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Türkei Luftschläge im Nordirak

Die Türkei geht mit massiven Angriffen gegen PKK-Stellungen vor.

Istanbul
Recep Tayyip Erdogan wirbt viel für sich und seine Partei. Foto: rtr

Knapp zwei Wochen vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen hat der türkische Staatspräsident und Oberbefehlshaber der Armee, Recep Tayyip Erdogan, massive Angriffe auf Stellungen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK im benachbarten Nordirak befohlen.Nach Angaben des Generalstabs in Ankara bombardierte die türkische Luftwaffe seit dem Wochenende mindestens 14 PKK-Positionen in den grenznahen Kandil-Bergen. In der unzugänglichen Region unterhält die PKK seit zwei Jahrzehnten ihr Hauptquartier. In der vergangenen Woche hatte die Armeeführung in Ankara bereits bekannt gegeben, dass sie elf „temporäre Stützpunkte“ an strategischen Punkten in Kandil errichtet habe. Der irakische Regierungschef Haidar Al-Abadi forderte die Türkei unterdessen auf, die „irakische Souveränität zu respektieren“.

Tatsächlich ist die neue Offensive Teil einer langfristigen Strategie Ankaras. Die Präsenz der PKK im Norden des Iraks und Syriens gilt als Bedrohung der nationalen Sicherheit. Zu der Strategie gehören auch Angriffe auf die strategisch wichtige nordirakische Sindschar-Region im Dreiländereck Irak-Syrien-Türkei, in der vor allem Jesiden leben, die mit der PKK verbündet sind. Außerdem Erdogans Ankündigung, das von der PKK betreute Flüchtlingslager Machmur mit rund 10 000 aus der Türkei geflohenen Kurden nahe der nordirakischen Metropole Erbil zu attackieren. Schließlich eine kürzlich mit den USA geschlossene Vereinbarung über den Rückzug der PKK-nahen syrischen Kurdenmiliz YPG aus der Region Manbidsch westlich des Euphrats. Die PKK wird von der Türkei, den USA und der EU als Terrororganisation gelistet.

Kurdenmiliz vertreiben

Bereits zu Jahresbeginn hatte die türkische Armee die nordwestsyrische Kurdenenklave Afrin angegriffen und die YPG von dort vertrieben. Letztlich will die Türkei die Kurdenmilizen aus dem gesamten Grenzgebiet verjagen. Die Regierung wolle einen Gebietsstreifen „vom Mittelmeer bis zum Iran“ für die Türkei sichern, triumphierte die regierungsnahe Tageszeitung Yeni Safak kürzlich. Diese neue Doktrin bedeute, dass die Türkei alle Ereignisse im Grenzgebiet als „innere Angelegenheit“ betrachte. Auf den Widerspruch zum Völkerrecht ging das Blatt nicht ein.

In den vergangenen Tagen haben Erdogan und mehrere Minister erklärt, dass es diesmal darum gehe, die PKK endgültig aus Kandil zu vertreiben – „wie in Afrin“. Solche Drohungen sind allerdings nichts Neues. Zahlreiche Offensiven gegen die Guerilla in den letzten 20 Jahren zeitigten keinen Erfolg. Einige Beobachter erkennen trotzdem diesmal eine neue Qualität, da die türkische Armee seit März wieder Bodentruppen ins Kandil-Gebirge geschickt und dort Militärposten errichtet hat. 

Momentan scheint es der Türkei vor allem darum zu gehen, die PKK-Führung in Kandil von ihren anderen Operationsgebieten im Nordirak und in Nordsyrien abzuschneiden. Ohne die Hilfe des benachbarten Irans ist es jedoch kaum möglich, die Guerilla in die Zange zu nehmen. Der Iran verhält sich indifferent, denn er vertritt im Irak und in Syrien Interessen, die denen Ankaras entgegengesetzt sind. Gleichwohl rechnet auch die PKK mit einer großen türkischen Offensive, obwohl sie Ankaras Drohungen sonst pauschal abtut. Kommandeur Bahoz Erdal sagte einer saudischen Zeitung, die PKK erwarte „einen heißen Sommer mit der Türkei“. 

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