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Universität Berlin beliebter als München

Jeder zehnte Uni-Absolvent in Deutschland ist ein Ausländer - der populärste Studienort ist die Hauptstadt. Im internationalen Vergleich hat die deutsche Hochschullandschaft deutlich aufgeholt.

18.09.2012 18:31
Torsten Harmsen
Denkmal für Alexander von Humboldt vor der Universität in Berlin. Foto: dpa

Eine neue Zahl lässt aufhorchen: Fast zehn Prozent der Studenten, die im Jahr 2011 in Deutschland ihr Examen machten, kamen aus dem Ausland. Erstaunlich ist der Anstieg. Die Absolventenzahl hat sich seit dem Jahr 2000 verdreifacht, von 12.791 auf 38.332. Ganz vorne stehen Chinesen, Türken und Russen, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit.

Dass immer mehr junge Ausländer kommen, hat mehrere Gründe. Die Bachelor- und Masterreform ließ die Zahl weltweit anerkannter Abschlüsse schnell ansteigen. Die Lehre gilt als praxisnah und gut ausgestattet, vor allem in den Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie Mathematik, die besonders viele Ausländer anziehen. Zugleich locken niedrige Lebenshaltungskosten und fehlende oder geringe Studiengebühren. Das ergab eine andere Studie, das International Student Barometer 2012. Deutschland rangiert, hinter den USA und Großbritannien, noch vor Frankreich und Australien.

Offenbar ist diese Karriere auch durch die Ausstrahlung einzelner Regionen zu begründen. Berlin liegt mittlerweile in seiner Beliebtheit als Hochschulstadt weltweit auf dem 8. Platz. Die Spitze bilden Paris, London und Boston. München folgt auf Rang 13. Bei den Hochschulen steht die Freie Universität Berlin ganz vorne, wie ein Ranking des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ergab. Die FU ist weltweit vernetzt, hat Büros in Peking, Moskau oder Kairo. An zweiter Stelle der Beliebtheit kommt schon die Humboldt-Uni.

Probleme für ausländische Studierende

Allzu großen Grund zum Jubeln gibt es dennoch nicht. Denn bei fast 250.000 ausländischen Studenten bundesweit könnten es weitaus mehr Absolventen sein. Der deutsche Aktionsrat Bildung forderte jüngst, den Anteil der ausländischen Studenten in den nächsten fünf Jahren auf 20 Prozent zu verdoppeln. Auch gibt es zu wenige ausländische Wissenschaftler und Professoren.

Leider bricht fast jeder zweite Student, der zu einem vollständigen Studium nach Deutschland gekommen ist, den Aufenthalt irgendwann ab. Gaststudenten sprechen von bürokratischen Hürden, Ignoranz bei deutschen Mitstudenten und Problemen bei der Wohnungssuche. 80 Prozent der Studenten würden gern auch nach dem Studium hier bleiben, nur ein Viertel schafft es.

Nicht zuletzt fallen kulturelle Unterschiede ins Gewicht. In China zum Beispiel gehen Studenten nicht zum Professor in die Sprechstunde, sondern der Professor zitiert die Studenten zu sich. In Deutschland kann man darauf lange warten.

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