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Türkei am Abgrund Erdogan ist „bereit zum Krieg“

Mit Drohungen an die Adresse der USA reagiert der türkische Präsident Erdogan auf den dramatischen Verfall der Lira - das ist auch ein Zeichen von Hilflosigkeit.

Erdogan
„Auf der einen Seite seid ihr ein strategischer Alliierter und auf der anderen schießt ihr uns in den Fuß. Ist das akzeptabel?“ Foto: AFP PHOTO / TURKISH PRESIDENTIAL PRESS SERVICE / KAYHAN OZER

Scheinbar unaufhaltsam rutscht die Türkei nicht nur in eine Währungs-, sondern auch in eine Wirtschaftskrise, mit unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft. Auch am Montag griff Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zu Durchhalteparolen, warf dem Nato-Partner USA vor, der Türkei in den Rücken zu fallen und drohte der einheimischen Wirtschaft bei Fehlverhalten mit Konsequenzen. Die türkische Wirtschaft sei stark, niemand solle spekulativen Meldungen über eine Krise glauben, sagte er. Schon am Wochenende hatte er von Verschwörungen und einem Wirtschaftskrieg gegen sein Land gesprochen.

Doch auch am Montag fand die Regierung in Ankara kein Mittel, um den dramatischen Wertverfall der Landeswährung Lira zu stoppen. In der Nacht waren die drastischen Strafzölle auf türkische Metallimporte in die USA in Kraft getreten, die US-Präsident Donald Trump am Freitag per Twitter angekündigt hatte. Stahl aus der Türkei wird nun mit Abgaben in Höhe von 50 Prozent statt bislang 25 Prozent belegt, Strafzölle auf Aluminium sollen folgen. Die USA sind der Hauptabnehmer türkischen Stahls. Inzwischen ziehen ausländische Investoren auch in großem Maß Kapital aus dem Land ab.

Erdogan verstärkt die Befürchtungen

Nachdem die Lira während der Nacht im asiatischen Handel erneut stark an Wert verloren hatte und erstmals sieben Lira für einen Dollar gezahlt werden mussten, erholte sich die Währung am Morgen wieder etwas, hat aber insgesamt schon 40 Prozent seit Jahresbeginn eingebüßt. Der Grund für die leichte Besserung war die Ankündigung der türkischen Zentralbank, den Banken des Landes jedwede Liquidität zur Verfügung zu stellen, die sie benötigten. Ein wichtiger Schritt, denn die türkischen Banken haben mehr als 220 Milliarden Dollarkredite einheimischer Unternehmen in ihren Büchern stehen, von denen mehr als 50 Milliarden in den nächsten zwölf Monaten fällig werden. Die extrem importabhängige Wirtschaft ist zudem auf ständigen Zufluss von Devisen angewiesen.

Die Notmaßnahmen wurden international als Signal gelesen, wie sehr die türkischen Banken bereits unter Druck stehen. Am Montag brachen ihre Aktienkurse stark ein. Brechen die Institute zusammen, dürften die Turbulenzen auf europäische Banken übergreifen, die mindestens 135 Milliarden Euro als Kredite an den türkischen Staat, türkische Firmen und Unternehmen vergeben haben.

Kurzzeitig trug auch die Ankündigung des Finanzministers und Erdogan-Schwiegersohns Berat Albayrak zur Stabilisierung der Währung bei: Am Montagmorgen würden notwendige Schritte in Kraft treten, um mit einem Aktionsplan für die Wirtschaft die Märkte zu beruhigen und den Kursverfall der Lira zu stoppen, sagte er. Bis zum späten Montagnachmittag war davon aber nichts zu hören, weshalb die Währung ab Mittag wieder ins Rutschen geriet und die Sieben-Lira-Marke zum Dollar erneut überschritt.

Weltweit wächst die Sorge, dass die türkische Währungs- in eine Wirtschaftskrise übergehen könnte, die die Schwellenländer und die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zieht. Der Konflikt zwischen der Türkei und den USA hatte bereits vor dem Wochenende Börsen weltweit erfasst und Kurse einbrechen lassen. Aktien der europäischen Tourismusbranche wie TUI, Thomas Cook oder Easyjet gaben an der Londoner Börse deutlich nach.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Türkei

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