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Türkei Massive Proteste in Ankara

In der türkischen Hauptstadt Ankara kommt es zu massiven Auseinandersetzungen zwischen rund 3000 meist jungen Demonstranten und der Polizei. Ist es der befürchtete Beginn eines "heißen Herbstes" in der Türkei?

Die Polizei setzt in Ankara auch Tränengas gegen die Demonstranten ein. Foto: AFP

Ist es der befürchtete Beginn eines „heißen Herbstes“ in der Türkei? Am Samstag kam es den zweiten Tag in Folge in der türkischen Hauptstadt Ankara zu massiven Auseinandersetzungen zwischen rund 3000 meist jungen Demonstranten und der Polizei, die in der Nacht zum Sonntag anhielten und auch auf andere türkische Städte übergriffen. Die Proteste entzündeten sich am Freitagmorgen, als Bereitschaftspolizisten ein Protestcamp auf einem Universitätsgelände in Ankara auflösten, mit dem Studenten den Bau einer Schnellstraße durch ein Wäldchen auf dem ODTÜ-Campus verhindern wollten.

Die türkische Abkürzung ODTÜ steht für „Technische Universität des Nahen Ostens“. Die renommierte Hochschule mit rund 25 000 Studienplätzen gilt seit jeher als Bastion linker und kemalistischer Studenten. Als die Uni gegründet wurde, lag sie am Stadtrand von Ankara, inzwischen ist der riesige Campus mit seinen Anfang der 1960er Jahre gepflanzten Forsten eine der letzten grünen Lungen der Stadt. Als Ankaras Bürgermeister im August ankündigte, die lange geplante Verbindungsstraße zwischen zwei Hauptverkehrsadern in Kürze zu errichten, bauten etwa hundert Studenten ein Protestcamp in dem Forst auf. Sie wollten verhindern, dass etwa 3000 Bäume gefällt werden und der Campus in zwei Teile geteilt wird.

3000 Demonstranten

Am vergangenen Freitag rückten Bagger und Planierraupen unter Polizeischutz an, rissen die Zelte der Studenten ab und begannen, das Gelände zu planieren. Es kam zu Rangeleien mit der Polizei, zehn Menschen wurden festgenommen. Als die Auseinandersetzungen eskalierte, riefen die Waldschützer per Facebook Unterstützer herbei. Drei Parlamentsabgeordnete der oppositionellen Republikanischen Partei sorgten für einen vorläufigen Stopp der Bauarbeiten, als sie sich zwischen Bäume und Bulldozer stellten und darauf bestanden, dass ein Gericht die Arbeiten untersagt habe.

Am Samstag wurde dennoch weiter planiert und abgeholzt. Als 3000 Demonstranten dagegen protestierten, setzte die Polizei laut Medienberichten erneut Wasserwerfer und Tränengas ein, wobei Teile des Waldes in Brand gerieten und von Protestierenden gelöscht wurden. Kemalistische Zeitungen meldeten, dass die Polizei höhnische Lautsprecherdurchsagen machte: „Was stimmt nur mit euch nicht, ihr Bastarde?“ In einem benachbarten Viertel errichteten Anwohner Barrikaden; die Polizei setzte Plastikgeschosse gegen sie ein. Der Uni-Rektor forderte eine demokratische Lösung des Konflikts.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Türkei

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