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Uiguren Ein Millionenvolk in Ketten

Peking hat einen Unterdrückungsapparat in der muslimischen Provinz Xinjiang installiert.

Demonstration
In Jakarta (Indonesien) protestieren Demonstranten gegen die repressive Behandlung der Uiguren in China. Foto: imago

Chen Quanguo lehrt die Uiguren das Fürchten. Der Chef der chinesischen KP des Autonomiegebietes Xinjiang, der Heimat der Uiguren, hat sich seine Sporen für die Zentralregierung schon in Xizang (Tibet) verdient. Chen hat ein extremes Überwachungssystem für die gesamte Bevölkerung initiiert – Kameras, Checkpoints, biometrische Datenerfassung, dazu oft wahllose Diskriminierung im Alltag, aber auch speziell gegen fromme Muslime, denen „auffällige Barttracht“ untersagt wird.

Die FR hat darüber berichtet, das Peking-Büro der ARD und andere Medien ebenso. Solche negative Meldungen aus Xinjiang gefallen dem Reich der Mitte gar nicht. Und so soll Provinzchef Chen das Autonomiegebiet dem ökonomischen, politischen und militärischen Willen Pekings komplett unterwerfen. Dafür verschwinden potenziell kritische Uiguren.

Wohin? Niemand weiß es genau zu sagen. Aber viele Uiguren und auch ausländische Beobachter vermuten, dass die Verschwundenen in riesigen Lagern festgehalten werden, für die Provinzchef Chen den Euphemismus „Berufsbildungszentren“ verwendet hat. „Eine Beleidigung“ sei die beschönigende Umschreibung, empört sich Patrick Poon, ein China-Experte von Amnesty International (AI). Damit würden „die Menschen in den Lagern wie auch die Familien der Verschwundenen“ verhöhnt. Die Lager seien „in der Hauptsache Orte der Bestrafung und der Folter. Es gibt übereinstimmende Berichte von Prügel, Nahrungsentzug und Einzelhaft.“

Vereinzelt wird von Todesfällen – auch durch Suizid – berichtet. Die UN schätzen, dass mehr als eine Million Uiguren in solchen Lagern interniert sind. Amnesty hatte die Horror-Nachrichten aus der chinesischen Provinz zuerst mit Vorsicht behandelt: Die Informationslage war unsicher, unabhängige Beobachter gab es nicht, viele Zeugnisse der Unterdrückung gab es nur gefiltert durch das uigurische Exil, das schnell dabei war, Front zu machen gegen die Volksrepublik. Manches Mal blieb nichts übrig, als ohne Prüfung Uiguren im Ausland Glauben zu schenken, deren Verbindungen zu ihren Angehörigen in der Heimat von der einen oder der anderen Seite zur Sicherheit vor Verfolgung schon längst gekappt worden waren.

Inzwischen hat AI ehemalige Lagerinsassen und Verwandte von Verschwundenen selbst befragen können. Nicholas Bequelin, Amnestys Fernost-Direktor, fasst die Berichte zusammen: „Die sogenannten Umerziehungslager (...) erinnern an die dunkelsten Momente der Mao-Ära, als jeder (...) in Chinas berüchtigten Arbeitslagern landen konnte.“

Pro-chinesische Indoktrination

Wer in Xinjiang zur „Transformation“, zur Abwehr islamistischer Einflüsse oder wegen vermuteter Sympathien für ein von Oppositionellen gewünschtes unabhängiges „Ost-Turkestan“ verschleppt wird, der muss im Lager mit pro-chinesischer Indoktrination rechnen: Er muss etwa die chinesische Sprache lernen, ständig Staatsfunk hören, Loblieder auf Staatslenker Xi Jinping singen. Und in nicht wenigen Fällen wird die „Umerziehung“ offenbar mit brutaler Folter vorbereitet, wie Zeugen AI berichtet haben: Fesselung mit schweren Ketten, stundenlanges Balancieren, eingezwängt werden in Zellen, in denen man nur gebeugt stehen kann. Zur „Umerziehung“ wurden angeblich schon Imame abgeholt.

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