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Türkei Erdogan wettert und droht den USA

Die Sanktionen von US-Präsident Trump gegen die Türkei bringen das Land an den Rand einer Krise. Analysten befürchten Konsequenzen für Europas Banken.

Turkish President Tayyip Erdogan addresses his supporters in Bayburt
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht zu seinen Anhängern in Bayburt. Foto: rtr

Erdogan drohte mehrfach mit Gegenmaßnahmen, ließ mitteilen, dass er mit dem russischen Präsident Wladimir Putin telefoniert habe und warf der Trump-Regierung in einem aufsehenerregenden Gastbeitrag für die „New York Times“ vor, den türkischen Islam-Prediger Fethullah Gülen, den er für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht, nicht auszuliefern.

Falls sich die USA weiter respektlos verhielten, könne die Türkei auch „nach neuen Freunden und Verbündeten suchen“. Eine Drohung mit dem Nato-Austritt, die Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin auf Twitter noch verstärkte: „Die USA gehen das Risiko ein, die Türkei insgesamt zu verlieren.“

Eigene Verantwortung für den dramatischen Absturz der Lira übernahm Erdogans Regierung nicht. Zumindest auf psychologische Unterstützung der Bevölkerung kann er zählen. Auch die Oppositionsparteien mit Ausnahme der prokurdischen HDP stützen seine harte Haltung. Doch die wirtschaftlichen Folgen der Konfrontation sind bereits zu spüren. Importe verteuern sich, Unternehmen mit Dollar- oder Euroschulden geraten in Schwierigkeiten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg sind türkische Firmen mit rund 220 Milliarden Dollar verschuldet. Die linksnationalistische Zeitung „Aydinlik“ schrieb, der Liraverfall drücke zudem massiv auf den Kaufwert des Mindestlohns und zwinge Bürger bereits dazu, Brot mit Kreditkarten zu erwerben.

Internationale Analysten warnten, dass der Liraverfall den türkischen Bankensektor bereits schwer belaste. So könnte aus der Währungsschwäche schnell eine Bankenkrise werden, die auch europäische Geldinstitute mit starkem Engagement in der Türkei trifft.

Inzwischen regt sich aber auch in der Türkei Kritik an der starren Haltung der Regierung und ihrer Wirtschaftspolitik. In der englischsprachigen „Hürriyet Daily News“ brachte der Kommentator Serdan Demirtas die Währungskrise in Verbindung mit Erdogans neuem hochzentralistischen Präsidentschaftssystem. „Das neue Regierungssystem hat bisher dabei versagt, die internationalen Märkte von der Zukunft der türkischen Wirtschaft zu überzeugen und die nötigen diplomatischen Lösungen zur bilateralen Krise mit den USA zu erzeugen.“ 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Türkei

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