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US-Behörden machen ernst Jagd auf Wikileaks

US-Behörden haben einen Aktivisten der Interplattform bei der Einreise in die USA festgesetzt und ihn verhört.

01.08.2010 19:04
Andreas Kraft
Wikileaks-Gründer Julian Assange Foto: REUTERS

Die USA machen mit ihrer Ankündigung, den Wikileaks-Aktivisten das Leben schwer zu machen, offenbar ernst. Der bekannte IT-Sicherheitsexperte Jacob Appelbaum hatte vor rund zwei Wochen das Wikileaks-Projekt auf einem internationalen Kongress vertreten und die Pläne der Gruppe erläutert. Dabei arbeitet er nicht direkt an der Veröffentlichung geheimer Dokumente mit. Als der US-Bürger vergangenen Donnerstag in die USA einreisen wollte, wurde er an der Grenzkontrolle im Flughafen Newark drei Stunden festgehalten und verhört. Das meldete das Branchenportal Cnet am Sonntag.

Zudem hätten die Grenzbeamten seine Telefone und seinen Laptop zunächst beschlagnahmt. Den Computer bekam er wohl zurück – dem fehlte die Festplatte. Dadurch gab es nichts mehr, was man hätte durchsuchen können. Dafür sei Appelbaum eingehend von Beamten des Heimatschutzministeriums und der US-Armee befragt worden – etwa zu Wikileaks, seinen Meinungen zum Afghanistan-Krieg, dem Aufenthaltsort des Wikileaks-Gründers Julien Assange. Appelbaum soll die Antworten verweigert haben, ohne seinen Anwalt sage er nichts. Den anzurufen sei ihm aber verweigert worden. Auch blieb wohl unklar, was ihm genau vorgeworfen wurde.

Handy beschlagnahmt

Nach etwa drei Stunden durfte Appelbaum dann offenbar einreisen. Am Samstag besuchte er die Hackerkonferenz Defcon in Las Vegas, um dort an einer Diskussionsrunde über die Internetzensur in China teilzunehmen. Appelbaum arbeitet als Programmierer für das Tor-Netzwerk, über deren Webserver man sich anonym im Internet bewegen kann. Oppositionelle in China aber auch im Iran nutzen das Netzwerk für ihre politische Arbeit.

Bei seinem Auftritt soll Appelbaum gesagt haben, er könne seine Handynummer nicht weitergeben: Sein Telefon sei beschlagnahmt. Im Anschluss an die Diskussion sollen sich zudem zwei FBI-Agenten an ihn gewandt haben. Nachdem Appelbaum nicht mit ihnen sprechen wollte, seien sie gegangen. Am Donnerstag hatte die US-Regierung das FBI auf Wikileaks angesetzt.

Mitte Juli war Appelbaum für Assange als Redner bei der Hope-Konferenz in New York eingesprungen. Der Wikileaks-Gründer wollte seinen Vortag nicht halten, angeblich aus Furcht vor dort anwesenden US-Agenten. Die Organisatoren der Konferenz meldeten zudem, dass vier Beamte des Heimatschutzministeriums dort nach Assange gesucht hätten. Am 26. Juli, also rund eine Woche nach der Hope-Konferenz, veröffentlichte Wikileaks rund 90000 als geheim eingestufte Militärberichte aus dem Afghanistan-Krieg.

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