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Türkei Ehemann von Mesale Tolu darf ausreisen

Die Ausreisesperre gegen den Ehemann der deutschen Journalistin Mesale Tolu wird aufgehoben. Ein Istanbuler Gericht erlässt währenddessen einen internationalen Haftbefehl gegen Can Dündar.

Mesale Tolu
Mesale Tolu und Suat Corlu. Foto: dpa

Vor einer Strafkammer in Istanbul hat sich die deutsche Journalistin Mesale Tolu am Dienstag gegen die ihr zur Last gelegten Terrorismusvorwürfe verteidigt – und einen ersten Erfolg erreicht: Ihr mitangeklagter Ehemann Suat Corlu darf die Türkei verlassen. Zugleich verhängte ein anderes Istanbuler Gericht einen internationalen Haftbefehl gegen den in Deutschland lebenden Journalisten Can Dündar. Sieben Monate hatte Mesale Tolu wegen Terrorvorwürfen in türkischer Untersuchungshaft gesessen, zeitweilig mit ihrem zweijährigen Sohn. Acht weitere Monate durfte die deutsche Journalistin die Türkei nicht verlassen. Erst im August konnte sie in ihre Heimatstadt Ulm zurückkehren. 

Trotz dieser traumatischen Erfahrung brachte die 33-Jährige jetzt den Mut auf, zur Fortsetzung ihres Strafprozesses wieder nach Istanbul zu fliegen. Diese Entscheidung habe Mesale Tolu erst vor wenigen Tagen nach intensiven Beratungen mit ihren Anwälten getroffen, hieß es in der Umgebung der jungen Frau. Die Verteidiger gingen davon aus, dass für ihre Mandantin kein Risiko einer erneuten Festnahme bestand. Tolu selbst äußerte sich vorsichtiger: „Es gibt immer die Gefahr, dass irgendetwas passieren kann“, sagte sie im rbb-Inforadio. 

Noch kein Urteil

Ihr Ehemann ist im gleichen Prozess angeklagt und hatte bisher Ausreiseverbot. Seinetwegen, aber auch um sich selbst gegen die Anklage zu verteidigen, reiste Mesale Tolu zur Verhandlung nach Istanbul. „Ich denke, dass die Chancen für meinen Mann damit erhöht werden“, sagte sie. Am Dienstag saß sie vor der 29. Strafkammer im Justizpalast von Caglayan auf der Anklagebank neben ihrem Mann. „Ich fordere im Namen meines Mannes die Aufhebung der Ausreisesperre und unseren Freispruch“, sagte Tolu nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur vor Gericht. Ein Urteil wurde für Dienstag nicht erwartet, aber das Gericht entschied, die Ausreisesperre gegen Suat Corlu aufzuheben.

Während gegen Tolu und Corlu verhandelt wurde, erließ ein anderes Istanbuler Gericht einen internationalen Haftbefehl gegen Can Dündar, den früheren Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Dündar war im Juli 2016 ins Exil nach Deutschland gegangen. Das Gericht schrieb Dündar jetzt wegen „Spionage“ über Interpol zur Fahndung aus. 

In der Türkei war Dündar 2016 wegen „Geheimnisverrats“ zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte 2015 in seiner Zeitung Dokumente veröffentlicht, die Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an islamistische Milizen in Syrien zu belegen scheinen. Aus Deutschland droht Dündar zwar keine Auslieferung in die Türkei. Er muss nach dem Haftbefehl aber damit rechnen, bei Auslandsreisen festgenommen und an die Türkei überstellt zu werden.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Türkei

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