Lade Inhalte...

Ukraine Mariupol Neue Eskalation in der Ukraine

Die Kämpfe in der Ostukraine sind wieder vollends entflammt. Nach einem Raketen-Beschuss pro-russischer Rebellen auf die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol sterben 30 Menschen, mehr als 90 werden verletzt. Der ukrainische Präsident Poroschenko hat den Nationalen Sicherheitsrat einberufen.

24.01.2015 10:47
Rauch liegt nach dem Raketenangriff über der Straße in Mariupol. Foto: REUTERS

Die prorussischen Rebellen haben am Samstag Angriffe zur Eroberung der südostukrainischen Hafenstadt Mariupol gestartet. "Heute haben wir eine Offensive auf Mariupol eingeleitet", sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Bei einem Raketenangriff auf Mariupol wurden wenige Stunden zuvor nach Behördenangaben mindestens 30 Menschen getötet und fast hundert weitere verletzt. Da die Bergungsarbeiten andauern, können sich die Opferzahl noch weiter erhöhen. Ein eigens abgesandtes Inspektoren-Team der OSZE bestätigte am Abend, dass die Raketen aus einem von den prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet abgefeuert wurden.

Nach Angaben der Stadtverwaltung schlugen die Raketen auf einem Markt in einem dicht besiedelten Wohnviertel ein. Mehrere Häuser und Autos seien in Flammen aufgegangen. Ukrainische Medien zeigten Bilder von brennenden Autos und einer schwarzen Rauchsäule über dem Vorort.

Poroschenko will "vollständigen Sieg"

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko kündigte an, die Rebellen bis zum "vollständigen Sieg" zu bekämpfen. Poroschenko berief für diesen Sonntag den Nationalen Sicherheitsrat ein. Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk forderte eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats zur Lage im Osten des Landes.

Die Europäische Union ermahnte Russland in deutlicher Sprache, die moskautreuen Separatisten nicht mehr militärisch, politisch und finanziell zu unterstützen. «Das würde verheerende Folgen für alle verhindern», erklärte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Samstag in Brüssel. Moskau habe beträchtlichen Einfluss auf die Anführer der Separatisten. Die Italienerin warnte vor einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland.

Die neue Gewalteskalation untergräbt Hoffnungen auf eine friedliche Lösung des Konflikts. Seit einem Krisentreffen der Außenminister Deutschlands, Russlands, der Ukraine und Frankreichs am Mittwoch in Berlin hat sich die Lage im Bürgerkriegsgebiet verschärft. Dutzende Zivilisten wurden getötet.

Der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats in Kiew, Alexander Turtschinow, warf Russland vor, moskautreue Separatisten bei dem Angriff auf den Vorort von Mariupol unterstützt zu haben. Russland hatte ähnliche Anschuldigungen in der Vergangenheit zurückgewiesen. Die Aufständischen sprachen von einer Provokation der prowestlichen Führung in Kiew. Sie hätten keine Geschütze mit einer entsprechenden Reichweite in der Gegend stationiert, hieß es.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) schickte nach eigenen Informationen Beobachter zur Überprüfung des Vorfalls nach Mariupol. Sie bestätigten am Abend, dass die Raketen aus einem von den prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet abgefeuert wurden. Das Inspektorenteam habe herausgefunden, dass "die Grad-Raketen aus einer nordöstlichen Richtung kamen" und dass "die Uragan-Raketen aus einer östlichen Richtung kamen", teilte die Organisation am Samstagabend mit. Beides seien Gegenden, die von der selbsternannten "Volksrepublik Donezk" kontrolliert würden. (dpa/afp/rtr)

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Ukraine
Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum