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UN-Aktionsplan Kein Mensch soll mehr hungern

Eine Milliarde Menschen müssen mit weniger als umgerechnet 1,14 Euro pro Tag auskommen. Die Vereinten Nationen wollen den Hunger auf der Welt beenden - bis 2030 . Hilfsorganisationen bleiben skeptisch: Auf die Umsetzung komme es an.

Geschlechtergerechtigkeit gehört untrennbar zum Kampf gegen Armut - und deshalb auch zu den neuen Entwicklungszielen der UN. Der Aktionsplan will Gewalt gegen Frauen und Mädchen beenden und ihnen einen besseren Zugang zur Wirtschaft verschaffen. Foto: rtr

Jeder neunte Mensch geht hungrig schlafen. Jedes vierte Kind auf dieser Erde ist unterernährt und hat allein deswegen keine Chance auf eine  körperliche und geistige Entwicklung wie  bessergestellte Jungen und Mädchen. Mehr Männer und Frauen sterben Jahr für Jahr, Tag für Tag an Hunger als an Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen.

Damit soll schon bald Schluss sein: Die 193 Mitgliedsländer der Vereinten Nationen (UN) haben sich ein neues großes Ziel für die Armutsbekämpfung gesetzt. „Unsere Welt verändern - Programm für eine nachhaltige Entwicklung bis 2030“ lautet der Titel des Aktionsplans, auf den sich die  Delegierten verständigten. Demnach soll innerhalb einer Generation die Armut „in allen Formen und überall auf der  Welt“ verschwinden. Kein Mensch soll mehr hungern und niemand mehr in extremer Armut leben. Nach einer international  üblichen sind dafür mindestens 1,25 Dollar pro Tag und Person erforderlich.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon begrüßte die Entscheidung und sprach davon, dass damit Hunger  für immer und unwiderruflich beseitigt werde. Männer, Frauen und Kinder könnten  von der „Tyrannei der Armut“ befreit werden.

Die neuen Vorgaben sind sehr detailliert und umfassen  17 Ziele und 169 Unterziele vom Zugang zu Trinkwasser bis zu Bildungschancen. Sie sichern auch mehr Einsatz für den Klimaschutz zu und enthalten ein Bekenntnis zur Förderung von Frauen. Doch so voluminös und teils konkret die Ziele ausfallen, so  unverbindlich sind sie auch. Keine Regierung  kann dafür belangt werden, wenn sie die Zusagen nicht einhält. Immerhin wollen auf einem UN-Entwicklungsgipfel im September in New York Staats- und Regierungschefs dem Aktionsplan politische Rückendeckung geben.

Der  löst die Millenniumsziele ab, die lange Zeit die entwicklungspolitische Debatte bestimmten. Im Jahr 2000 hatten die Staaten versprochen, den Anteil der Hungernden und extrem Armen auf der Welt bis 2015 zu halbieren. Im Juli erklärten die Vereinten Nationen,  dies sei im Kern erreicht worden. Kritiker bemängelten an den Millenniumszielen, dass  die Weltgemeinschaft sich nicht auf eine absolute Zahl verständigt habe. Um den Anteil der Hungernden zu senken, reicht daher schon eine steigende Weltbevölkerung. Diesen Schwachpunkt beseitigt die Weltgemeinschaft, wenn sie sich mit den neuen Ziel  eine Frist von 15 Jahren setzt, um den Hunger komplett zu eliminieren.

Dennoch äußerten sich die Entwicklungsorganisationen weniger euphorisch als Ki-Moon. Alle Ziele seien wichtig, aber es komme auf die Umsetzung an, meinte Ilona Auer-Fege von Misereor. Ulrich Post von der Welthungerhilfe wies daraufhin, dass die Ziele gegenüber den ersten Entwürfen aufgeweicht worden seien. Care International lobte den Fokus auf die Gleichberechtigung. „Ohne Geschlechtergerechtigkeit kann es keine Welt ohne Armut geben“, betonte Generalsekretär Wolfgang Jamann. „Wir begrüßen deswegen vor allem, dass die Eliminierung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowie ihr besser Zugang zur Wirtschaft und Finanzdienstleistungen zentrale Bestandteile de neuen Entwicklungsziele sind.“

Als „historisch“ feierte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) den Aktionsplan. Erstmals  verbinde die Weltgemeinschaft systematisch die Bekämpfung von Armut mit der Bewahrung unseres Planeten.

Deutlich vorangekommen ist die Menschheit auf dem Weg zu einer Welt ohne Hunger vor allem durch den einzigartigen Boom von Schwellenländern wie China und Indien mit ihren Milliardenvölkern oder auch  Brasilien und Mexiko. Vor allem dadurch sank bei zunehmender Bevölkerung die Zahl der Hungernden laut den UN innerhalb von 25 Jahren um über 216 Millionen. Auch die extreme Armut  wurde enorm zurückgedrängt.  Noch 1981 musste mehr als jeder zweite Mensch in den Entwicklungsländern mit weniger als 1,25 Dollar am Tag existieren. Heute ist es jeder Fünfte. Die absolute Zahl ging laut Weltbank um ein Drittel auf 1,2 Milliarden zurück.

Am schlechtesten schneiden im regionalen Vergleich Lateinamerika, die Karibik und vor allem die afrikanischen Nationen südlich der Sahara ab. Diese Staaten im südlichen Afrika bilden die einzige Region, in der es mehr  Arme gibt als vor drei Jahrzehnten. Hoffnung macht, dass mit großer Verspätung auch Schwarzafrika einen Wirtschaftsaufschwung hinlegt. Der Abstand zu Indien und vor allem zu China ist aber gewaltig.

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