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Unabhängigkeitsreferendum „Abspaltungsgegner haben keine Stimme“

Kataloniens Separatisten dominieren die öffentliche Debatte über die Unabhängigkeit.

FC Girona - FC Barcelona
Fans von Barcelona halten Fahnen der Region Katalonien, die „Estalada“, in Bezug auf das geplante Unabhängigkeitsreferendum . Foto: dpa

Ana Losada hat ein Büchlein dabei. „Das ist der Terminkalender meiner Tochter vom letzten Jahr“, sagt sie. Den Kalender bekommen die Kinder von ihrer Schule in Hospitalet, der mit 250 000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Kataloniens in der Nähe von Barcelona. Wie in jedem Kalender sind darin alle Feiertage verzeichnet, auch Gedenktage wie der Internationale Frauentag, aber nicht der 12. Oktober. Am 12. Oktober 1492 betrat Kolumbus zum ersten Mal amerikanischen Boden, weswegen an diesem Tag in ganz Spanien der „Tag der Hispanität“ begangen wird, es ist ein nationaler Feiertag, auch in Katalonien. In dem Kalender tauchte er nicht auf.

Losada gehört zu den Katalanen, die sich mit solchen Details nicht abfinden. Sie ist die Sprecherin der „Asamblea por una Escuela Bilingüe de Cataluña“, eines Vereins, der sich für die Zweisprachigkeit an katalanischen Schulen einsetzt, für Unterricht auf Spanisch und auf Katalanisch. Besonders großen Erfolg hat sie damit nicht. „Wenn die Schule beginnt, sagen sie den Kindern: Kastilisch (also Spanisch) sprichst du zu Hause mit Mama und Papa. Hier sprichst du Katalanisch.“

Immerhin hat es Losada geschafft, dass der 12. Oktober im neuen Terminkalender ihrer Tochter vermerkt ist, ganz klein auf einer der ersten Seiten. Losada ist davon überzeugt, dass die Katalanen zum „Hass auf Spanien“ erzogen werden. „Das beginnt in der Schule.“

Tendenziöse TV-Berichte

Die Regionalregierung will am kommenden Sonntag ein Referendum über die mögliche Abspaltung Kataloniens vom Rest Spaniens abhalten, und weil die spanische Regierung das zu verhindern versucht, ist die Situation gerade angespannt. Dieser Tage demonstrieren immer wieder Tausende für das Recht auf die Abstimmung und für die Unabhängigkeit. Sie sagen, dass sie sich von der Regierung in Madrid schlecht behandelt fühlen, dass ihre politischen Rechte beschnitten seien, dass Katalonien zu viel Geld an den Rest des Landes überweisen müsse. Ana Losada gehört zu den Katalanen, die all diese Argumente für vorgeschoben halten. Sie glaubt, dass der Separatismus in Katalonien vor allem aus einem Grund so stark geworden sei: „Weil uns der Nationalismus verkauft, dass wir Katalanen die Besten sind.“

Nicht alle Katalanen sind deswegen zu Separatisten geworden. Nach der letzten Umfrage der Regionalregierung vom Juli sind 41,1 Prozent der Katalanen für die Unabhängigkeit, 49,4 Prozent dagegen. Die Aufregung um das geplante Referendum mag die Meinung der einen oder der anderen geändert haben. Auffällig ist, dass sich die Abspaltungsgegner in Katalonien kaum zu Wort melden.

„Die Unabhängigkeitsbewegung besitzt nicht die Mehrheit, aber die Hegemonie“, sagt Felipe Moreno, der gemeinsam mit Ana Losada und sechs weiteren katalanischen Separatismuskritikern nach Madrid gekommen ist, um denen eine Stimme zu geben, die er für eine schweigende Mehrheit hält.

Moreno hat die katalanischen Wahlergebnisse der vergangenen Jahre untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass es in Katalonien eine deutliche Trennlinie gibt zwischen denen, die zu Hause Katalanisch, und denen, die Spanisch sprechen. Wer hauptsächlich Katalanisch spricht, tendiert nach Morenos Studien dazu, das katalanische öffentliche Fernsehen zu schauen, und das berichtet selbst nach Einschätzung von Unabhängigkeitsbefürwortern tendenziös.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Spanien

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