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US-Botschafter Richard Grenell entdeckt die Diplomatie

Trumps getreuer Vertreter in Deutschland, der US-Botschafter Richard Grenell, gibt sich bei der Feier des amerikanischen Unabhängigkeitstages in Berlin zahmer als geahnt.

Richard Grenell
Richard Grenell ist seit kurzem US-Botschafter in Berlin. Nach holrpigem Start war es ruhiger um ihn geworden. Foto: rtr

Richard Grenell steht vor den Flaggen der 50 US-Bundesstaaten, die am Mittwochabend im Gegenlicht auf dem Tempelhofer Feld mangels Wind schlaff an ihren Masten hängen. Amerika feiert seinen 242. Geburtstag, es ist Unabhängigkeits-Party auf dem ehemaligen Flughafen in Berlin, 2000 Gäste sind gekommen, und ausgerechnet jetzt bekommt der neue US-Botschafter eine Frage zur deutschen Politik gestellt.

Was er denn vom Unionsstreit über die Flüchtlingspolitik halte, fragt ein Journalist. Grenell sagt trocken, dass er das nicht kommentieren wolle, es sei schließlich Amerikas Geburtstag - ein Tag also, an dem man Spaß haben, ein Bier trinken und etwas Leckeres essen solle. Da passt es gut, dass ein anderer Journalist fragt, ob der Herr Botschafter denn deutsches Bier möge. „Aber ja,“ sagt Grenell jetzt, er habe schon so manche Sorte ausprobiert. So geht die kurze Pressekonferenz vor den Fahnen zu Ende.

Dabei hätte Grenell wahrscheinlich einiges zu sagen, wenn man als Maßstab ansetzt, wie er sich bei Arbeitsaufnahme in Berlin geäußert hat. Sein Start in Deutschland war - diplomatisch ausgedrückt - außergewöhnlich. Anfang Juni war Richard Grenell gerade einmal einen Monat im Amt, als er der ultrarechten US-Internetplattform Breitbart ein Interview gab. Daraus las die  politische Szene in Berlin, der neue US-Botschafter  sei offenbar weniger Diplomat als Propagandist seines Präsidenten Donald Trump. Und überdies wolle Grenell aus seinem Prachtbau am Brandenburger Tor heraus konservativ-populistische Bewegungen in Europa unterstützen.

Die Empörung jedenfalls war groß über die Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Gastlandes, worauf Grenell im Auswärtigen  Amt vorsprechen musste. Dort soll er sich dann wie ein Diplomat verhalten und gesagt haben, er wolle nicht als Parteigänger rechtsgerichteter Kräfte wahrgenommen werden.

Danach kehrte Ruhe ein. Es gab zwar noch eine  Homestory in der Zeitschrift Bunte, mit Fotos Grenells und  seines Partners Matt Lashey. Aber mit politischen Äußerungen hielt sich der Trump-Botschafter auffällig zurück.

Das Interview war ein Grund, warum das politische und diplomatische Berlin aber am Mittwochabend doch wieder etwas nervös auf den 51 Jahre alten Botschafter blickte. Die Feier des 242. Jahrestags der amerikanischen Unabhängigkeit war der erste Auftritt Grenells vor einem größeren Publikum, und weil das noch dazu auf dem Tempelhofer Feld stattfand, an dem vor 70 Jahren die Rosinenbomber landeten, mit denen die Amerikaner den blockierten Westteil Berlins versorgten, hingen Geschichte und Symbolik über den Bierbänken.

Größen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft geladen

Die Größen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren geladen. Grenell hielt auch eine kurze Rede, bevor er die Geburtstagstorte anschnitt. Aber von Politik war darin keine Rede. Das ist zwar für US-Unabhängigkeitsfeiern im Ausland nicht ungewöhnlich, aber im Falle Grenells doch bemerkenswert. 

Denn der neue US-Botschafter ist nicht nur ein treuer Gefolgsmann seines Präsident Donald Trump. Er findet auch, wie in einem Twitter-Beitrag Grenells  zu lesen war, dass es hierzulande und anderswo das „Erwachen einer stillen Mehrheit“ gebe, die die Eliten ablehnten. Und an der Spitze dieser Bewegung stehe sein eigener Präsident, so Grenell.

Wie sein Präsident ist auch Richard Grenell ein eifriger Nutzer von Twitter.  Er nutzt das Medium seit vielen Jahren und  bediente sich in der Vergangenheit zuweilen eines aggressiven Tons.

Aber auch das wilde Twittern hat sich nach  dem diplomatischen Eklat zu Grenells Amtsbeginn merklich verändert. Seine Tweets sind unverfänglicher geworden. Deutsche Politik kommentiert er seither nur noch selten, nicht in dem sozialen Netzwerk und schon gar nicht öffentlich. 

Das bleibt auch am Mittwochabend so. Es ist ja schließlich Amerikas Geburtstag. Als es dunkel wird, steigen Raketen in den Himmel. Es wird geklatscht. Auch Feuerwerke gehören zum Standard bei Feiern zum amerikanischen Unabhängigkeitstag, nur Politik eben nicht. 

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