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Ukraine Ultranationalist erschossen

Der Tod von Alexander Musytschko belastet die neue Führung der Ukraine. Der Ultranationalist war in seiner Heimatstadt Rowno in der Westukraine erschossen worden.

Alexander Musytschko koordinierte die Arbeit des „Rechten Sektors“ in der Westukraine. Foto: dpa

Eine der schillerndsten Figuren des Kiewer Umsturzes ist tot. Der Ultranationalist Alexander Musytschko ist in der Nacht zu Dienstag in seiner Heimatstadt Rowno in der Westukraine erschossen worden. Sondereinheiten der ukrainischen Polizei hätten versucht, ihn festzunehmen, teilte das Innenministerium mit. Musytschko habe das Feuer eröffnet und habe die anschließende Schießerei nicht überlebt.

Musytschko – Spitzname „Saschko, der Weiße“ – war ein langjähriger Aktivist der nationalistischen Organisation Una-Unso und koordinierte die Arbeit des „Rechten Sektors“ in der Westukraine. Er zählte somit zum rechten Rand jener Protestbewegung, die im Februar Präsident Viktor Janukowitsch stürzte. Aber für die neue Führung erwies er sich als kaum kontrollierbar.

Musytschko sah sich als brutalen Robin Hood der Revolution. Ende Februar machte ein Video die Runde, in dem er einen Staatsanwalt in Rowno würgt und demütigt. Deshalb wurde er zur Fahndung ausgeschrieben. Musytschko seinerseits drohte Innenminister Arsen Awakow öffentlich, er werde ihn „vernichten und wie einen Hund vor dem Innenministerium aufhängen“.

Musytschkos Auftritte fanden vor allem im russischen Fernsehen große Resonanz. Dort wird die Beteiligung rechtsradikaler Kräfte an der Kiewer Protesten hervorgehoben. Tatsächlich war Musytschko für Moskau der Inbegriff des Feindes: Der erklärte Russenhasser hatte im ersten Tschetschenienkrieg aufseiten der Separatisten gekämpft. Für seine Dienste als Leibwächter des tschetschenischen Präsidenten Dschochar Dudajew erhielt er einen Orden der Separatisten.

Am 7. März dieses Jahres erhob das russische Ermittlungskomitee schwere Vorwürfe gegen Musytschko: Er habe im Januar 1995 20 russische Kriegsgefangene gefoltert und getötet. Dies ergebe sich aus neuen Zeugenaussagen. Es werde wegen „Bandenbildung“ ermittelt. Musytschko bestritt die Vorwürfe.

Tatsächlich verurteilt wurde Alexander Musytschko wegen einer anderen Tat: Ein Gericht in Rowno befand ihn 2003 für schuldig, einen Geschäftsmann entführt und misshandelt zu haben. Er verbrachte drei Jahre im Gefängnis.

Zu seinem Tod sagten Vertreter des „Rechten Sektors“ der Agentur Unian in Rowno, Musytschko sei gezielt erschossen worden. Der Vorfall belastet nun die neue Regierungskoalition in Kiew – schließlich ist der „Rechte Sektor“ selbst an ihr beteiligt. Sein Anführer Dmitri Jarosch hat angekündigt, bei den Präsidentschaftswahlen kandidieren zu wollen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Ukraine

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