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Türkei Mesale Tolu ist frei

2. UpdateSieben Monate nach ihrer Festnahme in der Türkei wird die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu aus der Untersuchungshaft entlassen.

Frauengefängnis Bakirkoy
Sieben Monate war Mesale Tolu hier, im Frauengefängnis Bakirkoy in Istanbul festgehalten worden. Foto: rtr

Mesale Tolu hält ihre Hände gefaltet und blickt kurz vor der Urteilsverkündung hoffnungsvoll in Richtung der Handykamera von Heike Hänsel; sie lächelt verhalten. Die Linken-Bundestagsabgeordnete ist am Montagvormittag als Prozessbeobachterin im Gerichtsgebäude der Großen Strafkammer in Istanbul. Neben Hänsel sind der deutsche Botschafter in der Türkei, Martin Erdmann, und der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff zur Unterstützung von Tolu dabei. Sie warten auf den Richterspruch, nachdem die Staatsanwaltschaft die Freilassung von Tolu gefordert hat. 

Kurz darauf dann tatsächlich die Erleichterung: Mehr als sieben Monate nach ihrer Festnahme in der Türkei kommt die deutsche Journalistin und Übersetzerin aus der Untersuchungshaft frei – unter Auflagen. Das Istanbuler Gericht ordnet am Montag zwar die Freilassung von Tolu und fünf Mitangeklagten an, verhängt jedoch ein Ausreiseverbot für das Sextett. Tolu muss sich zudem jeden Montag bei der Polizei melden. „Die ganze Familie hat mit dazu beigetragen, indem sie den Fall öffentlich gemacht und so den Druck auf Erdogan aufgebaut hat“, sagte Wallraff der FR. Aber auch Botschafter Erdmann habe sich sehr für die Gefangene eingesetzt, betont der deutsche Journalist. 

„Das ist eine einerseits gute Nachricht im Blick auf die Tatsache, dass sie wohl freikommen wird“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag in Berlin. „Es ist auf der anderen Seite natürlich noch keine komplett gute Nachricht, weil sie das Land nicht verlassen darf und auf der anderen Seite auch der Prozess noch weitergeführt wird.“ Außenminister Sigmar Gabriel sprach dennoch von einer „immensen Erleichterung.“ Gabriels Sprecherin sagte, die Bundesregierung habe für die Freilassung Tolus gekämpft und werde nun prüfen, wie die damit verbundenen Auflagen begründet seien – mit anderen Worten: Berlin lässt nicht locker. Aus der Türkei dürfen unter Einschluss Tolus 28 deutsche Staatsangehörige nicht ausreisen.

Das Verfahren gegen die Journalistin und 17 türkische Staatsbürger wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer Terrororganisation geht weiter. Mit „Terrororganisation“ ist die linksextreme MLKP gemeint, die in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Nächster Verhandlungstermin in dem Verfahren ist der 26. April 2018. Der aus Neu-Ulm stammenden Tolu drohen nach Angaben ihrer Anwälte auch jetzt noch bis zu 20 Jahre Haft. Prozessauftakt war am 11. Oktober gewesen. Tolus Mann Suat Corlu war ebenfalls in der Türkei inhaftiert. Er wurde Ende November freigelassen. Auch sein Verfahren dauert noch an.

Nach Angaben ihrer Anwältinnen lasten die Ankläger Tolu unter anderem die Teilnahme an Gedenkfeiern für Aktivisten an, die in Syrien ums Leben gekommen sind. Dabei handele es sich um Menschen, die im Kampf gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) starben. Angeblich wird die Journalistin auch noch von einem bis dato anonymen Zeugen belastet. Die 33-Jährige war am 30. April bei einer Razzia in ihrer Wohnung festgenommen worden. 
Tolu sagte nach Angaben von Beobachtern am Montag bei ihrer Verteidigung vor Gericht: „Ich wurde verhaftet, weil ich Journalistin bin, und weil beabsichtigt wurde, Druck auf die Medien auszuüben. Der Druck auf die Medien wurde fortgesetzt, aber ich denke, dass die Justiz gerecht entscheiden wird.“ Die meisten türkischen und deutschen Reporter waren am Montag von der Verhandlung ausgeschlossen. Als Grund gaben die Sicherheitskräfte im zentralen Gerichtsgebäude in Istanbul an, der Saal sei voll. Größere Säle seien belegt. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Türkei

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