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Tunesien Militär marschiert in Tunis auf

Die seit Wochen anhaltenden Proteste gegen die Arbeitslosigkeit und die Regierung in Tunesien haben die Hauptstadt erreicht. Ministerpräsident Ghannouchi signalisierte Entgegenkommen und kündigte die Freilassung von Demonstranten an, die während der Unruhen festgenommen worden waren.

12.01.2011 13:42
Brennende Barrikaden: Die Unruhen erreichen die Vorstädte von Tunis

Die seit Wochen anhaltenden Proteste gegen die Arbeitslosigkeit und die Regierung in Tunesien haben die Hauptstadt erreicht. Ministerpräsident Ghannouchi signalisierte Entgegenkommen und kündigte die Freilassung von Demonstranten an, die während der Unruhen festgenommen worden waren.

Nachdem die Unruhen am Vorabend auch die Vororte von Tunis erreicht hatten, marschierte die tunesische Armee am Mittwochmorgen erstmals seit Beginn der Proteste in der Hauptstadt auf. Panzer und bewaffnete Soldaten wurden an großen Kreuzungen in der Innenstadt sowie in der Vorstadt Ettadhamoun positioniert, wo es am Dienstagabend zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen war.

Das Militär patrouillierte auch vor dem Sitz des Rundfunks und einer Straßenbahnstation in Tunis. Der Verkehr in der Hauptstadt lief am Mittwoch aber weitgehend normal. Die staatlichen und privaten Radiosender berichteten wie gewohnt, im Regierungsrundfunk liefen Berichte über die Maßnahmen von Präsident Zine El Abidine Ben Ali zur Krisenbewältigung.

Zugleich signalisierte die Regierung am Mittwoch erstmals Entgegenkommen: Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi kündigte in Tunis die Freilassung all derer an, die bei den seit Mitte Dezember andauernden Unruhen festgenommen worden waren, sowie die Entlassung von Innenminister Rafik Belhaj Kacem. Ferner werde ein Ausschuss eingesetzt, der die von der Opposition und Bürgerrechtlern angeprangerten Fälle von Korruption aufklären solle.

Unterdessen wächst in Frankreich der Unmut über die Zurückhaltung der französischen Regierung angesichts der schlimmsten Unruhen in Tunesien seit Mitte der 80er Jahre. Präsident Nicolas Sarkozy hat sich bislang noch nicht öffentlich geäußert, sein Sprecher hat lediglich allgemein zur Ruhe gemahnt. «Weil der tunesische Präsident Zine el Abidine Ben Ali und sein autoritäres Regime als Bollwerk gegen den Islamismus gelten, schließt man seit Jahren die Augen vor inhaftierten Oppositionellen und geknebelten Medien», schreibt die Zeitung Le Canard Enchaîné.

Die Proteste gegen die hohe Arbeitslosigkeit in dem nordafrikanischen Land hatten Mitte Dezember nach der Selbstverbrennung eines jungen arbeitslosen Akademikers begonnen. Seither liefern sich Demonstranten und Sicherheitskräfte in verschiedenen Teilen des Landes immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen, bei denen zahlreiche Menschen ums Leben kamen.

Zur Zahl der Opfer liegen unterschiedliche Angaben vor. Nach Angaben der Regierung kamen 21 Menschen ums Leben, einem Gewerkschafter zufolge wurden am Wochenende mehr als 50 Menschen getötet. Die Internationale Vereinigung der Menschenrechtsligen (FDHI) sprach von mindestens 35 Toten seit dem Wochenende. Anderen Quellen zufolge kamen bis zu 70 Menschen ums Leben. (dpa/afp)

Tote bei sozialen Unruhen in Tunesien und AlgerienLandkarte von StepMap StepMap Tote bei sozialen Unruhen in Tunesien und Algerien

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