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Ukraine Kesselschlacht bei Debalzewo

Die prorussischen Rebellen im Donbass beschießen die ukrainischen Stellungen an der gesamten Front mit schwerer Artillerie und Panzern.

Ukrainische Soldaten irgendwo an der Front in den Ostbezirken Foto: REUTERS

Die prorussischen Rebellen im Donbass greifen weiter an. Wie ein ukrainischer Militärsprecher gestern mitteilte, beschießen die Aufständischen die ukrainischen Stellungen an der gesamten Front mit schwerer Artillerie und Panzern. Besonders heftig umkämpft sei das Dorf Sanscharowka, in dem die Separatisten einen Stützpunkt der Regierungstruppen mit Grad-Raketenwerfern attackierten.

Sanscharowka liegt an der Ostflanke eines ukrainischen Frontvorsprungs um die Stadt Debalzewo. Alexander Sachartschenko, Premier der Donezker Rebellenrepublik, verkündete bereits am Wochenende, man werde die ukrainischen Einheiten bei Debalzewo in den nächsten Tagen einkesseln. „So rächen wir uns für die Opfer, die in Donezk und Gorlowka umgekommen sind.“

Dmitri Tymtschuk, der Koordinator der offiziösen ukrainischen Gruppe „Informationswiderstand“, schreibt in seinem Blog, nach tagelangen erfolglosen Angriffen gruppierten sich die Separatisten sowie die russischen Streitkräfte, die sie unterstützen, neu. Dagegen zitierte die nationalistische russische Website rusvesna.su einen Rebellenkrieger mit dem Spitznamen „Prisrak“ (Gespenst) der am Sonntag behauptete, man habe Debalzewo bereits blockiert.

Ein Kämpfer des ukrainischen Bataillons „Kriwbass“ sagte der Kiewer Zeitung „Vesti“, die Verteidiger seien tatsächlich auf dem Rückzug. „Wir geben eine Stellung nach der anderen auf. Es gibt Tote und Verletzte, wie viele ist noch unklar, der Angriff ist sehr heftig.“

In der Stadt Debalzewo soll es nach Angaben von Soldaten der 128. Ukrainischen Gebirgsjäger-Brigade seit drei Tagen weder Licht, noch Wasser und auch keine Heizkohle mehr geben. Die letzte offene Verkehrsader ist die Straße M3 nach Artjomowsk, doch zur Zeit wird auch heftig um das Städtchen Popasnaja östlich dieser Straße gekämpft. „Die Situation ist kritisch“, schreibt Andrei Bilizki, Kommandeur des Freiwilligenregiments „Asow“. „Auch wenn Hunderte Etappenhelden die Nation mit ihrem Gerede über ,Heldentum‘, ,Stabilisierung‘ und vernichtete Feindpanzer in Sicherheit wiegen.“

Debalzewo, 25 000-Einwohnerstadt und Eisenbahnknotenpunkt, 70 Kilometer nordöstlich von Donezk, gilt als strategische Schlüsselposition. Der Kiewer Militärexperte Anton Michnenko sagte der „Frankfurter Rundschau“, dort stünden etwa 7000 Ukrainer. Nach Angaben des Freiwilligen Juri Kasjanow hat das Oberkommando sogar ein Viertel der ukrainische Armee in den Frontvorsprung gestopft. Sollten sie eingekesselt werden, droht ein Desaster. Es eröffnete den Seperatisten den Weg direkt auf die im Sommer an die Ukrainer verlorenen Industriestädte Artjomowsk, Kramatorsk und Slawjansk, den gesamten Nordwesten der Region Donezk.

Schon im August hatten die Rebellen mit massiver russischer Waffenhilfe mehrere tausend ukrainische Kämpfer in der Stadt Ilowaisk eingekesselt, über 1000 Ukrainer sollen dort gefallen sein. „Seitdem wurde unser Generalstab erneuert, das Oberkommando hat aus Ilowaisk gelernt“, sagt Michnenko. „Rebellen und Russen attackieren seit dem 17. Januar, ohne wirkliche Erfolge.“ Die Ukrainer versuchten, alle feindlichen Truppenkonzentrationen zu zerschlagen, noch bevor diese angriffen. „Aber das sind Kriegsoperationen, ihr Ausgang ist nie vorherzusagen.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Ukraine

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