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US-Luftwaffenstützpunkt in Afghanistan Taliban wachen vor den Toren

In einem Bericht des US-Militärausschuss kommen brisante Details zum Vorschein: US-Streitkräfte in Afghanistan beschäftigen Mafiosi und Unterstützer des Gegners. Über 20.000 Mitarbeiter gehören privaten Sicherheitsfirmen an.

08.10.2010 21:49
Dietmar Ostermann
Sicherheitsmänner der in die Kritik geratenen britischen Firma Armor Group bereiten sich auf ihr Training vor. Foto: Getty Images

Eigentlich sollten „Mr. White“ und „Mr. Pink“ nahe Herat im Westen Afghanistans den US-Luftwaffenstützpunkt Shindand bewachen. Der vom Pentagon mit dem Schutz der Basis beauftragte private britische Sicherheitsdienst Armor Group hatte die Warlords 2007 als Subunternehmer angestellt. So wenig die Amerikaner die wahren Namen von „White“ und „Pink“ kannten, so seltsam benahmen sich die afghanischen Objektschützer. Ihre Männer bekämpften sich.

Als „Pink“ Mitte 2008 „White“ erschoss, dämmerte den US-Soldaten, dass sie von zwei rivalisierenden Mafia-Clans bewacht wurden. Es kam schlimmer: Erst entpuppte sich „Pink“ als Informant, der US-Truppenbewegungen an die Taliban meldete. Dann wurde „White II“, ein Bruder von „White“, getötet, als US-Truppen sein Haus bombardierten, weil dort ein Talibanführer ein Treffen abhielt. Was den Wachdienst nicht davon abhielt, auch „White 3“, einem anderen Bruder, den Schutz der US-Basis zu übertragen.

Die verstörende Geschichte findet sich in in einem Bericht, den der Militärausschuss im US-Senat jetzt zur Arbeit privater Sicherheitsdienste in Afghanistan vorgelegt hat. Mehr als 26.000 Mitarbeiter haben diese Wachfirmen am Hindukusch. 90 Prozent stehen in Diensten der USA, aber auch andere Staaten oder die UN greifen auf sie zurück. Viele gehören dem Report zufolge kriminellen Gruppen an oder dienen örtlichen Warlords. Es gebe Hinweise auf Morde, Entführungen, Schutzgelderpressungen, heißt es. Auch arbeiteten einige den Taliban zu oder engagierten sich bei „anderen gegen die Koalition gerichteten Aktivitäten“, etwa als iranische Spione.

„Es gibt bedeutende Hinweise, das einige der Wachmannschaften genau jene Bedrohungen schaffen, die sie bekämpfen sollen“, sagte der Ausschussvorsitzende, der Demokrat Carl Levin: „Wir müssen den Wasserhahn abstellen, der US-Dollar in die Taschen von Warlords spült, die gegen unsere Interessen handeln.“ Levin warf dem Pentagon vor, praktisch keinen Überblick zu haben, wen private Sicherheitsdienste als Subunternehmer beschäftigten. Der einflussreiche Senator, im Kapitol einer der schärfsten Kritiker des Einsatzes privater Söldner in Kriegsgebieten, hatte den Bericht initiiert. Verteidigungsminister Robert Gates räumte Probleme ein.

Grundsätzlich will indes auch Gates die in den Bush-Jahren entstandene starke Abhängigkeit der USA von privaten Hilfstruppen eindämmen. Unklar ist freilich, wer sie ersetzen könnte: Die Entsendung weiterer US-Soldaten lehnt Präsident Barack Obama ab. Er will ab Juli 2011 erste Einheiten heimholen. Fragen wirft der Bericht auch mit Blick auf US-Pläne auf, bewaffnete Afghanen außerhalb der Befehlskette von Polizei und Militär als lokale Milizen einzusetzen. Und auch an eine Lehre aus Vietnam wird Washington erinnert: Solange man nicht weiß, wer Freund und Feind ist, lässt sich kein Krieg gewinnen.

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