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Türkei Erdogan für Bluttest bei türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten

Der türkische Staatspräsident Erdogan verschärft den Ton gegenüber türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten. Nach der Armenien-Resolution spricht er von "verdorbenem Blut".

06.06.2016 10:41
Erdogan zweifelt am Türkentum türkischstämmiger Bundestagsabgeordneter. Foto: AFP

Nach der Völkermord-Resolution in Deutschland hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan seine Angriffe auf türkischstämmige Abgeordnete im Bundestag verschärft. "Manche sagen, das seien Türken", sagte Erdogan in Istanbul. "Was denn für Türken bitte?" Erdogan sprach sich dafür aus, den Abgeordneten Blutproben entnehmen zu lassen. "Ihr Blut muss durch einen Labortest untersucht werden." Den Grünen-Chef Cem Özdemir, der zu den Initiatoren der am Donnerstag im Bundestag verabschiedeten Resolution gehörte, nannte Erdogan einen "Besserwisser".

Bereits am Samstag hatte Erdogan den türkischstämmigen Abgeordneten im Bundestag angegriffen. "Dort soll es elf Türken geben", sagte Erdogan. "Von wegen. Sie haben nichts mit Türkentum gemein. Ihr Blut ist schließlich verdorben." Er warf den Abgeordneten zudem vor, der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als verlängerter Arm in Deutschland zu dienen. «Es ist sowieso bekannt, wessen Sprachrohr sie sind», sagte Erdogan. "Von der separatistischen Terrororganisation in diesem Land sind sie die Verlängerung in Deutschland."

Die Türkische Gemeinde hat die Angriffe von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan auf türkischstämmige Abgeordnete im Bundestag in scharfer Form zurückgewiesen. "Morddrohungen und Bluttestforderungen finden wir abscheulich", sagte der Bundesvorsitzende des Verbandes, Gökay Sofuoglu, in Stuttgart. "Ich denke, dass Leute nach Blut definiert werden, hat 1945 aufgehört. Das ist absolut deplatziert."

Derweil ist der deutsche Generalkonsul in Istanbul an seinem Grußwort zu den Absolventen einer türkisch-deutschen Eliteschule gehindert worden. Der von der AKP-Regierung in Ankara eingesetzte Leiter des Istanbul Lisesi bat Generalkonsul Georg Birgelen kurzfristig, seine Ansprache nicht zu halten, wie die Presse am Montag aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Schulleiter Hikmet Konar habe das mit einem entsprechenden Anruf vom Erziehungsministerium aus Ankara begründet. Befürchtet würden Unmutsbekundungen der Schüler.

Birgelen verließ die Veranstaltung am Freitagabend daraufhin vorzeitig. Als der wegen seiner AKP-Nähe umstrittene Schulleiter seine Ansprache hielt, drehten die Absolventen ihm geschlossen den Rücken zu. Sie sorgten damit für einen Eklat.

Das Istanbul Lisesi ist ein staatliches türkisches Gymnasium mit einer deutschen Abteilung, das ausschließlich von türkischen Schülern besucht wird. Die Einrichtung gehört zu den Eliteschulen des Landes und wird durch die Entsendung deutscher Lehrkräfte auch mit deutschen Steuermitteln gefördert. Die Schule war einst eine Hochburg von Anhängern des säkularen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk. (FR mit dpa)

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