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US-Abzug Arabische Truppen nach Syrien?

Donald Trump will „raus aus Syrien“. An die Stelle von US-Soldaten sollen Truppen aus Saudi-Arabien, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Ägypten treten. Die Idee des US-Präsidenten stößt auf Skepsis.

US_Soldaten in Syrien
Bald ein Bild der Vergangenheit? US-Soldaten in Syrien. Foto: rtr

Den Sieg über den „Islamischen Staat“ hat er ausgerufen, jetzt will Donald Trump den nahöstlichen Schlamassel ganz ad acta legen. „Ich will raus aus Syrien. Ich will unsere Truppen nach Hause holen und mit dem Wiederaufbau unserer eigenen Nation beginnen – und zwar sehr bald“, sagte der US-Präsident bei einem Auftritt in Ohio. „Sollen sich nun andere um das Ganze kümmern.“

Wen konkret er dabei im Auge hat, auch daran ließ der Mann im Weißen Haus keinen Zweifel – die sunnitisch-arabischen Mächte Saudi-Arabien, Katar, Vereinigte Arabische Emirate sowie Ägypten. Sie sollen nach der Vorstellung Trumps künftig ihre Truppen gemeinsam im Nordosten Syriens stationieren, um die 2000 US-Soldaten zu ersetzen und das Gebiet nach dem IS-Aus zu stabilisieren.

„Kein noch so hoher Einsatz von amerikanischem Blut oder amerikanischen Mitteln kann im Nahen Osten dauerhaft Frieden und Sicherheit bringen“, gab sich Trump überzeugt und sagte, das Schicksal „dieser Unruheregion“ müsse nun in den Händen ihrer eigenen Bewohner liegen. Sein Engagement in Nahost habe Amerika in den letzten 17 Jahren sieben Billionen Dollar gekostet. „Wir haben nichts dafür bekommen, außer Tod und Zerstörung.“

Das Pentagon und das US-Außenministerium zeigten sich von der Breitseite des Präsidenten überrascht und warnten vor übereilten Schritten. US-Verteidigungsminister Jim Mattis sowie der bisherige Außenminister Rex Tillerson plädierten immer für eine langfristige US-Präsenz auf syrischem Boden, um nicht dem Assad-Regime, Russland und Iran komplett das Feld zu überlassen. Zudem würde ein Abzug der US-Soldaten die kurdisch-arabischen Verbündeten einfach im Stich lassen, die bisher die Hauptlast der Kämpfe gegen die Dschihadisten trugen. Und nicht zuletzt warnen US-Verantwortliche in Syrien davor, die Gefahr eines IS-Comebacks zu unterschätzen. „Unser Einsatz ist noch nicht vollendet“, sagte Brett McGurk, der Sondergesandte Trumps für den Kampf gegen den IS. Bis zu einem vollständigen Sieg müsse noch viel getan werden. Nach Kalkulationen westlicher Geheimdienste halten sich noch zwischen 5000 und 12 000 IS-Kämpfer in Syrien auf. Sie kontrollieren fünf kleinere Enklaven sowie Teile des syrisch-irakischen Grenzgebietes, wo auch die Führung der Extremisten unter dem selbsternannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi vermutet wird.

Der nahostpolitische Wind in Washington jedoch dreht sich gerade. Rex Tillerson geht und wird als Außenminister durch Mike Pompeo ersetzt. Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster musste Platz machen für John Bolton, der sich sofort daran gab, die neuen Syrien-Vorgaben seines Chefs umzusetzen. Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, telefonierte Bolton inzwischen mit dem Kairoer Geheimdienstchef Abbas Kamel, um Ägyptens militärische Kooperationsbereitschaft für Syrien auszuloten. Ähnliche Ansinnen richteten US-Emissäre nach Angaben des Blattes auch an Saudi-Arabien, Katar sowie die Vereinigten Arabischen Emirate.

Die Motivation Kairos jedoch, eigene Truppen zu schicken, geht gegen Null, obwohl das Land über die größte Armee der Arabischen Welt verfügt. Die Militärherrscher am Nil führen auf der Sinai-Halbinsel selber Krieg gegen den IS. In Syrien wollen sie es sich nicht mit Russland verderben, im Bürgerkrieg neigen sie offen zur Seite Assads.

Katar dagegen unterstützt zusammen mit Saudi-Arabien und den Emiraten die Assad-Gegner, will sich aber wegen der Zerwürfnisse am Golf nicht mit dem Iran überwerfen. Die Emirate und Saudi-Arabien wiederum führen seit drei Jahren Krieg im Jemen, der erhebliche Kräfte der eigenen Streitkräfte bindet und gleichzeitig frappante Schwächen offenbarte. Und so spielte der saudische Außenminister Adel al-Jubeir in einer ersten Reaktion auf Zeit. Das Ansinnen Trumps sei nicht neu, sagte er. Man sei „mit der amerikanischen Seite im Gespräch“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Syrien

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