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Türkei Kölner Autor in Istanbul vor Gericht

Der Kölner Autor Dogan Akhanli soll an tödlichem Überfall beteiligt gewesen sein. Er bestreitet die Vorwürfe, seine Unterstützer sprechen von einer "konstruierten Anklage“. Die türkische Justiz wolle offenbar eine „alte Rechnung“ mit Akhanli begleichen

Dogan Akhanli ist seit 2001 deutscher Staatsbürger. Ihm droht lebenslange Haft. Foto: R. Spekking / Wikimedia Commons

Am Mittwoch soll in Istanbul der Prozess gegen den Kölner Autor Dogan Akhanli beginnen. Der türkischstämmige Schriftsteller wurde am 10. August bei seiner Einreise am Istanbuler Flughafen festgenommen und sitzt seither in U-Haft. Die türkische Justiz wirft dem 53-Jährigen vor, 1989 an einem tödlichen Überfall beteiligt gewesen zu sein.

Akhanli bestreitet das. Seine Unterstützer sprechen von einer konstruierten Anklage. Zahlreiche Beobachter aus Deutschland, unter ihnen der Journalist Günter Wallraff, wollen den Prozess vor Ort verfolgen. Ursprünglich wollte Akhanli seinen über 90-jährigen, herzkranken Vater besuchen, den er seit seiner Flucht nach Deutschland im Jahr 1991 nicht mehr gesehen hatte. Doch bei der Passkontrolle wurde der Autor festgenommen.

Der Istanbuler Staatsanwalt Hüseyin Ayar wirft ihm vor, am 20. Oktober 1989 mit zwei Komplizen eine Wechselstube in Istanbul überfallen zu haben. Dabei kam es zu einer Rangelei. Einer der drei Männer schoss und traf den Besitzer Yasar Tutum tödlich. Die Anklage stützt sich auf die Aussage eines 1992 festgenommenen Mannes, der Akhanli als Täter nannte. Heute sagt der Zeuge aber, er sei damals schwer gefoltert worden und habe die Aussage unterschreiben müssen, ohne sie zu lesen. Zudem heißt es in der Anklage, die beiden beim Überfall anwesenden Söhne des Wechselstubenbesitzers hätten Akhanli auf einem Foto identifiziert. Bei einer neuerlichen Befragung sagten die Brüder der Polizei, sie könnten Akhanli nicht wiedererkennen. Man habe ihnen bei der früheren Vernehmung keine Fotos vorgelegt, berichtet Akhanlis Anwalt.

Die türkische Justiz wolle offenbar eine „alte Rechnung“ mit Akhanli begleichen. Doch die Anklage hält an den Vorwürfen fest und legt neue nach: Akhanli sei Anführer einer linken Terrorgruppe gewesen, die den Überfall verübt habe, um Geld für ihre Umsturzpläne zu beschaffen.

Wie auch immer der Prozess endet: Seinen Vater wird Akhanli nicht wiedersehen. Er starb vor elf Tagen.

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