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Unruhe in den Kurdengebieten Türkische Truppen im Nord-Irak

Die kurdische Arbeiterpartei (PKK) ist für den Tod von 24 türkischen Soldaten und Polizisten verantwortlich. Die Regierung in Ankara kündigt Rache an. Die Jagd auf die PKK im Irak ist inzwischen im vollen Gange.

20.10.2011 17:43
Präsident Abdullah Gül besucht Truppen in Hakkari. Foto: reuters

Es war im südöstlichsten Zipfel der Türkei, in der abgeschiedenen Provinz Hakkari – ein Name, der nur denen in Europa etwas sagt, die 1983 „Eine Saison in Hakkari“ sahen, einen beklemmenden Film über den Kulturschock zwischen Metropole und Hinterland. Der Schock am Dienstagabend war ein ganz anderer. Trupps der kurdischen Arbeiterpartei (PKK) griffen sieben Militärposten in den Hauptorten zweier Landkreise an, Çukurca und Yüksekova. 24 türkische Soldaten und Polizisten kamen dabei ums Leben, 18 wurden verletzt.

Es war nach 1993, als bei einem Angriff 33 Soldaten starben, der schlimmste Rückschlag für die Türkei im seit 27 Jahren andauernden Kampf mit der PKK.

Und so reagierte die Regierung in Ankara entsprechend. Staatspräsident Abdullah Gül kündigte „fürchterliche Rache“ für die getöteten Soldaten an. „Wir werden bis zum Ende gegen den Terrorismus kämpfen.“ Da war der Kampf, die Vergeltung bereits in vollem Gange. Als Reaktion auf die Angriffe in Hakkari drangen türkische Kommandoeinheiten, zumindest 600 Mann, in den nahen Nord-Irak ein, wo die verbotene PKK Basislager unterhält. Die leicht bewaffneten Kommandos sind am einfachsten kurzfristig zu mobilisieren.

Sie bombardierten noch in der Nacht

Ebenso schnell reagierte die türkische Luftwaffe und bombardierte noch in der Nacht zum Mittwoch Ziele im irakischen Kurdengebiet. Die irakische Nachrichtenagentur AK News berichtete, vier türkische Kampfflieger hätten eine Ortschaft in der Provinz Erbil angegriffen. Der türkische Sender NTV meldete, die Flugzeuge seien von einem Fliegerhorst in der Provinz Diyarbakir aufgestiegen.

Angetrieben von Güls Wut („Diejenigen, die uns diesen Schmerz zugefügt haben, werden noch größere Schmerzen erleiden.“) drangen die Spezialeinheiten mit Hilfe von Helikoptern bis zu acht Kilometer in den Irak ein und machten dort – ungehindert von irakischen Behörden – Jagd auf die PKK. Bis Mittwochnachmittag wurde der Tod von zumindest 23 PKK-Kämpfern vermeldet. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan betonte, die Aktion bewege sich im Rahmen des Völkerrechts. Erdogan hatte eigentlich zu einem Besuch in Kasachstan aufbrechen wollen, blieb aber wegen der Krise in Ankara.

Während Präsident Gül weiter gegen die PKK wetterte, waren von Erdogan andere, nicht zuletzt für europäische Befindlichkeiten bestimmte Töne zu hören. „Demokratie und Menschenrechte werden das Terrorproblem lösen. Diese Terrorangriffe können unsere Arbeit an Demokratie und unseren Fortschritt nicht aufhalten.“ Die dem bewaffneten Kampf abgeneigte türkische Kurdenpartei BDP rief ihre Landsleute zur Umkehr auf. „Diese Angriffe brechen uns das Herz. Wir sagen: Stopp! Es hat schon genug Tote gegeben.“ (rut. mit AFP, Reuters, dpa)

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