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Türkei Erdogan wirft Merkel "Nazi-Methoden" vor

Neue Eskalationsstufe im Streit zwischen Berlin und Ankara: Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan wirft Bundeskanzerlin Angela Merkel nun auch persönlich "Nazi-Methoden" vor.

Günes
Titelbild einer regierungsnahen türkischen Zeitung Foto: YASIN AKGUL (AFP)

Der Streit zwischen Deutschland und der Türkei spitzt sich weiter zu. Bei einer Rede am Sonntag warf der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan namentlich Bundeskanzlerin Angela Merkel „Nazi-Methoden“ vor.

„Du benutzt gerade Nazi-Methoden. Gegen wen? Gegen meine türkischen Brüder in Deutschland und die Minister, die in Deutschland für die Einführung des Präsidialsystems in der Türkei werben wollten.“ Damit nicht genug, meinte Erdogan, in Europa könne man „Gaskammern und Sammellager“ wieder zum Thema machen. „Das trauen sie sich nur nicht.“

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner äußerte sich entsprechend irritiert zu den Vorwürfen: „Vielleicht braucht Herr Erdogan einfach mal ein Blockseminar in Geschichte, Anstand und Völkerverständigung.“ Der außenpolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour, sagte, Erdogans Vergleiche seien „unerträglich und eklig“. Erdogan mache das mit Absicht: „Er lenkt damit von dem eigentlichen Thema ab: dass er sein Land gerade in eine Diktatur führt. Man darf sich davon aber nicht ablenken lassen. Sonst erreicht er genau das, was er will.“

Sevim Dagdelen, Linken-Sprecherin für internationale Beziehungen, sagte: „Erdogan zeigt hier wieder einmal mehr, dass er kein Partner, sondern ein Provokateur ist.“ Deshalb solle die Bundesregierung die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei und damit auch die jährlichen 630 Millionen Euro Hilfe stoppen. „Das ist eine Sprache, die Erdogan versteht. Wer jetzt weiter mit Erdogan paktiert, handelt in hohem Maß unverantwortlich“.

Vor wenigen Wochen hatte der türkische Präsident bereits den deutschen Behörden nationalsozialistisches Verhalten vorgeworfen, nachdem mehrere Städte Auftritte seiner Untergebenen untersagten: „Eure Praktiken unterscheiden sich nicht von den früheren Nazi-Praktiken.“ Die Auftritte sind für das Referendum zur Einführung eines Präsidialsystems, über das die Türken am 16. April abstimmen. Dadurch würden die Rechte des Parlaments eingeschränkt, die von Erdogan ausgeweitet. Auch die in Deutschland lebenden Türken sollen ihre Stimme abgeben.

Das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei ist auch wegen des in Istanbul seit drei Wochen in U-Haft sitzenden „Welt“-Journalisten Deniz Yücel belastet. Er könnte bis zu fünf Jahre auf einen Prozess warten müssen. Am Sonntag diffamierte Erdogan den kritischen Journalisten erneut als „Agenten und Terroristen“. Ihm werden Spionage, Propaganda und Volksverhetzung vorgeworfen. mit afp/dpa

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Türkei

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