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Türkei Korruptionsskandal Sohn von Erdogan unter Verdacht

Bilal Erdogan, Sohn des Premiers, ist der prominenteste Verdächtige im türkischen Korruptionsskandal. Dem 32-Jährigen droht die Festnahme, wenn er sich nicht bis zum 2. Januar den Ermittlern stellt.

Necmettin Bilal Erdogan. Foto: AFP

Wie tief steckt die Familie des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan selbst im Sumpf des Korruptionsskandals, der das Land seit einer Woche erschüttert? Auf dem Titel vieler Oppositionszeitungen prangte am Freitag das Foto von Necmettin Bilal Erdogan, dem 32-jährigen zweitgeborenen Sohn des Premiers.

Die Istanbuler Staatsanwaltschaft hatte ihn am Donnerstag im Zuge einer zweiten Ermittlungswelle zur Vernehmung einbestellt, doch die neu eingesetzte Polizeiführung hatte sich dem Befehl bei ihm und 30 weiteren Personen widersetzt.

Ein Dossier für weitere Festnahmen wurde dem Untersuchungsrichter entzogen. Um den Sohn des Premiers zu schützen? Bilal Erdogan ist der prominenteste Beschuldigte der Istanbuler Korruptionsermittlungen.

Drei Millionen Dollar Schmiergeld

Die Ermittlungen beleuchten dubiose Vorgänge um eine Stiftung namens Türgev, deren Mitgründer Bilal Erdogan ist. Sie soll öffentliches Land im Istanbuler Innenstadtbezirk Fatih im Wert von einer Milliarde Dollar für weniger als die Hälfte erworben haben und dafür rund drei Millionen Dollar Schmiergeld bezahlt haben.

Gegen den Bezirksbürgermeister, der wie Bilal, eine Schwester Esra und weitere Mitglieder der Erdogan-Familie im Vorstand der Stiftung sitzt, wird wegen Bestechlichkeit ermittelt. Man verfolge seinen Sohn, ziele aber in Wahrheit auf ihn, behauptet der Premier, ohne auf die Vorwürfe selbst einzugehen. Türgev sei ein integres Unternehmen, das Hostels für Studenten baue und Stipendien ausgebe.

Auch in der Vergangenheit ließ der aus kleinen Verhältnissen stammende Vater Fragen nach dem märchenhaften Reichtum seiner Familie stets bissig an sich abperlen. Er versuchte beispielsweise, Bilals Millionen mit Hochzeitsgeschenken zu erklären. Bilal hat sich nie öffentlich dazu geäußert. Während sein älterer Burak mittlerweile sein sechstes Containerschiff besitzt, hat Bilal im Frühjahr zusammen mit Onkel Mustafa Erdogan ebenfalls eine Reederfirma und ein Bauunternehmen gegründet.

Berichte über „Maulwurf“

Bilal hat zwei Söhne mit seiner Frau Reyya, die er vor zehn Jahren heiratete, als sie gerade 17 war. Er studierte in Harvard, machte aber in diesem Jahr von sich reden, als er den Militärputsch in Ägypten auf Twitter dem Westen anlastete: „Westliche Zivilisation ist auf Blut und dem Leiden der anderen aufgebaut.“

Am Donnerstag hatte der bis Freitag für die Korruptionsermittlungen in Istanbul zuständige Staatsanwalt Muammer Akkas in einer dramatischen Erklärung beklagt, dass die Justiz massiv an ihrer Arbeit gehindert werde. Er schrieb: „Die Polizeiführung begeht ein Verbrechen, indem sie den Anordnungen der Justiz nicht folgt. Damit ist der Weg frei für die Verdächtigen, vorzusorgen, zu fliehen oder Beweise zu fälschen.“ Akkas wurde prompt von dem Fall abgezogen.

Medien berichten, dass Bilal Erdogan ohnehin von einem „Maulwurf“ in der Justiz gewarnt worden sei, dass Ermittler sein Telefon abhörten. Deshalb wohl habe seine Türgev-Stiftung den bereits genehmigten Antrag, ein Hostel auf geschütztem archäologischen Ausgrabungsland zu errichten, am 4. November überraschend zurückgezogen.

Ob er sich den Ermittlern freiwillig stellen will, sagte er nicht. Zeit dafür hat er bis zum 2. Januar, anschließend droht ihm die Festnahme.

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