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UN-Bilanz 392 tote Kinder

Mindestens 142 Schulen, darunter 89 Schulen des UN-Hilfswerks für die Palästina-Flüchtlinge (UNRWA), wurden durch Angriffe beschädigt. Israel rechtfertigt die Bombardierung damit, dass die Hamas-Aktivisten von UNRWA-Schulen aus Raketen abfeuerten.

05.08.2014 17:36
Von Pierre Simonitsch
„UN-Schule“: Palästinenser im Flüchtlingscamp der Vereinten Nationen in Dschabaliya im Norden des Gazastreifens. Foto: rtr

Die Menschen atmen kurz auf. Nach einem Waffenstillstand von 72 Stunden sollen Verhandlungen zwischen der israelischen Regierung und der im Gazastreifen herrschenden Hamas-Bewegung beginnen. Genau dies verlangte eine einstimmige Erklärung des UN-Sicherheitsrats am 28. Juli. Das Signal dieser Erklärung, die formaljuristisch unter dem Status einer Resolution liegt, war klar: Genug ist genug!

Die Gegner im Nahen Osten unterschätzten aber die Ernsthaftigkeit der Botschaft. Der Gazakrieg ging weiter wie gehabt. Aber auch westliche Regierungschefs, Israel traditionell verbunden, begannen Klartext zu reden. Frankreichs Präsident François Hollande und sein Außenminister Laurent Fabius – Jude und persönlicher „Freund“ des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu – sprachen von einem „Massaker“. Der neue britische Außenminister Philip Hammond bezeichnete die Bombardierung einer UN-Schule im Gazastreifen als „unerträglich“. Das US-Außenministerium erklärte sich von der hohen Zahl ziviler Opfer „betroffen“. Hinter verschlossenen Türen waren die Auseinandersetzungen mit der israelischen Regierung wohl wesentlich heftiger.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, stets besorgt, nicht bei den Mächtigen anzuecken, brandmarkte die israelischen Angriffe gegen die Zivilbevölkerung in Gaza als ein „Verbrechen“. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, die Südafrikanerin Navi Pillay, stellte schon früher fest, dass die Operationen beider Seiten in Gaza „den Tatbestand von Kriegsverbrechen“ erfüllen könnten. Pillay wurde daraufhin zum Ziel einer Hasskampagne der israelischen Propaganda.

Am Dienstag gaben die im Gazastreifen tätigen UN-Hilfsorganisationen in Genf eine gemeinsame Pressekonferenz. Zugeschaltet war die Vertreterin des Kinderhilfswerks Unicef in Gaza. Menschliche Dramen werden darin zu Statistiken. Laut Unicef wurden seit dem Ausbruch des Kriegs am 8. Juli mindestens 392 palästinensische Kinder durch israelische Luftangriffe oder Artilleriebeschuss getötet; 2502 Kinder wurden verwundet.

Mindestens 142 Schulen, darunter 89 Schulen des UN-Hilfswerks für die Palästina-Flüchtlinge (UNRWA), und drei private Kindergärten wurden durch Angriffe beschädigt. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung, 485.000 Menschen, mussten ihre zerstörten Wohnstätten verlassen. Etwa anderthalb Millionen Menschen haben keinen Zugang mehr zu Wasser. Wegen der Zerstörung des einzigen Elektrizitätswerks, der Wasserpumpen und der Abwässerkanäle gibt es nur gelegentlich Strom und Trinkwasser.

Netanjahu rechtfertigt sich

Israel rechtfertigt die Bombardierung von UNRWA-Schulen damit, dass die Hamas-Aktivisten von dort aus Raketen auf Israel abfeuerten. Untersuchungen von UNRWA haben ergeben, dass tatsächlich drei Schulen als Lagerorte von Kassam-Raketen missbraucht wurden. Gestartet wurde von dort aber keine einzige.

Israel betrachtet die UNRWA seit langem als einen Gegner, der die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge durch die Ausweitung ihres Status‘ auf deren Nachkommen vervielfacht hat. Im Gazastreifen ist UNRWA der größte Arbeitgeber. Dennoch sind 56 Prozent der Jugendlichen arbeitslos. Auch wegen dieser Hoffnungslosigkeit konnte die wegen ihrer fundamental-islamistischen Politik in weiten Kreisen verhasste Hamas 2006 die Wahlen gewinnen.

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