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Türkei und Pressefreiheit Friedmann widerspricht türkischem Minister

Eklat um das Interview mit einem türkischen Minister für die "Conflict Zone": Nach Angaben Michel Friedmans seien die Videoaufnahmen beschlagnahmt worden.

07.09.2016 09:27
Michel Friedman führte ein Interview mit dem türkischen Minister Akis Cagatay Kilic. Foto: imago stock&people

Der Moderator Michel Friedman hat im Streit über ein Interview für die Deutsche Welle der türkischen Regierung widersprochen. Nach seinem Gespräch mit dem türkischen Sportminister Akif Kilic seien sehr wohl Videoaufnahmen beschlagnahmt worden, sagte Friedman am Mittwoch im Deutschlandfunk. Die DW habe beim Ministerium und beim türkischen Presseamt die Herausgabe des Materials verlangt.

Der Sportminister hatte am Dienstag im Kurznachrichtendienst Twitter erklärt, eine Beschlagnahmung habe es nicht gegeben. Vielmehr sei die Deutsche Welle lediglich aufgefordert worden, das Interview nicht auszustrahlen. Friedman erklärte dagegen, die DW verfüge über keinerlei Aufzeichnungen des Gesprächs mehr. Der Pressereferent Kilics habe nach dem Interview Druck auf das türkische Technik-Team der DW ausgeübt. Der Kameramann habe daraufhin den Chip mit den Aufnahmen ausgehändigt.

Bereits zuvor hätten Mitarbeiter des Ministeriums verlangt, noch einmal über das Interview zu sprechen, sagte Friedman. Das habe er aber abgelehnt: Es gelte das gesprochene Wort, habe seine Antwort gelautet. Ursache für den Eklat war laut Friedman eine zunehmende Unzufriedenheit des Ministers mit den kritischen Fragen, die er ihm gestellt habe.

Reporter ohne Grenzen mischt sich ein

Friedman stellte in dem Interview laut Deutscher Welle Fragen zum Putschversuch im Juli, zu den folgenden Massenentlassungen und Verhaftungen, zur Lage der Presse sowie zur Stellung der Frau. Die Themen des Gesprächs seien dem Ministerium vorab mitgeteilt worden. Friedman präsentiert im englischsprachigen Programm der Deutschen Welle den Polit-Talk "Conflict Zone", den er im Wechsel mit dem britischen Fernsehjournalisten Tim Sebastian bestreitet.

"Reporter ohne Grenzen" forderte die Regierung in Ankara auf, das Videomaterial des Interviews umgehend herauszugeben. "Wie die türkische Regierung sich gegenüber den Journalisten der Deutschen Welle verhalten hat, ist eines Staates, der sich selbst als Demokratie bezeichnet, in höchstem Maße unwürdig", sagte der Geschäftsführer der deutschen Sektion von "Reporter ohne Grenzen", Christian Mihr, in Berlin. "Dass ein Minister aufgezeichnetes Interview-Material nicht herausgibt, weil ihm die Fragen der Journalisten offensichtlich zu kritisch waren, ist eine harsche Form der Zensur und macht die Geringschätzung der türkischen Regierung für die Pressefreiheit einmal mehr deutlich."

Die medienpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Tabea Rößner, sprach von einem unfassbaren Angriff auf die Pressefreiheit. "Die Attacken gegen die Pressefreiheit in der Türkei werden immer dreister", erklärte sie. "Wie lange will die Bundesregierung dem Treiben der Regierung Erdogans noch tatenlos zuschauen? Klare Worte der Bundeskanzlerin, dass so ein Verhalten nicht hinnehmbar ist, sind überfällig." Auch die Grünen forderten die sofortige Rückgabe des Videomaterials. (epd)

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