Lade Inhalte...

Ukraine Verletzte bei Protesten in Kiew

Zumeist friedlich demonstrieren seit Tagen Tausende Menschen in Kiew für einen Westkurs ihres Landes. Erstmals geht nun die Polizei massiv gegen die Regierungsgegner vor. Gerät die Lage außer Kontrolle?

30.11.2013 12:25
Die Polizei geht auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew in Stellung. Foto: dpa

Verletzte und Festnahmen in Kiew: Spezialeinheiten der ukrainischen Polizei haben am frühen Samstagmorgen gewaltsam eine Demonstration für einen EU-Kurs des Landes aufgelöst. Die Beamten hätten mit Schlagstöcken Dutzende Menschen niedergeknüppelt, hieß es.

Die Opposition warf der Spezialeinheit "Berkut" (Steinadler) vor, sie sei brutal gegen friedliche Demonstranten vorgegangen, und rief für diesen Sonntag zu neuen Protesten gegen Präsident Viktor Janukowitsch auf. Die Polizei betonte hingegen, sie habe 35 Menschen festgenommen, die Beamte mit Flaschen und Mülleimern beworfen hätten. EU-Vertreter und die US-Botschaft kritisierten das Vorgehen.

Klitschko ruft EU zu Sanktionen auf

Der Oppositionspolitiker und Boxweltmeister Vitali Klitschko rief die Europäische Union zu Sanktionen gegen Janukowitschs Führung auf. Die Ex-Sowjetrepublik drohe, sich «in einen Polizeistaat und ein Zentrum der Instabilität in Europa» zu verwandeln, warnte Klitschko, der bei der Präsidentenwahl 2015 antreten will. Er forderte den Rücktritt der Regierung und rasche Neuwahlen.

Die US-Botschaft in Kiew verurteilte den gewaltsamen Polizeieinsatz scharf und forderte die Regierung auf, das Recht auf Rede- und Versammlungsfreiheit zu achten. Auch der litauische Außenminister Linas Linkevicius, dessen Land die EU-Ratspräsidentschaft innehat, kritisierte bei Twitter das Vorgehen auf dem zentralen Unabhängigkeitsplatz. Dabei war auch mindestens ein Fotoreporter verletzt worden. Sein schwedischer Kollege Carl Bildt sprach von "Repressionen" gegen die EU-Befürworter.

Die Behörden warfen den Demonstranten ihrerseits vor, sie hätten die Sicherheitskräfte attackiert. Daraufhin erst sei die Spezialeinheit vorgerückt. Die Festgenommenen seien nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Ihnen drohen Geld- oder Arreststrafen wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Rowdytums. Hunderte Sicherheitskräfte waren im Stadtzentrum im Einsatz gewesen.

Regierungsgegner verbarrikadieren sich im Kloster

"Meiner Einschätzung nach gibt es Dutzende, vielleicht sogar Hunderte Verletzte", sagte der Abgeordnete Andrej Schewtschenko von der Vaterlandspartei der inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko. Am Vorabend hatten bis zu 10.000 Menschen friedlich für eine EU-Annäherung demonstriert und den Janukowitschs Rücktritt gefordert.

Danach harrten noch Hunderte trotz klirrender Kälte an Feuern aus, bis die Polizei die Kundgebung auflöste. Die bekannte Popsängerin Ruslana (40) sowie etwa 200 Regierungsgegner verbarrikadierten sich in einem nahen Kloster.

Die Ukraine hatte am Freitag auf dem EU-Gipfel zur Östlichen Partnerschaft in Vilnius auf starken Druck Russlands eine engere Zusammenarbeit und freien Handel mit der EU vorerst abgelehnt. Das wichtige Transitland für russisches Gas in die EU ist in der Frage einer Annäherung an die EU tief gespalten. (dpa)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen