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Türkei Deutsche Gefangene: Mesale Tolu, Peter Steudtner, Deniz Yücel

Mindestens elf Bundesbürger sind politische Gefangene in der Türkei. Namentlich genannt werden im Streit mit der Türkei immer diese drei.

11.10.2017 08:18
Türkei
Unter den politischen Gefangenen Erdogans sind mindestens elf Deutsche. Foto: dpa

In der Türkei sind mindestens elf Bundesbürger aus politischen Gründen inhaftiert, die Dunkelziffer dürfte noch höher sein. Die Inhaftierungen haben eine schwere Krise zwischen Berlin und Ankara ausgelöst. Die Bundesregierung fordert die Freilassung der Deutschen – bislang ohne Erfolg. Namentlich genannt werden in dem Streit immer wieder drei Gefangene:

Mesale Tolu (33): Am 30. April nahmen Polizisten Tolu in ihrer Wohnung in Istanbul fest, später wurde gegen sie Untersuchungshaft verhängt. Ihr Ehemann war bereits zuvor inhaftiert worden. Tolu wird Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in der linksextremen MLKP vorgeworfen. Nach Angaben ihrer Anwältin drohen ihr bis zu 20 Jahre Haft. Die Anklage beruft sich auf die Teilnahme Tolus an vier Veranstaltungen. Zudem soll in ihrer Wohnung Propagandamaterial gefunden worden sein. Tolu stammt aus Ulm. In Istanbul arbeitete sie als Journalistin und Übersetzerin für die linke Agentur Etha. Sie hat ihren zweijährigen Sohn bei sich im Frauengefängnis in Istanbul.

Peter Steudtner (45): Steudtner, sein schwedischer Kollege Ali Gharavi und acht weitere Menschenrechtler wurden am 5. Juli bei einem Menschenrechtsseminar auf der Istanbul vorgelagerten Insel Büyükada festgenommen. Steudtner sitzt im Gefängnis in Silivri westlich von Istanbul in U-Haft. Ihm wird nach Angaben seines Anwalts Unterstützung einer Terrororganisation vorgeworfen. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft. Der Menschenrechtler hatte keine Verbindungen zur Türkei und wollte nach dem Seminar nach Berlin zurückkehren, wo er mit seiner Familie lebt. Steudtners Anwalt sagt, die am Sonntag vorgelegte Anklageschrift lese sich „wie ein schlechter Roman“.

Deniz Yücel (44): Der „Welt“-Korrespondent stellte sich am 14. Februar der Polizei, am 27. Februar wurde gegen ihn U-Haft verhängt. Das Gericht begründete das mit dem Verdacht der Terrorpropaganda und der Volksverhetzung. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigte Yücel außerdem öffentlich, ein Terrorist und deutscher Spion zu sein, ohne dafür Belege zu präsentieren. Eine Anklageschrift hat die Staatsanwaltschaft immer noch nicht vorgelegt. Mit dem Fall beschäftigt sich auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Yücel hat neben der deutschen auch die türkische Staatsbürgerschaft. Er sitzt wie Steudtner im Gefängnis in Silivri. (dpa)

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