Lade Inhalte...

Unruhen in der Elfenbeinküste Endkampf um Abidjan

Den Machtkampf in der Elfenbeinküste scheint der anerkannte Präsident Ouattara militärisch für sich zu entscheiden. Seine Anhänger erobern den Regierungssitz. Der abgewählte Präsident Laurent Gbagbos verweigert aber nach wie vor den Rücktritt.

Ein aufseiten Ouattaras kämpfender Soldat sucht Deckung im umkämpften?Stadtgebiet. Foto: REUTERS

Die von Hochhäusern, Palmen und Cafés gesäumten Promenaden Abidjans sind menschenleer. Pritschenwagen rasen vorbei, auf denen Maschinengewehre montiert sind. In der Luft hängen Schwaden von Schießpulver, der Qualm brennender Gebäude. Seit Tagen wagen sich die Bewohner der umkämpften Vier-Millionen-Stadt nicht mehr aus ihren Häusern. Die Läden sind geschlossen; wer sich nicht mit Lebensmitteln versorgt hat, hungert. Die humanitäre Situation in der Hafenstadt ist dramatisch. Die Zahl der Toten wird auf Dutzende oder gar Hunderte geschätzt.

Aus dem Stadtteil Cocody, wo die Residenz des Präsidenten liegt, ist am Dienstagnachmittag noch Schlachtenlärm zu hören. Doch der Kampf um die Macht geht möglicherweise bald zu Ende. Der 65-jährige, abgewählte Präsident Laurent Gbagbo, der sich seit vier Monaten weigert, seinen Amtssitz zu räumen, habe sich in einem Bunker tief in der Erde unter der Residenz eingeschlossen, teilt sein bisheriger Außenminister Alcide Djedje mit. Der Minister hat am Dienstag in der französischen Botschaft in Abidjan Zuflucht gefunden „Der Krieg ist vorbei“, sagt er der BBC. Sein Anwalt behauptet allerdings, er habe dort gegen die französische Einmischung protestieren wollen und werde gegen seinen Willen festgehalten.

Der französische Verteidigungsminister Gerard Longuet sagt am Dienstag, Gbagbo verhandele über seine Ausreise. „In den nächsten Stunden kann alles gelöst werden“, sagt Longuet nach einem Treffen mit Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière in Paris. Zwei Generäle verhandelten über eine Kapitulation Gbagbos, sagt auch Frankreichs Premier François Fillon. Doch am Mittwochmorgen sieht es nicht nach einer schnellen Lösung aus: In einem Telefon-Interview des französischen Senders LCI erklärte Gbagbo, er denke nicht daran, Ouattaras Wahlsieg schriftlich anzuerkennen. Es sei unglaublich, dass das Schicksal eines Landes bei „einer Pokerpartie ausländischer Mächte„ ausgetragen würde. Er habe für Verhandlungen gebetet. Die ausländischen Mächte im Lande würden das Kräfteverhältnis jedoch zugunsten von Ouattara verschieben, so dass der Verhandlungen ablehne. Er selbst hänge am Leben und sei kein Märtyrer. „Doch wenn der Tod da ist, dann ist er da“, meinte er auf die Frage, ob er nun über den Tod nachdenke.

Die „Republikanischen Kräfte“ von Gbagbos Herausforderer, dem international anerkannten Wahlsieger Alassane Ouattara, hatten am Montagnachmittag mit ihrem Angriff auf das Herz der Hafenstadt begonnen. Zweitausend Rebellen zogen in die Metropole ein, vereinten sich mit den Ouattara nahestehenden „unsichtbaren Kämpfern“, die seit Wochen in der Stadt operieren. Soldaten der regulären Streitkräfte legten scharenweise ihre Waffen nieder. Den aus den Nachbarstaaten unterstützten Ouattara-Truppenleistet vor allem die 2500-köpfige Präsidentengarde Widerstand, Gbagbos Elitetruppe. Ihr Kommandeur bittet die UN am Dienstag, für die Sicherheit seiner Soldaten zu sorgen.

Angriffe unter UN-Befehl

Am Montag feuerten zwei unter UN-Befehl stehende ukrainische Kampfhubschrauber Raketen auf drei Kasernen der Gbagbo-Truppen, die Residenz in Cocody und den Amtssitz des Präsidenten im Plateau-Distrikt ab. Sie wurden von drei weiteren Hubschraubern unterstützt, die zur auf 1650 Fremdenlegionäre gewachsenen französischen Garnison gehören.
Ziel des Angriffs sei gewesen, schweres militärisches Gerät zu zerstören, das Gbagbos Garde auch gegen Zivilisten eingesetzt habe, teilt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York mit. Der Staatenbund habe daher nicht Partei im Bürgerkrieg ergriffen, sondern seinen Auftrag zum Schutz der Zivilbevölkerung wahrgenommen. Gbagbos Soldaten hatten in den vergangenen Tagen Blauhelme angegriffen, rund 20 Friedenssoldaten wurden zum Teil schwer verletzt. „Sie beschießen unser Hauptquartier und haben das Wasser abgestellt“, sagt UN-Missionschef Choi Young Jin am Telefon: „Wir mussten uns in unseren Bunker zurückziehen.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen