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Ursula von der Leyen Bundeswehr Die familienfreundliche Armee

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen skizziert erste Ideen für eine familienfreundliche Bundeswehr. Für genauere Angaben über Drohnen muss man allerdings bis zur Münchner Sicherheitskonferenz warten.

Ursula von der Leyen bei ihrem Afghanistan-Besuch.

Ursula von der Leyen ist bereits Arbeitsministerin und Familienministerin gewesen. Als Verteidigungsministerin scheint sie nun zurückzugreifen auf ihre Erfahrungen aus ihren früheren „Verwendungen“, wie es im Bundeswehr-Slang heißt. Im ersten großen Interview seit ihrer Amtsübernahme vor nicht ganz vier Wochen spricht die medienaffine CDU-Politikerin, natürlich im Boulevardmagazin „Bild am Sonntag, auf drei Seiten nahezu ausschließlich über die Bundeswehr als Arbeitgeber.“

Beruf und Familie, so ihre Botschaft, müssten künftig für die 185 000 Soldaten und 55 000 zivilen Beschäftigten der Streitkräfte besser miteinander in Einklang gebracht werden können.

Insbesondere die hohe Zahl von Wochenendpendlern seien eine Belastung für die Familien, sagte von der Leyen. Während ihr Vorgänger Thomas de Maizière (CDU) diese Tatsache mit dem lapidaren Appell verband, die Soldaten sollten nach Möglichkeit mit ihren Familien an die jeweiligen Standorte umziehen, nimmt von der Leyen die Personalplanung der Bundeswehr ins Visier.

Lebensarbeitszeitkonten angedacht

„Ich werde mir das System der nahezu automatischen Versetzungen alle zwei bis drei Jahre genau ansehen“, sagte sie. Schließlich seien heutzutage die Ehepartner der Soldaten meist auch berufstätig und könnten nicht einfach ihre Arbeitsstelle aufgeben, weshalb die Familien zumindest unter der Woche oft getrennt würden. Eine solch‘ hohe Wechselfrequenz möge für jene Soldaten Sinn machen, die eine steile Karriere anstrebten. Es sei aber doch fraglich, ob dies auf die Soldaten in der Masse wirklich zutreffe.

Damit nimmt von der Leyen sich eines Problems an, das seit Jahren aus der Truppe zu hören ist und zu einem hohen Maß an Unzufriedenheit führt, denn die Soldaten müssen durch das Pendeln nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell große Nachteile in Kauf nehmen. Wenig Verständnis hat die neue Verteidigungsministerin auch dafür, dass Lehrgänge in der Bundeswehr vielfach mitten in die Schulferien gelegt würden, sodass Eltern dann vielfach nicht mit ihren Kindern in Urlaub fahren könnten. Da müsse das Personalwesen flexibler werden.

Die frühere Arbeitsministerin plädierte dafür, Lebensarbeitszeitkonten für Soldaten einzurichten, damit sie Überstunden ansammeln könnten, um bei Bedarf für die Betreuung ihrer kleinen Kinder oder ihrer pflegebedürftigen Eltern die nötige Zeit zu finden.

Die Ministerin machte keine genauen Angaben

Die Kinderbetreuung in den Kasernen soll darüber hinaus weiter ausgebaut werden. Die Ministerin, selbst siebenfache Mutter, sagte, sie setze dabei verstärkt auf Tagesmütter, weil Tagesmütter flexibler seien und den besonderen Anforderungen, der für die Eltern mit dem Beruf des Soldaten einhergehe, besser abdecken könnten.

Wer nähere sicherheitspolitische Einlassungen von der Leyens in dem Gespräch erwartete, sieht sich enttäuscht und muss auf Ende des Monats hoffen, wenn die Ministerin bei der Münchner Sicherheitskonferenz ihre erste Grundsatzrede halten soll. Sie beharrte in der BamS lediglich darauf, dass die Bundeswehr weiterhin Aufklärungsdrohnen anschaffen wolle. Diese unbemannten Fluggeräte seien insbesondere für den Schutz der Soldaten in den Einsatzgebieten unentbehrlich, sagte sie.

In der viel umstritteneren Frage, ob die Bundeswehr auch bewaffnete Drohnen beschaffen soll, verwies von der Leyen auf eine Passage des Koalitionsvertrags, die vorsieht, zunächst eine Kommission zu berufen, die die Bedingungen diskutieren soll, unter denen in der Zukunft womöglich Kampfdrohnen angeschafft werden könnten. „Drohnen, die automatisch über Leben und Tod entscheiden, die wollen wir für unser Land ganz klar nicht“, betonte von der Leyen.

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