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Tunesien Auswärtiges Amt rät von Reisen ab

Wegen anhaltender Unruhen in Tunesien sollten vorerst keine Reisen in das nordafrikanische Land angetreten werden. Bei erneuten Straßenschlachten in Tunis ist am Donnerstag laut Augenzeugen ein Mann getötet worden.

13.01.2011 08:49
Bei Zusammenstößen mit der Polizei in der tunesischen Hauptstadt Tunis wurden am Mittwoch zahlreiche Demonstranten verletzt. Foto: REUTERS

Wegen anhaltender Unruhen in Tunesien sollten vorerst keine Reisen in das nordafrikanische Land angetreten werden. Bei erneuten Straßenschlachten in Tunis ist am Donnerstag laut Augenzeugen ein Mann getötet worden.

Einem 25-jährigen Demonstranten sei bei Auseinandersetzungen mit der Polizei in einem Vorort der tunesischen Hauptstadt in den Kopf geschossen worden. In mehreren Armenvierteln der Stadt war es am Abend trotz einer Ausgangsperre wieder zu Protesten gegen den Präsidenten gekommen. Die Demonstranten machen den tunesischen Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali für die hohe Arbeitslosigkeit, für Korruption und Polizeigewalt verantwortlich. Am Mittwochabend gab es bei Protesten in der Hauptstadt Tunis erneut zahlreiche Verletzte. Berichte über Tote konnten zunächst nicht bestätigt werden.

In Tunis fuhren Krankenwagen mit heulenden Sirenen durch die Stadt, mehrere Polizeiwachen wurden in Brand gesteckt. In den Straßen waren bis spät in den Abend Schüsse zu hören. Unklar war, ob Tränengas oder scharfe Munition verschossen wurde.

In Douz im südlichen Teil des Landes sollen am Mittwoch mindestens vier Menschen bei Ausschreitungen ums Leben gekommen sein. Unter den Toten ist nach französischen Medienberichten auch ein franko-tunesischer Universitätsdozent, der Urlaub in seiner Heimat machte.

Wegen der Unruhen in Tunesien rät das Auswärtige Amt von Reisen in das nordafrikanische Land vorerst ab. Das Außenministerium verschärfte am Donnerstag seine entsprechenden Hinweise. Wörtlich heißt es darin nun: „Aufgrund der unsicheren Lage wird derzeit von nicht unbedingt erforderlichen Reisen nach Tunesien abgeraten.“

Die schweren Proteste bieten aus Sicht der Friedrich-Ebert-Stiftung in Tunis keine Basis für islamistische Kräfte. „Die gegenwärtige Bewegung hat mit Islamismus gar nichts zu tun“, sagte ihr Büroleiter in Tunis, Ralf Melzer, am Donnerstag. Viele Tunesier seien „sehr westlich orientiert und stolz auf gesellschaftliche Fortschritte“. Besonders die Frauen spielten dabei eine wichtige Rolle. Sie seien besser ausgebildet und hätten mehr Rechte als Frauen in anderen nordafrikanischen Ländern. Dennoch gebe es aber wie in der ganzen islamischen Welt auch in Tunesien eine Rückkehr des Religiösen in den öffentlichen Raum unter konservativen Vorzeichen.

Der Aufruhr der meist jungen und arbeitslosen Protestierer, der seit dem 17. Dezember mehr als 20 Tote gefordert hat, ist nach Melzers Worten „bislang noch völlig dezentral und wird von niemandem wirklich gesteuert“. Zugleich sei nicht klar, welche konkreten Forderungen erhoben werden. „Mehr Jobs und mehr politische Rechte ist bisher alles, was im Raum steht“, so Melzer. Der Ruf nach größeren politischen Freiheiten werde aber immer lauter, je schärfer der Staat gegen seine Bürger vorgehe. „Ohne diese politische Dimension wäre die Solidarisierung mit den Protesten auch nicht so groß. Die Tunesier wollen endlich ihre Meinung sagen dürfen, ob auf der Straße oder bei Facebook.“

Seit Mitte Dezember haben die Proteste weite Teile des nordafrikanischen Landes erfasst. (dpa/kna)

Tote bei sozialen Unruhen in Tunesien und AlgerienLandkarte von StepMap StepMap Tote bei sozialen Unruhen in Tunesien und Algerien

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