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Umstrittene Islamschule Fernab vom Paradies

Unter Extremismusverdacht: Niedersächsische Verfassungsschützer sind froh, Prediger Ciftci und seine umstrittene Islamschule los zu sein. Nun muss sich NRW der Sache annehmen. Ciftci selbst fühlt sich von den Behörden gehetzt.

15.08.2010 17:39
Detlef Schmalenberg
Unter Extremismus-Verdacht: Muhamed Ciftci und sein Verein „Einladung zum Paradies“. Foto: Schmalenberg

„Das ist doch völliger Blödsinn“, sagt Muhamed Ciftci. Der 36-jährige Prediger, auf dem Boden sitzend, hat sich gerade noch gemütlich an die Wand des Gebetsraumes im Mönchengladbacher Stadtteil Eicken gelehnt. Jetzt, als es um die Vorwürfe gegen ihn geht, schnellt er in die Höhe. Die Augen blitzen, der Blick wirkt grimmig und das bis oben zugeknüpfte Hemd spannt sich bedenklich am Hals.

Ein islamistischer Fundamentalist soll Ciftci sein, ein Hetzer und Hassprediger. Als vor einigen Tagen bekannt wurde, dass er mit seiner Islamschule von Braunschweig nach Mönchengladbach umzieht, ließen niedersächsische Verfassungsschützer wissen, dass sie froh sind, den Problemfall endlich los zu sein. Seitdem rumort es in Mönchengladbach. „Man hat ein komisches Gefühl“, sagt eine Anwohnerin. „Wer weiß, was da alles auf uns zukommt“, sorgt sich ein Nachbar, der „zur Vorsicht“ seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

NRW-Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) lehnt die Pläne der Gruppe um Ciftci sogar rundweg ab, in Mönchengladbach eine Islamschule einzurichten. Es handele sich um Salafisten, eine extremistische Gruppierung mit möglicherweise militanten Zügen, sagt er.

„Dabei verurteilen wir doch Terror in jeglicher Form“, sagt Cifti und kniet sich wieder auf den verschlissenen Teppichboden des Gebetsraumes. Die Gebäude auf dem 1000 Quadratmeter großen Grundstück, das die Salafisten im Juni dieses Jahres gekauft haben, werden momentan umgebaut und renoviert. Ganz früher war hier ein Lebensmittelgeschäft drin, zuletzt ein Autohändler.

Vor fünf Jahren zog eine Moschee ein, mit der Ciftci und sein Verein „Einladung zum Paradies“ jetzt fusionieren. Der Theologe, wie er sich selber nennt, lehrt den Salafismus. Diese fundamentalistische Auslegung des Korans, die dem erzkonservativem Wahhabismus in Saudi-Arabien ähnelt, wird von deutschen Sicherheitsbehörden mit Sorge betrachtet. Bisher hätten bei der Bekämpfung von Extremismus besonders Al-Kaida-nahe Strukturen im Zentrum gestanden, sagt der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann. Es habe sich aber gezeigt, dass das Augenmerk stärker „auf Objekte gerichtet sein muss, in denen salafistische Ideologien missionarisch vermittelt werden“. Denn diese Glaubensrichtung, die einen rigiden Gottesstaat anstrebe und die Demokratie als „falsche Religion“ ansehe, gewinne Nährboden für Terrorismus „stark an Bedeutung“.

Muhamed Ciftci wird im niedersächsischen Verfassungsschutzbericht namentlich erwähnt. In einem Video habe er gesagt, dass „für den Abfall vom Islam die Enthauptung die angemessene Strafe sei“. Und in einer Vorlesung habe er erklärt, dass das Kopftuch nicht genüge, sondern dass Frauen außerhalb ihres Hauses auch Gesicht und Hände zu verhüllen hätten. Der Prediger mache Aussagen, die „unserem Verständnis von Demokratie und Gleichberechtigung völlig widersprechen“, so Schünemann.

„Alles was ich sage wird aus dem Zusammenhang gerissen“, behauptet hingegen Ciftci. Die „Hetze“ führe dazu, dass „Muslime in Deutschland sich mittlerweile wie die Juden im dritten Reich fühlen“. Entsprechend kann die Gegenwehr ausfallen. In einem jetzt auf YouTube veröffentlichten Video bezeichnete Ciftcis Verein 15 Journalisten als „Lügner“ und „Hassprediger“ – alle hatten kritisch über die Gruppe berichtet und werden im Video mit ihren Namen und Medien genannt, darunter die Rheinische Post, der Kölner Express und der Sender RTL. Pierre Vogel, ein Mitglied des Vereins, sagt im Film wörtlich: „Wir wünschen jedem das Beste, und das Beste ist, dass er den Islam annimmt, denn ansonsten wird er für alle Ewigkeit in die Hölle gehen.“

Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz jedenfalls ist alarmiert. In der Nähe der Moschee habe die Behörde kürzlich zwei Wohnungen angemietet, berichtet ein Insider. Dies will der Verfassungsschutz zwar nicht bestätigen. Chefin Mathilde Koller jedoch betont, man wolle „die weitere Entwicklung aufmerksam beobachten“. Es müsse verhindert werden, sagt sie, „dass gerade junge Menschen durch die in dem künftigen Missions-Zentrum vermittelte Ideologie radikalisiert werden.“ ( mit ddp/epd)

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