Lade Inhalte...

Türkei Mammutprozess gegen 486 Personen

In der Türkei beginnt am Dienstag ein Mammutprozess gegen 486 mutmaßliche Putschisten. Demonstranten fordern ihre Todesstrafe.

01.08.2017 15:14
Prozess
Zum Prozessbeginn bringen paramilitärische Einheiten der Polizei und Mitglieder einer Sondereinheit 486 Verdächtige zu der Gerichtsverhandlung. Foto: dpa

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat in der Türkei ein neuer Mammutprozess gegen mutmaßliche Beteiligte des gescheiterten Militärputschs im Juli vergangenen Jahres begonnen. 486 Verdächtige müssen sich seit Dienstag vor einem Gericht in der Provinz Ankara verantworten - darunter mehrere angebliche Drahtzieher der Aktion.

Die Männer sind unter anderem wegen des Versuchs angeklagt, die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan zu stürzen. 45 Verdächtigen droht nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu eine mehrfache lebenslange Freiheitsstrafe.

„Wir wollen die Todesstrafe“

Konkret geht es um die Ereignisse auf dem Luftwaffenstützpunkt Akinci - dem damaligen Hauptquartier der Aufständischen. Unter den Angeklagten ist auch der ehemalige Luftwaffenkommandeur Akin Öztürk, der verdächtigt wird, einer der Wortführer des Putschversuchs zu sein. Der Anklage zufolge wurde der türkische Generalstabschef Hulusi Akar während des Umsturzversuchs am 15. Juli 2016 als Geisel genommen und auf die Air Base gebracht.

Bei ihrer Ankunft wurden die Angeklagten, die jeweils hintereinander von zwei Polizisten ins Gerichtsgebäude geführt wurden, von einer wütenden Menge empfangen. Die Zuschauer riefen „Wir wollen die Todesstrafe“, einige hielten Henkersknoten in die Luft. In der Türkei laufen bereits mehrere Prozesse gegen mutmaßliche Teilnehmer des Putschversuchs, bei dem mehr als 250 Menschen starben.

50 000 Menschen im Gefängnis

Unter den Beschuldigten sind nicht nur Militärangehörige. Angeklagt sind auch mußmaßlich wichtige Köpfe der Bewegung um den in den USA im Exil lebenden Prediger Fethullah Gülen, den die Türkei für den Putschversuch verantwortlich macht. Dieser bestreitet das. Gülen selbst wird in Abwesenheit der Prozess gemacht, ebenso wie Adil Öksüz, einem weiteren angeblichen Hintermann der Militäraktion.

Erdogan geht rigide gegen mögliche Gülen-Anhänger vor. Türkeiweit sitzen mehr als 50 000 Menschen im Gefängnis, denen Verbindungen zur Bewegung um den Kleriker vorgeworfen werden. (dpa)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen