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Türkei provoziert Griechenland Dunkle Wolken über der Ägäis

Im Schnitt fünf Tiefflüge der türkischen Luftwaffe verletzen den griechischen Luftraum pro Tag. Die gegenseitigen Provokationen nehmen zu. Und in der Ägäis wachsen die Spannungen. Von Gerd Höhler

Der türkische Premier Tyyip Erdogan beim Beobachten eines Militärmanövers. Foto: rtr

Die Urlauber auf den griechischen Ägäisinseln genießen den blauen Himmel, aber die politische Wetterlage über dem Meer zwischen Griechenland und der Türkei verdüstert sich zusehends: Immer häufiger registrieren die Griechen über der Ägäis Verletzungen ihres Luftraums durch die türkische Luftwaffe. Zu einer wachsenden Belastung wird auch der anschwellende Zustrom illegaler Einwanderer über die Grenzen zur Türkei.

Eigentlich wollte der türkische Premier Tayyip Erdogan am vergangenen Wochenende zur Eröffnung des neuen Akropolis-Museums nach Athen kommen. Auch ein Gespräch mit dem griechischen Regierungschef Kostas Karamanlis war geplant.

Doch Erdogan musste die Reise aus gesundheitlichen Gründen absagen. In Athen und Ankara wurde sofort spekuliert, es handele sich um eine diplomatische Krankheit. Die Vermutung lag nahe, da das Gespräch eher unerfreuliche Themen behandelt hätte, aber sie scheint nicht zuzutreffen.

Die Probleme sprach dann die griechische Außenministerin Dora Bakogiannis in einem Interview an: "In der Ägäis gibt es wachsende Spannungen, die wir sehr ernsthaft prüfen." Immer häufiger fliegen seit einigen Monaten türkische Kampfjets durch den griechischen Luftraum, auch im Tiefflug über bewohnte Inseln. Und zwar über die umstrittene Zehn-Meilen-Zone hinaus, die Griechenland im Luftraum über der Ägäis beansprucht, während die Türkei nur sechs Meilen als Hoheitsgebiet anerkennt.

Gegenseitige Vorwürfe

Eine offene Frage ist, ob die Luftraumverletzungen - im Schnitt fünf pro Tag - auf das Konto der türkischen Militärführung gehen, oder ob die Regierung Erdogan dahinter steckt. Manche Athener Beobachter meinen, mit den Überflügen wolle die Türkei letztlich Gebietsansprüche in der Ägäis unterstreichen.

Bereits 1996 gerieten die beiden Nato-Partner im Streit um zwei unbewohnte Felseninseln in der Ostägäis an den Rand eines Krieges. Seit 2002 verhandeln Diplomaten beider Länder über eine Beilegung der Streitfragen, bisher aber ohne Ergebnis.

Zudem belastet ein neues Problem die bilateralen Beziehungen: der ständig wachsende Zustrom illegaler Einwanderer. Zahlreiche Armutsflüchtlinge kommen fast jede Nacht über die Türkei nach Griechenland. Im vergangenen Jahr fassten die Griechen 88 000 illegale Grenzgänger, die meist über die Türkei ins Land kamen.

Griechenland wirft der Regierung in Ankara vor, sie gehe nicht energisch genug gegen die Schleuserbanden vor, die mit dem Menschenschmuggel ein Millionengeschäft machen. Jetzt verstärkt die EU den Druck auf die Türkei, ihre Grenzen besser zu sichern.

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