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Ulrich Schneider Parteinahme für die Linke in der Kritik

Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, gerät nach der Unterstützung der Linken in die Kritik. Die öffentliche Parteinahme befremdet viele.

Neu-Mitglied Ulrich Schneider stellt sich auch öffentlich hinter die Links-Partei. Foto: imago

Vielen Delegierten steckte der Schreck über den Tortenwurf gegen Fraktionschefin Sahra Wagenknecht noch in den Knochen, als am vorletzten Wochenende ein engagiertes Neumitglied beim Linken-Parteitag das Wort ergriff. Kämpferisch pries der Mann die Partei, die „ohne jeden Zweifel für eine Politik des gerechten Ausgleichs“ stehe: „Sie hat an dieser Stelle noch nie gewackelt.“ Vor allem stehe die Linke für Umverteilung – „und wenn das so ist, kann ich Ihnen versichern, haben Sie den Paritätischen auf Ihrer Seite“.

Ulrich Schneider war mit seinem Einstand bei der Linkspartei sichtlich zufrieden. Immerhin erntete der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes in Magdeburg kräftigen Beifall. Doch außerhalb der Parteitagshalle findet der Auftritt des Mannes mit dem markanten Backenbart, der in Talkshows regelmäßig den Anwalt der kleinen Leute gibt, eine deutlich kritischere Resonanz. Bei vielen der 10 000 Mitgliedsverbänden des Paritätischen ist man nach Informationen der Frankfurter Rundschau befremdet. „Das ist ein unmöglicher Vorgang“, rüffelt das Paritätische-Vorstandsmitglied Barbara John ihren angestellten hauptamtlichen Vertreter ungewöhnlich scharf.

Bereits kurz vor dem Parteitag war Schneider der Linkspartei beigetreten. Es sei nicht ihre Sache, die parteipolitischen Präferenzen des Geschäftsführers zu kommentieren, sagte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley der FR, aber: „Mein Eindruck ist: Der Paritätische ist mit der Kombination aus Parteinahme für Benachteiligte bei gleichzeitiger parteipolitischer Neutralität in der Vergangenheit sehr gut gefahren.“ Noch schärfer fällt die Kritik bei den Grünen aus. „Ein Geschäftsführer sollte eigentlich neutral sein. Herr Schneider hat sich sehr weit aus dem Fenster gehängt. Das ist nahe an einer Wahlempfehlung“, moniert deren wirtschaftspolitischer Sprecher Dieter Janecek: „Ich bezweifle, dass er den Mitgliedern des Paritätischen einen Gefallen getan hat.“

„Wie kommt er darauf?“

Das sieht man in der Spitze der Organisation, zu der so unterschiedliche Verbände wie der Arbeiter-Samariter-Bund, der Bund der Freien Waldorfschulen und der Weiße Ring gehören, ähnlich. „Ein Hauptgeschäftsführer kann privat in welche Partei auch immer gehen“, sagte Vorstandsmitglied John der FR: „Aber er kann nicht einen ganzen Verband für seine politischen Vorlieben vereinnahmen.“

Tatsächlich postuliert der Paritätische in seiner Präambel, er wolle „Mittler sein zwischen Generationen und zwischen Weltanschauungen, zwischen Ansätzen und Methoden sozialer Arbeit, auch zwischen seinen Mitgliedsorganisationen.“ Damit verträgt sich ein politischer Werbeauftritt, den Schneider ausdrücklich „in meiner Eigenschaft als Hauptgeschäftsführer des Paritätischen“ absolvierte, kaum. „Ich weiß nicht, wie er darauf kommt, zu sagen, dass der Paritätische hinter der Linkspartei steht“, wundert sich John: „Darüber wird mit Sicherheit noch zu reden sein.“

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