump und Netanjahu über den bevorstehenden Besuch des US-Präsidenten gesprochen haben. (Archivbild) Foto: rtr

Bereits Anfang Januar sollen amerikanische Geheimdienstler ihre israelischen Kollegen vor einem lockeren Umgang von Donald Trump mit streng vertraulichen Informationen gewarnt haben. Es sei damit zu rechnen, dass sie durch den neuen Präsidenten in russische Hände gelangen könnten. Auch Material, das der Auslandsdienst Mossad an den CIA weiterleitet.

Jetzt ist genau das geschehen und der Schaden groß. Beim Mossad müssen geradezu die Alarmglocken geschrillt haben, als Dienstagabend bekannt wurde, es handele sich um israelische Erkenntnisse über die IS-Szene in Syrien, die Trump beim Besuch des russischen Außenministers Sergej Lawrow ausplauderte. „Die Sache könnte uns in große Schwierigkeiten bringen“, meint Amnon Sofrin, ehemals Chef des inneren Geheimdienstzirkels im Mossad. „Sie kann die Quelle der Informationen gefährden.“

Sofrin erinnert an „ungeschriebene Gesetze“ unter befreundeten Nachrichtendiensten, ausgetauschte Erkenntnisse nicht ohne vorherige Koordination mit den Lieferanten zu nutzen. Ein Regierungschef sei nicht daran gebunden, aber er sollte zumindest vorher Rücksprache mit seinen Behörden halten.

Israel geht zwar davon aus, dass Trump mit seiner Preisgabe einer hochsensiblen Information die Russen bewegen wollte, sich stärker im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ zu engagieren. Sein Hinweis, man wisse von IS-Anschlagsplänen – die Rede ist von einer in einem Laptop versteckten Bombe, die in einem US-Flugzeug hochgehen sollte – schien ihm dazu wohl geeignet.

Nur „die Russen sind nicht dumm, sie werden in Erfahrung bringen, woher die Information stammt. Und entweder sie oder ihre Alliierten, allesamt Feinde Israels, werden entsprechende Maßnahmen ergreifen“, zitierte Ronen Bergman, ein Intimkenner des Mossad, einen ungenannten Vertreter aus dem Dunstkreis der Geheimdienste. Dort jedenfalls ist die Befürchtung groß, dass Moskau seinen Verbündeten – das Assad-Regime, die an dessen Seite kämpfenden Iraner und die Hisbollah – dazu verhilft, israelischen Spionen auf die Spur zu kommen.

„Und in dieser Schattenwelt“, so der Sicherheitsexperte Jossi Melman, „gibt es keine größere Sünde, als beim Schutz von Quellen und Agenten zu versagen.“ Dass Trump eine derart brisante Information aus Israel eigenmächtig mit Dritten teile, habe jedenfalls das Vertrauen zwischen beiden Ländern „zweifellos erschüttert“.

Derweil hüllt sich die Regierung in Jerusalem in Schweigen. Am Mittwoch verlor sie kein Wort zu der Affäre. Ihre Sprecher mochten sich nicht mal indirekt äußern. Bekannt wurde nur, dass Trump am Dienstag, gleich nach seinem Anruf beim jordanischen König, mit dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu 20 Minuten lang telefoniert habe. Aber dabei will man lediglich über Trumps bevorstehenden Besuch nächste Woche gesprochen haben. Der hat eh schon für Spannungen im amerikanisch-israelischen Verhältnis gesorgt. „Das Letzte, was Netanjahu jetzt noch braucht“, hieß es in „Haaretz“, „ist eine nachrichtliche Krise mit den USA“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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