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Ukraine Ukraine attackiert Putin

Nach dem Flugzeug-Abschuss durch Separatisten spricht der ukrainische Präsident Poroschenko von einem „Gegenangriff“.

Trauer auf dem Maidan: Bei einer Zeremonie wurde der beim Flugzeugabschuss getöteten Soldaten gedacht. Foto: dpa

Andrej Deschtschiza, der ukrainische Außenminister, hat sich am Samstag in Kiew zu höchst undiplomatischen Worten hinreißen lassen. Hunderte Demonstranten hatten sich da vor der russischen Botschaft versammelt, um gegen die russische Unterstützung für Rebellen in der Ostukraine zu protestieren. Sie demolierten Botschaftsautos und bewarfen das Gebäude mit Farbbeuteln.

Deschtschiza war eigentlich gekommen, die Demonstranten zu besänftigen. Solange die Kundgebung friedlich bleibe, sagte er, werde er sie unterstützen. Wie zum Beweis ließ er sich dazu hinreißen, mit seinen Gesprächspartnern einen unflätigen Sprechgesang gegen Wladimir Putin anzustimmen. Eine Kamera hielt fest, wie Kiews Außenminister den russischen Präsidenten verhöhnt.

Deschtschizas Worte, ebenso wie der von der Polizei geduldete Angriffe auf russisches Botschaftseigentum, schaden der Sache Kiews und verletzen alle Regeln der Diplomatie. Sie sind erklärlich nur als heftige Reaktion auf die Nachrichten, die zuvor in der ukrainischen Hauptstadt eingetroffen waren und die Einmischung Russlands in der Ostukraine bezeugten.

Schwere Verluste

Am Donnerstag war gemeldet geworden, dass drei Kampfpanzer über die russisch-ukrainische Grenze gefahren waren. Sie wurden unter anderem im Ort Sneschnoje gesichtet. Aus Bemalung und Panzerung lässt sich schließen, dass es sich um ausgemusterte T-64-Panzer der russischen Armee handelt. Sie verstärken nun offenbar die Reihen der Rebellen.

Nur einen Tag später beschossen Rebellen in Dobropolje eine Straßensperre der ukrainischen Armee und töteten dabei einen Zivilisten. Dabei benutzten sie einen Raketenwerfer des Typs BM-21 „Grad“, der aus Beständen einer in Tschetschenien stationierten russischen Einheit stammt. Das erfuhr das ukrainische Nachrichtenportal Censor.Net.

Schließlich kam es in der Nacht zum Samstag zum bisher schwersten Verlust der ukrainischen Truppen im gesamten Konflikt. Beim Landeanflug auf den Flughafen Lugansk schossen Rebellen eine Iljuschin-Transportmaschine des Typs Il-76 ab. 49 Insassen starben, darunter 40 Fallschirmjäger. Für Sonntag wurde deshalb im ganzen Land Staatstrauer ausgerufen.

Der im Mai gewählte ukrainische Präsident Petro Poroschenko wandte sich am Samstag an sein Volk. Man werde alles tun, „damit die Terroristen eine adäquate Antwort erhalten und bestraft werden“, sagte er. „Heute ist die ukrainische Armee erstmals zum Gegenangriff übergegangen“, hieß es in der Ansprache. Er habe die Truppe in erster Linie beauftragt, die Grenze zu Russland wieder unter Kontrolle zu bringen. Die sei in den vergangenen Tagen bereits auf einer Länge von 248 Kilometern gelungen. Ebenso sei die Hafenstadt Mariupol unter Kontrolle gebracht worden.
Poroschenko hatte eigentlich die rasche Umsetzung eines Friedensplans versprochen. Am Donnerstag hatte der neue Präsident ein Telefongespräch mit Wladimir Putin, das die ukrainische Seite als „gehaltvoll und ausführlich“ bezeichnete.

Die Nato hat auf den Hinweis reagiert, russische Panzer seien im Osten der Ukraine im Einsatz. Die Luftbilder von den Panzern würden „ernste Fragen hinsichtlich der Rolle Russlands bei der Förderung der Instabilität im Osten der Ukraine“ aufwerfen, teilte das Bündnis mit.

Das russische Intervenieren im Osten der Ukraine verschärft die Beziehungen zwischen der Nato und Russland. „Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass Russland uns als Gegner betrachtet“, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen der spanischen Zeitung „El Pais“.

Die Hinweise auf einen unerlaubten Grenzübertritt wecken Erinnerungen an das russische Vorgehen auf der Halbinsel Krim im März. Auch dort war von Kämpfern ohne Hoheitsabzeichen die Rede, die im Nato-Jargon bald den Namen „grüne Männchen“ erhielten. Der Rest ist Geschichte. Russland hat sich die Krim einverleibt. (mit rp)

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