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Unruhen in Weißrussland Reporterin während der Sendung verschleppt

Bei den blutigen Protesten in Minsk werden mehrere Oppositionskandidaten verletzt und rund 1000 Menschen festgenommen - darunter auch die prominente regierungskritische Reporterin Irina Chalip.

19.12.2010 22:39
Jagd auf Demonstranten in Minsk. Foto: REUTERS

Bei den blutigen Protesten in Minsk werden mehrere Oppositionskandidaten verletzt und rund 1000 Menschen festgenommen - darunter auch die prominente regierungskritische Reporterin Irina Chalip.

Die Bundesregierung hat die Präsidentenwahl in Weißrussland und die anschließenden Übergriffe gegen die Opposition scharf verurteilt. Regierungssprecher Steffen Seibert sprach am Montag in Berlin von einem „herben Rückschlag“ für die Annäherung des Landes an die Europäische Union. Die Bundesregierung rufe die Führung in Minsk nachdrücklich auf, die inhaftierten Oppositionspolitiker und Journalisten sofort freizulassen.

Zudem deute vieles darauf hin, „dass auch diese Wahlen den Anforderungen an faire und freie Wahlen nach internationalen Standards nicht genügt haben“, betonte Seibert. „Die Wahlen und der Umgang mit den Ergebnissen dieser Wahlen sind ein Test für die weiteren Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Weißrussland.“ Deshalb sei eine stärkere Annäherung „in weite Ferne“ gerückt.

Bei den blutigen Protesten sind mehrere Oppositionskandidaten verletzt und rund 1000 Menschen festgenommen worden. Das berichteten unabhängige weißrussische Journalisten heute in der Hauptstadt Minsk.

Die Präsidentenkandidaten Wladimir Neklajew und Vitali Rymaschewski seien von den Polizei krankenhausreif geprügelt und dann vom Geheimdienst KGB verschleppt worden, hieß es aus den Wahlkampfstäben. Die Regierungsgegner hatten am Sonntagabend Proteste gegen den vierten Wahlsieg von Amtsinhaber Alexander Lukaschenko organisiert. Es galt aber ein Demonstrationsverbot.

Die Wahlleitung in Minsk sprach dem 56-jährigen Lukaschenko 79,67 Prozent der Stimmen zu. Das war etwas weniger als die 82,6 Prozent der Stimmen, die der autoritäre Politiker 2006 erhalten hatte. Die Abstimmung in der Ex-Sowjetrepublik gilt traditionell als unfrei. Die Wahlbeteiligung wurde mit mehr als 90 Prozent angegeben.

Lukaschenko steht bei seinen Kritikern im Ruf, der letzte «Diktator Europas» zu sein. Die Behörden gehen oft mit eiserner Härte gegen die Opposition vor. Sie hatten vor den angedrohten Protesten gepanzerte Fahrzeuge in Minsk aufgefahren. Auch mehrere Reporter wurden am Sonntag verletzt.

Wütende Lukaschenko-Gegner hatten am Sonntag versucht, Regierungsgebäude zu stürmen. Allerdings stoppten Sicherheitskräfte die Demonstranten gewaltsam. Die Opposition kündigte für Montag weitere Proteste gegen die aus ihrer Sicht gefälschte Abstimmung an. Die Führung in Minsk wies Manipulationsvorwürfe zurück und forderte die anderen Kandidaten auf, ihre Niederlage einzugestehen. Die Opposition in Weißrussland ist tief gespalten und hatte sich im Vorfeld nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können. Oppositionskandidat Andrej Sannikow verkündete dennoch vor den Demonstranten im Zentrum der Hauptstadt, Lukaschenkos „Diktatur“ werde unter dem Druck der Straße fallen. „Hier hat Weißrussland 1991 die Unabhängigkeit bekommen und heute wird hier Lukaschenkos Diktatur fallen.

Sannikows Frau, die prominente regierungskritische Reporterin Irina Chalip, wurde verschleppt. In einem Live-Interview im Radio-Sender Echo Moskwy berichtete sie gerade von dem „brutalen Vorgehen“ der Polizei, als sie selbst gewaltsam abgeführt wurde. „Oh, sie zerren mich weg. Was um Himmels willen tun sie denn“, schrie sie während ihres per Telefon abgesetzten Augenzeugenberichts. „Mich schlägt die Polizei“, rief sie noch mit schmerzverzerrter Stimme, bevor die Verbindung abbrach. Seither fehle jeder Kontakt zu der Reporterin der oppositionellen russischen Zeitung „Nowaja Gaseta“, berichtete Echo Moskwy am Montag. (dpa/afp)

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