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Türkei Erdogan wettert und droht den USA

Die Sanktionen von US-Präsident Trump gegen die Türkei bringen das Land an den Rand einer Krise. Analysten befürchten Konsequenzen für Europas Banken.

Turkish President Tayyip Erdogan addresses his supporters in Bayburt
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht zu seinen Anhängern in Bayburt. Foto: rtr

Keine Zeichen von Entspannung: Der aggressive Ton zwischen den USA und der Türkei eskalierte auch am Wochenende weiter. In der Türkei heizten die am Freitag verhängten Wirtschaftssanktionen des US-Präsidenten Donald Trump die Stimmung auf und stürzten die Wirtschaft des Landes in die schwerste Krise, seit die regierende islamistische AKP vor 16 Jahren an die Macht kam. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem Wirtschaftskrieg gegen sein Land und drohte indirekt mit einem Bruch des Nato-Bündnisses.

Am Freitag war es zu einem dramatischen Fernduell gekommen. Genau in jenem Moment, als der türkische Finanzminister und Erdogan-Schwiegersohn Berat Albayrak vor der einbestellten türkischen Wirtschaftselite in Istanbul ein „neues türkisches Wirtschaftsmodell“ erläutern und damit den Lira-Absturz bremsen wollte, feuerte US-Präsident Trump einen seiner berüchtigten Tweets ab und kündigte Strafzölle von 20 bis 50 Prozent auf Stahl und Aluminium aus der Türkei ab Montag an.

Exporte von Eisen, Stahl und Aluminium in die USA machten laut Angaben des türkischen Handelsministeriums im vergangenen Jahr einen Wert von 1,1 Milliarden Dollar oder rund 0,7 Prozent des gesamten Ausfuhrvolumens aus. Da Albayrak ohnehin nichts von Bedeutung zu sagen hatte, stürzte die Währung innerhalb von Sekunden bis auf 6,80 Lira zum Dollar ab. Seit Jahresbeginn hat sie damit mehr als 30 Prozent an Wert eingebüßt. Internationale Beobachter schließen einen Kollaps türkischer Banken nicht mehr aus und äußerten die Sorge, dass die Turbulenzen auf europäische Banken übergreifen könnten.

Die Krise zwischen den beiden Nato-Partnern eskaliert aus verschiedenen Gründen, deren wichtigster der fortdauernde Freiheitsentzug für den evangelikalen US-Pastor Andrew Brunson ist, der seit Oktober 2016 in der Türkei unter grotesken Terrorvorwürfen festgehalten wird. Nachdem ein geplanter Gefangenenaustausch offenbar an Nachforderungen Ankaras gescheitert war, verhängte Washington vor anderthalb Wochen historisch beispiellose Sanktionen gegen zwei türkische Minister.

Eine türkische Delegation reiste in der vergangenen Woche zu Gesprächen nach Washington, ohne ein Ergebnis zu erreichen. Die Freilassung Brunsons ist für die USA inzwischen unverhandelbar, laut türkischen Medien soll ein Ultimatum bis kommenden Mittwoch gelten.
Ohne einen gesichtswahrenden Ausweg aus der Krise schaltet Erdogan jedoch auf stur. Bei öffentlichen Reden am Schwarzen Meer erklärte er am Wochenende, die USA und andere Länder führten einen „Wirtschaftskrieg“ mit Dollar, Euro und Gold als „Patronen, Kanonen und Raketen“. Doch die Türkei werde sich „niemals“ dem Druck der Aggressoren beugen. „Schande, Schande! Sie ziehen einen Pastor einem strategischen Nato-Partner vor“, rief er am Samstag in der Provinz Ordu.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Türkei

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